Langzeitprognose
Hoch Zeno bringt zunächst Hitzewelle statt Schafskälte
Sommerfeeling durch Hoch Zeno: Knacken wir dauerhaft die 30-Grad-Marke oder nicht? Die Wettermodelle von GFS und ECMWF zeigen recht gegensäztliche Szenarien.
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Die Freibad-Saison läuft an (Archiv).
Von mic/red
Der meteorologische Sommeranfang am 1. Juni steht vor der Tür, und schon davor zieht es uns alle nach draußen. Ein mächtiges Wetterphänomen hat das Kommando über Mitteleuropa mitsamt Baden-Württemberg übernommen: Hoch Zeno.
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Statt der traditionell gefürchteten, nasskalten Witterungsphase im Juni – im Volksmund als „Schafskälte“ bekannt – bricht gerade eine regelrechte Hitzewelle herein. Vielerorts klettert das Thermometer auf hochsommerliche 30 Grad und mehr. Bis zu 16 Sonnenstunden am Stück machen das Land zur mediterranen Terrasse.
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Da stellt sich unweigerlich die Frage: Fällt die Schafskälte in diesem Jahr wegen Hoch Zeno komplett aus? Hinter den Kulissen der Wetterstationen tobt dazu gerade ein extrem spannender Modell-Krimi.
Was ist die Schafskälte?
Der Begriff basiert auf einer jahrhundertealten Bauernregel. Meteorologisch verbirgt sich dahinter eine sogenannte „Singularität“ – also ein Wetterfall, der mit erhöhter statistischer Wahrscheinlichkeit jedes Jahr zwischen dem 4. und 20. Juni eintritt. Die Angaben für das Risiko belaufen sich dabei je nach Quelle von 33 bis über 80 Prozent. Durch den Klimawandel soll die Schafskälte aber tendenziell seltener werden, heißt es.
Ihren Namen verdankt die Schafskälte der Landwirtschaft. Traditionell wurden die Schafe Anfang Juni geschoren. Kam danach der plötzliche Kälteeinbruch, froren die Tiere ohne ihr schützendes Wollkleid erbärmlich. Viele Landwirte warten deshalb bis heute mit der Schur, bis diese kalte Phase vorüber ist.
Hoch Zeno als „Hitzeglocke“
In diesen Tagen fühlt sich die Schafskälte allerdings wie ein fernes Märchen an. Hoch Zeno liegt wie eine schützende Hitzeglocke über uns. Bei einem solchen Hochdruckgebiet sinken Luftmassen großflächig ab, erwärmen sich und lösen alle Wolken auf. Ein „unsichtbarer Deckel“, der uns tagelang strahlenden Sonnenschein garantiert und die Hitze am Boden anstaut.
Doch die Idylle wackelt. Die Wettercomputer rechnen heiß – und sie sind sich absolut uneinig, wie es nach Pfingsten weitergeht.
„Nordwest-Rutsche“ mit Temperatursturz möglich
Wer die Rohdaten der Meteorologen studiert, sieht , dass die Vorhersage für den Juni-Start auf Messers Schneide liegt. Es läuft ein Duell zwischen den beiden wichtigsten Wettercomputern der Welt:
Das US-Modell (GFS) setzt auf Kälteschock: Das amerikanische Global Forecast System zeigt in seinen Berechnungen immer wieder ein radikales Szenario. Es lässt Hoch Zeno nach Westen auf den Atlantik ausweichen. Dadurch wird die sogenannte „Nordwest-Rutsche“ frei. Die Folge: Ein brutaler Temperatursturz. Nach diesem Modell würden die Werte binnen kurzer Zeit um gut 10 Grad absacken, im Norden wären sogar nur noch nasskalte 12 bis 14 Grad drin. Die Schafskälte würde uns also mit voller Wucht erwischen.
Wettermodelle: GFS vs. ECMWF
Das europäische Modell (ECMWF) hält dagegen: Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage berechnet die Lage deutlich entspannter. In dessen Modellläufen wandert Hoch Zeno zwar auch ab, hinterlässt aber eine weitaus mildere Wetterlage. Statt einer eiskalten Dusche aus der Arktis prognostizieren die Europäer eine moderate Abkühlung auf völlig normale, frühsommerliche 20 bis 24 Grad. Die Schafskälte würde in diesem Szenario quasi ausfallen.
Hoch Zeno oder Polarluft?
Welches Modell am Ende Recht behält, entscheidet sich in den kommenden Tagen an der exakten Positionierung von Hoch Zeno. Verschiebt es sich nur ein paar hundert Kilometer weiter auf den Ozean, strömt die Polarluft nach Deutschland. Bleibt es näher an Mitteleuropa, flacht die Abkühlung ab.
Für alle Hobbygärtner, Camper und Schäfer heißt es jetzt die heißen Tage im T-Shirt genießen aber auch den Wetterbericht im Auge behalten. Die Wetter-Achterbahn könnte im Juni noch Fahrt aufnehmen.
