Ex-Trigema-Chef

„Ich bin stolz auf meine Kinder“ – Wolfgang Grupp spricht über Gefühle

Der Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp ist zurück und gibt wieder Interviews. „Ich bin stolz auf meine Kinder, sie machen das top“, sagt er und gibt auch Einblicke in seine Gefühlswelt.

Unternehmer Wolfgang Grupp ist zurück im Leben.

© Bernd Weißbrod

Unternehmer Wolfgang Grupp ist zurück im Leben.

Von Imelda Flaig

Das Schönste im Leben ist für Wolfgang Grupp, das Gefühl gebraucht zu werden und Anerkennung zu erfahren. „Dass ich noch nicht so ganz unwichtig bin“, beschreibt es Grupp. Er sei täglich im Büro „werde immer noch mal gefragt und ich mache noch die Produktionsplanung“. Doch der Unterschied sei spürbar: „Ich gehe morgens etwas später in die Firma und vielleicht auch nachmittags etwas früher“, sagt er im Interview mit dem SWR-Fernsehen.

Es ist das erste große TV-Interview nach seinem Suizidversuch im vergangenen Jahr. Grupp, dessen Biografie Ende März erschienen und ein Bestseller ist, gibt auch im Interview viel Einblick in seine Gefühlswelt, spricht über seinen Suizidversuch und Depressionen. „Das ist eine Kurzschlussreaktion gewesen, die ich natürlich sehr bereut habe.“ Für ihn und die Familie „ist das abgehakt, erledigt und vorbei und das wird auch nicht mehr besprochen“, sagt Grupp mit der für ihn typischen Nüchternheit.

Seine Frau fand ihn rechtzeitig, es folgten zwei Tage im künstlichen Koma und 14 Tage im Krankenhaus. Später ging er an die Öffentlichkeit. Über 2000 Briefe erhielt er – 95 Prozent von Menschen, die er gar nicht kannte. „Ich wusste gar nicht, dass das Thema Depressionen oder Altersdepressionen doch sehr verbreitet ist.“ Ob Trigema dadurch einen Imageschaden erlitten habe? „So weit habe ich gar nicht gedacht. Das war sicher keine Negativwerbung. Man hat mich ja bemitleidet und ich habe so viele Briefe bekommen“, sagt Grupp.

Die Gesprächstherapie brach er nach einer Stunde ab. „Mein Hausarzt ist meine Frau – sie sagt mir, wann ich die Tablette nehmen soll und das mache ich dann“, sagt Grupp. Mit ihr ist er seit 37 Jahren verheiratet und lässt nichts auf sie kommen. „Auf sie ist großen Verlass.“ An seine Hochzeitsrede erinnert er sich der einst eingefleischte Junggeselle noch heute: „Du hast mich aus dem Dunkeln meines Lebens geholt.“ Die Familie sei der tragende Ort im Rücken, wenn man älter werde, sagt er.

„Entlassen von Mitarbeitern gibt es nicht“

Dass seine Kinder, die das Unternehmen seit gut zwei Jahren führen, auch ohne ihn klar kommen, ist Grupp bewusst. „Es ist doch sehr schön, wenn man das Gefühl hat, dass die Kinder das, was der Papa jahrzehntelang vorgemacht hat, gerne nachmachen wollen“, sagt er. „Ich bin stolz auf meine Kinder, sie machen das top.“ Die neuen Herausforderungen wie KI und Digitalisierung schrecken Grupp senior nicht, er spricht vom Wandel der Zeit. „Den musste ich mitmachen und den müssen meine Kinder auch rechtzeitig erkennen und mitmachen“. Möglicherweise könne KI auch Arbeitsplätze ersetzen. Wichtig für ihn bleibt das zentrale Versprechen von Trigema, das er auch von seinen Kindern erwartet: „Entlassen von Mitarbeitern gibt es nicht.“

Bei der Haltung zur Arbeit bleibt Grupp konsequent. „Eine Work-Life-Balance darf es nicht geben – die Arbeit ist nicht zum Spielen da“, sagt der Mann, der 55 Jahre die Geschicke von Trigema bestimmt hat. Sein Großvater war sein Vorbild, Grupp selbst ist seit wenigen Monaten Opa.

„Will ein Opa sein, zu dem die Enkel gern gehen“

Was er für ein Opa sein will? „Ich möchte selbstverständlich auch ein Opa sein, der dann vom Enkel oder der Enkelin gern gesehen wird und die dann auch gern zum Opa gehen“, sagt Grupp. Auch als Großvater sollte man den Enkeln Vorbild sein, das die einen auch schätzen. „Wertschätzung ist doch ganz wichtig.“

Wichtig für Grupp ist vor allem, dass man nie im Streit auseinander geht. „Es gab nie einen Abend, an dem man im Streit ins Bett ging“, sagt Grupp. Ob er sanfter geworden sei? „Ich bin nicht sanfter geworden, ich bin älter geworden“, kontert Grupp. Wenn es darauf ankäme könnte er immer noch „toben wie ein Stier“.

Glaube als tägliche Stütze: Wolfgang Grupp bleibt demütig

Seinen katholischen Glauben hat die Krise nicht erschüttert. Noch immer geht Grupp jeden Morgen in seine Hauskapelle, bevor er ins Büro fährt. „Damit ich weiß, auch bei mir dürfen die Bäume nicht in den Himmel wachsen, ich muss mich anständig verhalten.“

Dazu gehört für ihn auch, dass der Erfolg nicht zu Kopf steigt. „Erfolg haben ist keine Kunst, aber ein großes Herz zu haben, das ist sicherlich schwieriger.“ Und er fügt hinzu: „Man darf nicht irgendwo zu eingebildet werden und sagen, ich bin der Größte oder sonst was, man muss immer mit einer gewissen Demut durchs Leben gehen.“

Und sein Wunsch fürs 85. Lebensjahr? „Dass ich im Prinzip das Leben, so wie ich es habe, gerne lebe, und dass ich nicht am Schluss anderen zur Last falle. Ein Pflegefall und anderen zur Last zu fallen, das wäre für mich nicht wünschenswert.“

Sie haben suizidale Gedanken? Hier wird Ihnen geholfen 

Wenn Sie selbst unter Depressionen leiden oder Suizidgedanken haben, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge. Auch wenn eine nahestehende Person betroffen ist, zögern Sie nicht, die Telefonseelsorge zu kontaktieren. Telefonnummer: 0800 1110 111

Hilfe für Betroffene und Angehörige

Es ist wichtig, dass Eltern, Verwandte und Freunde besonders aufmerksam sind, wenn bei Kindern oder Jugendlichen Anzeichen von Depressionen oder Suizidgefahr auftreten. Im Jahr 2023 war Suizid die häufigste Todesursache bei jungen Menschen im Alter von 10 bis 25 Jahren.

Auch hier gibt professionelle Hilfe:

www.deutsche-depressionshilfe.de

Info-Telefon Depression für Betroffene und Angehörige: 0800 33 44 5 33

E-Mail-Beratung für Betroffene und Angehörige: bravetogether@deutsche-depressionshilfe.de

Kinder und Jugendtelefon: 116 111 (Montag bis samstags 14 bis 20 Uhr)

Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/

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Erstellt:
12. Mai 2026, 08:46 Uhr
Aktualisiert:
12. Mai 2026, 09:54 Uhr

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