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Im College-Fußball das Glück gefunden

Der frühere TSG-Mittelfeldflitzer Athanasios Coutroumpas bereut nach seinem Gang in die USA im Sommer 2018 nur, dass er den Schritt erst mit 22 und nicht schon mit 18 Jahren gewagt hat. Gute Chancen für ein Comeback beim Oberligisten aus den Etzwiesen.

Seit zweieinhalb Jahren ist Athanasios Coutroumpas mittlerweile in den USA am Ball. Erst war er Kapitän eines College-Teams aus New York, seit diesem Sommer spielt er in Florida. Foto: privat

© Photos by Alan J Schaefer

Seit zweieinhalb Jahren ist Athanasios Coutroumpas mittlerweile in den USA am Ball. Erst war er Kapitän eines College-Teams aus New York, seit diesem Sommer spielt er in Florida. Foto: privat

Von Uwe Flegel

„Ich hatte mit 18 bereits die Chance und habe es nicht gemacht, was ich mittlerweile fast ein wenig bereue.“ Athanasios Coutroumpas spricht von der Entscheidung, in den USA das Studium und den Sport ideal miteinander verbinden zu können. Im Fall des 25-jährigen Ex-Backnangers, der über den Winter die alte Heimat besucht, ist das auf der einen Seite der Master in Business Administration und auf der anderen der Fußball.

Zweieinhalb Jahre ist es her, da entschloss sich der Spezialist für beide offensive Außenbahnen der TSG dazu, nach einem Jahr Oberliga mit dem Etzwiesenverein, seine Zelte hier vorübergehend abzubrechen und sein Studium in den Vereinigten Staaten fortzusetzen. Möglich gemacht hatte das ein Stipendium als Fußballer bei der New Yorker Long-Island-Universität. „Das beinhaltet die Studiengebühren, dein Essen und eine kostenlose Wohnung“, erklärt der gebürtige Waiblinger, der das in Zahlen beziffert: „In New York ist das ein Gegenwert von ungefähr 60000 Dollar pro Jahr. In Florida dürften es 45000 Dollar sein.“ Denn nach zwei Jahren in Big Apple ging es für Coutroumpas vergangenen Sommer einmal die Ostküste komplett runter nach Lakeland.

Von Long Island einmal die komplette Ostküste runter nach Lakeland in Florida.

Grund dafür ist das Alter. Mit den sogenannten LIU Sharks, dem 2019 entstandenen Fusionsteam zweier zuvor separater Universitäten aus Brooklyn und Brookville, war der Backnanger von der Division II in die Division I hochgestuft worden. Für die höchste Ebene des College-Systems ist der Schwabe mit griechischem Pass mit seinen 25 Jahren allerdings zu alt. In der Division II, in der das Uni-Team Southern Mocs des Florida South College spielt, darf er dagegen noch ran und kann so seinen Masterstudiengang vollends abschließen.

Einerseits Glück für den Flügelstürmer, andererseits auch Anerkennung für seine fußballerischen Leistungen. Denn in New York hatte er es bereits in seiner ersten Saison zum Kapitän gebracht. Zudem „haben wir sogar unsere Conference gewonnen und es im nationalen Finalturnier unter die besten 16 gebracht.“ Auf gutes Oberliga-Niveau schätzt Coutroumpas die Qualität solcher Endturniere und sagt: „Die besten Leute könnten durchaus im Kader von deutschen Drittligisten stehen.“ Überhaupt werde die Leistungsstärke der College-Teams hierzulande eher unterschätzt, da die Vereinigten Staaten bei den Männern nicht gerade als Fußballgroßmacht gelten. Aber: „Bei mir in der Mannschaft stehen gerade mal zwei US-Amerikaner in der Startelf, der Rest kommt von überall her.“ Sehr oft aus Europa. So wie er aus Deutschland, aber auch aus den Niederlanden, aus Italien, aus Spanien.

Für Athanasios Coutroumpas, der vor seinem Wechsel an die Long Island University in Hohenheim Wirtschaftswissenschaft studiert und den Bachelor dann in New York fertig gemacht hat, steht fest, dass der Gang in die Fremde für ihn das Richtige war. Aus schulischen und aus sportlichen Gründen. „Wir trainieren hier im Prinzip unter Profibedingungen“, erzählt er und erklärt, dass es dafür allerdings durchaus Disziplin braucht. Denn: „Die erste Einheit auf dem Platz ist um 7 Uhr. Dann ist Studieren angesagt, ehe es gegen 15 Uhr wieder auf den Fußballplatz geht.“ Möglich sei das, weil sein Studienplan von den Uni-Verantwortlichen perfekt auf seine Trainingseinheiten abgestimmt ist, sagt der frühere TSG-Kicker und macht klar: „Dafür müssen dann aber auch die Leistungen stimmen.“ Auf beiden Spielfeldern.

Wobei es im Sport an keiner Annehmlichkeit fehlt. In Sachen Ausstattung und Umfeld sei’s eine andere Welt zu dem, was er als Jugendlicher des FSV Waiblingen, des 1. FC Normannia Gmünd, der TSG Backnang und des VfR Aalen kennengelernt hat, sagt Coutroumpas und schwärmt: „Selbst ein deutscher Drittligist kann das alles nicht vorweisen.“ Er berichtet von perfekten Rasenplätzen, bestens ausgestatteten und großzügigen Umkleidekabinen, die in der Tat eher an den FC Bayern München als an eine Studentenmannschaft erinnern. Hinzu komme an seiner Uni ein rund zehnköpfiger Trainerstab, mehrere Physiotherapeuten, so der 1,70 Meter große Fußballer, der im Aktivenbereich erst für die zweite Mannschaft der SG Sonnenhof Großaspach und dann drei Jahre unter den Trainern Markus Lang sowie Beniamino Molinari bei der TSG in der Verbands- und Oberliga gespielt hat. Sein Urteil über das, was er erst in New York vorgefunden hat und nun in Lakeland genießt: „Es fehlt dir einfach an nichts.“

Rückkehr zur TSG Backnang ist für den 25-Jährigen die erste Option.

Stellt sich die Frage, wie es für ihn im Dezember kommenden Jahres weitergeht, wenn er den Masterabschluss in der Tasche hat. Seine Hoffnungen, per Draft einen Platz in einer Mannschaft der amerikanischen Profiliga zu bekommen, halten sich in Grenzen, aber völlig aus dem Blickfeld hat er so etwas nicht verloren. Klar ist für ihn auf jeden Fall schon: „Wenn ich zurückkomme nach Deutschland, dann komme ich auch zurück zur TSG.“ Denn hier habe er sich zuvor wohlgefühlt und deshalb hat er mit dem Backnanger Vorstandsmitglied Marc Erdmann über dieses Szenario auch schon gute Gespräche geführt. Bis dahin freut er sich allerdings erst einmal, im Sommer 2018 den Sprung über den großen Teich gewagt zu haben. Das einzige, was ihn mittlerweile ein klein wenig reut, das ist, dass er diese Chance nicht bereits direkt nach dem Abitur am Waiblinger Staufergymnasium genutzt hat.

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Erstellt:
4. Januar 2021, 06:00 Uhr

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