Messebilanz
Industriemesse bringt nur wenig Schwung
Die Unternehmen aus der Region, die in Hannover ausgestellt haben, sind überwiegend zurückhaltend mit ihrem Ausblick.
© Julian Stratenschulte
Dank Augmented Reality „fährt“ dieses Motorrad.
Von Uli Schreyer
Es gibt sie also noch, die positive Nachricht in diesen Zeiten: „Einen derartigen Andrang an unserem Stand gleich am ersten Messetag hat es noch nie gegeben“, berichtet Joachim Ley, der Vorstandsvorsitzende des Künzelsauer Ventilatoren- und Motorenherstellers Ziehl-Abegg. Und er fügt hinzu: „Unsere Auftragsbücher sind sehr gut gefüllt“. Ein „Hingucker“ sei der Aufzugsmotor gewesen, der ohne seltene Erden auskommt. Die Messe diene in erster Linie der Imagepflege, „aber ich hatte auch konkrete Gespräche mit Vertretern von Unternehmen, bei denen es zu Aufträgen in größerem Umfang kommen kann“. Etliche Besucher hätten sich auch für offene Stellen interessiert.
Firmen äußern sich zurückhaltend
Von einer Stimmung, die „insgesamt gut“ war berichtet der Ventilatoren- und Motorenbauer EBM-Papst aus dem hohenlohischen Mulfingen. Besonders die Möglichkeiten zur Einsparung von Energie in Rechenzentren und bei Gebäudesanierungen hätten die Besucher interessiert. Das Unternehmen hat unter anderem eine Anlage präsentiert, bei der zusammen mit der Software bis zu 70 Prozent an Energie gegenüber alter Hardware eingespart werden kann. „Wir nehmen mehrere interessante Projektansätze von der Messe mit“, meint ein Sprecher.
„Die Messe ist ein Spiegel der aktuellen wirtschaftlichen Lage“, sagt Thomas Böck, der Vorstandsvorsitzende des Automatisierungsspezialisten Festo aus Esslingen. Insgesamt seien die Besucherzahlen zwar eher verhalten, am Stand aber habe es gute Gespräche gegeben. Festo biete Pneumatik, Elektronik und Software zur Automatisierung „aus einer Hand, damit punkten wir“. Gezeigt wurde in Hannover unter anderem Neuheiten aus der Medizintechnik und der Laborautomatisierung. Traditionell werden auf der Messe auch die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr veröffentlich. In diesem ging der Umsatz um 3,7 Prozent auf etwas mehr als 3,3 Milliarden Euro zurück.
Cem Özdemir zu Gast an Ständen von Firmen aus dem Südwesten
Viele Kunden zögerten mit Investitionen, hieß es dazu. „Wir wollen Wachstumschancen bei der Automation und bei Didactic nutzen“, hatte Böck erklärt. Im Bereich Didactic werden Mitarbeiter anderer Firmen geschult. Allerdings: Zu der Frage, ob der Umsatz dieses Jahr wieder wachsen werde, macht Festo keine Angaben.
„Der Montag war sehr zäh“, sagt ein Sprecher des Stuttgarter Kabelspezialisten Lapp zum Besuch am Stand. Die folgenden Tage seien dann besser gewesen. Insgesamt seien weniger Besucher als im vergangenen Jahr an den Stand gekommen. Möglicherweise hätten dem Verlauf der Messe auch die Streiks im öffentlichen Personennahverkehr geschadet. Die Gespräche am eigenen Stand werden natürlich gelobt – und besonders gefreut habe man sich bei Lapp darüber, dass auch der designierte baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir vorbeigeschaut habe.
Dietrich Birk, der Geschäftsführer des Maschinen- und Anlagenbauverbandes (VDMA) in Baden-Württemberg, hat bereits in den „ein reges Besucherinteresse“, erlebt. „Gleichzeitig bleibt die Stimmung bei vielen Ausstellern im Maschinen- und Anlagenbau gedämpft“, berichtet Birk – wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage ebenso wie wegen der anhaltenden weltweiten Unsicherheiten. Künstliche Intelligenz und humanoide Robotik seien auf der Messe stark präsent gewesen und auf eine gute Resonanz bei den Besuchern gestoßen. Doch insgesamt macht Birk eine Einschränkung: „Das Ausstellerinteresse insbesondere aus dem industriellen Mittelstand hat im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen“.
Künstliche Intelligenz spielte in diesem Jahr eine große Rolle
Die Messe selbst bleibt auf die Frage nach der erwarteten Zahl an Besuchern vorsichtig: Wie schon vor der Industrieschau heißt es auch jetzt noch, man rechne „mit mehr als 100 000 Besuchern. Von den etwa 3500 Ausstellern kamen etwa 200 aus Baden-Württemberg. Der Südwesten war auch mit Gemeinschaftsständen vertreten. Franz Loogen, der Geschäftsführer der Landesagentur e-mobil BW ist nicht der einzige Aussteller, der darauf hinweist, dass in diesem Jahr Künstliche Intelligenz eine ganz wesentliche Rolle auf der Industrieschau gespielt habe. „Die Austeller machten deutlich, das KI für Energie- und Industrieinfrastrukturen unerlässlich ist“, so der Eindruck von Loogen. „Für die Automobilbranche ist KI der nötige Rationalisierungsschritt, um bei leicht sinkendem Weltmarkt und einer globalen Überproduktion von Personenwagen wieder Fahrt aufzunehmen“, meint der Geschäftsführer. Brasilien, das diesjährige Partnerland der Messe, könne bei Rohstoffen für Elektromotoren, aber auch bei nachhaltiger Energieerzeugung „ein wichtiger Partner für die baden-württembergische Industrie werden“. Nach der Messe „werden wir die Kontakte mit brasilianischen Firmen und Verbänden vertiefen“.
