Jerusalem
Israel enteignet erstmals islamische heilige Stätte in besetzten Gebieten
Das Grab des Propheten Samuel verorten Juden, Christen und Muslime in Nabi Samuel bei Jerusalem. Jetzt hat Israel das Gebiet enteignet. Aktivisten warnen vor einem Religionskrieg.
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Der rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich. Mit dem Grab des Propheten Samuel hat Israel erstmals eine islamische heilige Stätte in den besetzten palästinensischen Gebieten enteignet (Archivfoto).
Von red/KNA
Mit dem Grab des Propheten Samuel hat Israel erstmals eine islamische heilige Stätte in den besetzten palästinensischen Gebieten enteignet. Nach Angaben der israelischen Friedensorganisation "Peace Now" erließ Israels Zivilverwaltung einen Enteignungsbeschluss für insgesamt knapp 11 Hektar Land in Nabi Samuel nahe Jerusalem. Auf dem Gebiet befinde sich auch die Moschee mit der als Grab des Propheten Samuel verehrten Stätte. Sie ist bisher im Besitz der islamischen Waqf-Behörde, die auch die heiligen islamischen Stätten auf dem Tempelberg verwaltet.
2018 war nach Einsprüchen von Anwohnern zunächst ein 2013 vorgelegter Bebauungsplan für das Gebiet abgelehnt worden. Nun setzte die israelische Koordinationsstelle für Regierungsaktivitäten in den besetzten Gebieten (Cogat) das Vorhaben durch.
Auf dem enteigneten Gebiet liegen laut Peace Now auch ein archäologischer Park, Ackerflächen, eine Quelle sowie Zufahrtsstraßen. Die Organisation wirft der Behörde unter Finanzminister Bezalel Smotrich (Religiöser Zionismus) vor, auf diese Weise die Annektierung des Westjordanlands voranzutreiben. Die Enteignung einer religiösen Stätte drohe, "einen politischen Konflikt in einen Religionskrieg zu verwandeln".
Behörde: Es dient dem Gemeinwohl
Cogat verwies auf angebliche mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens des Waqf bei Renovierungsplänen. Die aufgrund von Sicherheitsbedenken notwendigen Arbeiten geschähen laut Israelischen Behörden in Übereinstimmung mit dem Gesetz und zum Wohle aller Gläubigen, teilte die Behörde auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.
Das palästinensische Gouvernement Jerusalem, auf dessen Gebiet Nabi Samuel liegt, warf Israel laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa vor, unter dem Deckmantel von Entwicklung und Restaurierung systematisch die Übernahme palästinensischer archäologischer Stätten anzustreben. Sie solle dazu dienen, die von Israel beanspruchte Souveränität über ganz Jerusalem durchzusetzen sowie die palästinensische und islamische Präsenz aus dem öffentlichen Raum der Stadt auszuschließen.
Muslimen und Juden heilig
Nabi Samuel, arabisch Nabi Samwil, liegt wenige Kilometer nördlich von Jerusalem im sogenannten C-Gebiet des besetzten Westjordanlands, das nach den Oslo-Abkommen unter ziviler wie militärischer Kontrolle Israels steht. Israel hatte 1971 die um die Stätte lebenden palästinensischen Bewohner vertrieben, das Gelände 1995 zum Nationalpark erklärt und archäologische Ausgrabungen begonnen.
Juden, Christen und Muslime verorten an dieser Stelle das Grab des biblischen Propheten Samuel. Seit den 1980er Jahren gibt es auf dem Gelände getrennte muslimische und jüdische Gebetsbereiche.
2025 hatte Cogat einen Innenhof an den Patriarchengräbern in Hebron enteignet. Damals argumentierte die Behörde, es handele sich bei dem enteigneten Bereich um eine Freifläche und der jüdische Gebetsbereich benötige ein Dach. Im vergangenen November enteignete Cogat zudem 180 Hektar rund um die archäologische Stätte Sebastia im Norden des besetzten Westjordanlandes.
