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Jedes Training wird zur Inspektion genutzt

Karrieren abseits des Sports (17): Fast so lange, wie Andreas Bartsch schon für die TSG-Wasserballer im Einsatz ist, kümmert sich der Fliesenleger um die Reparaturen in Backnangs Bädern. „Ich sehe Schäden schnell, weil ich ständig da bin“, sagt der 43-Jährige.

Andreas Bartsch kennt die Backnanger Bäder wie seine Westentasche: Zum einen, weil er als Fliesenlegermeister für Reparaturen zuständig ist...

© Alexander Becher

Andreas Bartsch kennt die Backnanger Bäder wie seine Westentasche: Zum einen, weil er als Fliesenlegermeister für Reparaturen zuständig ist...

Von Steffen Grün

Wenn es nicht wie in diesen Wochen und Monaten die Pandemie verhindert, hüpft Andreas Bartsch mindestens zweimal pro Woche für den Verein in das kühle Nass. Dienstags geht es mit seiner Frau Kathrin, die seit 20 Jahren die Schwimmschule der TSG Backnang leitet, ins Hallenbad: „Ich bin für die Wassergewöhnung der Kleinsten zuständig.“ Donnerstags nimmt er am Wasserballtraining teil, diese eine Einheit reicht ihm mittlerweile. Den Rest macht er mit Routine wett, wenn seine Dienste bei Punktspielen gefragt sind. „Ich stehe parat, wenn mich Ulrich Beuthner braucht“, sagt Andreas Bartsch. Er lasse aber gerne den Talenten im Kader den Vortritt, wenn den Trainer keine Personalsorgen plagen. Möglichkeiten, sich einen Eindruck vom aktuellen Zustand der Becken im Freibad und im Hallenbad zu verschaffen und damit zu wissen, wann ihn der Betreiber mal wieder in dienstlicher Mission anfordern könnte, bieten sich ihm ohnehin genug.

Dass sich Beruf und Hobby später derart gut ergänzen würden, war nicht abzusehen, als Andreas Bartsch als kleiner Bub seinen engen Bezug zum Wasser aufbaute. 1978 in Leipzig geboren, zählte er vor der Wende zu den besten Nachwuchsschwimmern des Bezirks und ging unter anderem mit dem späteren Olympiateilnehmer Stefan Herbst auf eine Kinder- und Jugendsportschule. Sein Jahrgang ist auch Stev Theloke, der 2000 in Sydney zwei Bronzemedaillen eroberte, doch Andreas Bartsch spürte schnell, dass es ihm nicht nach ganz oben reichen würde. Noch bevor er mit der Familie ein Jahr nach dem Ende der DDR nach Nellmersbach und später nach Backnang zog, reduzierte er sein Trainingspensum deutlich und war überrascht, was ihm in der neuen Heimat der damalige TSG-Trainer Robert Becker abverlangen wollte. „Ich dachte, ich komme zum gemütlichen Schwimmen bei einem kleinen Verein, und dann sagte er: 3000 Meter Kraul. Mit solchen Distanzen hatte ich abgeschlossen.“

Bartsch gehört zur goldenen Generation der TSG-Wasserballer.

Weil im Training im Osten auch ab und zu Wasserball gespielt worden war, lag der Sportartwechsel nahe. Er habe aber nicht gewusst, dass das in Backnang möglich ist, „bis mir mein Lehrer einen Flyer in die Hand gedrückt hat und meinte, das wäre doch was für mich“. Ein guter Tipp, denn ab 1993 war Andreas Bartsch ein Teil der goldenen TSG-Generation unter Trainer Eckehardt Stecher, zu der etwa auch dessen beiden Söhne Mark und Alexander, Sven Rehm, Markus Mögel, Julian Müller oder Mark Daynes gehörten. Als Torwart und vor allem als Abwehrspieler trug der einstige Schwimmer dazu bei, dass Backnangs A-Jugend in Süddeutschland eine starke Rolle spielte und sich auch bei den Aktiven große Erfolge einstellten. Einige Jahre mischten die Murrtaler in der Oberliga mit, einmal wäre es beinahe noch eine Klasse weiter nach oben gegangen. „Der Zusammenhalt war super“, blickt Bartsch zurück, im Wasser und an Land. „Wir sind auch abends zusammen weggegangen und haben gemeinsam Urlaub gemacht.“

Die wichtigste Weichenstellung im Berufsleben passierte eher durch Zufall. Der schwäbische Sachse wollte eigentlich Polizist werden, hätte wegen der Dioptrienzahl nach der Realschule aber bis zum 18. Geburtstag warten müssen. „Der Sohn einer Kollegin meiner Mutter war Fliesenleger und sie meinte, das wäre doch was für mich“, erinnert er sich. Stimmt, wie sich rasch herausstellte. Bartsch machte seine Ausbildung in Backnang, wurde Bauleiter beim gleichen Betrieb und gründete 2007 als Fliesenlegermeister eine eigene Firma, die mittlerweile aus drei Festangestellten und aus zwei Auszubildenden besteht. Ein Einsatzort begleitet ihn neben allen privaten Bädern, Balkonen und Terrassen seit seinen Anfängen in dem Metier: „Seit 1994 arbeite ich immer wieder im Freibad, schon als Lehrling habe ich dort die Reparaturarbeiten erledigt.“ Auch im Hallenbad ist seine Expertise gefragt, „drinnen hält das Material aber länger. Draußen ist mehr zu tun.“ Wenn eine Fliese oder eine Fuge beschädigt ist, bleibt es Bartschs geschultem Auge mit Sicherheit nicht lange verborgen, bei einer der nächsten Einheiten mit der Schwimmschule oder mit den Wasserballern fällt es ihm auf. Einmal habe er eine Fliese im Freibad bei laufendem Betrieb ausgetauscht, erzählt er lachend: „Ich bin mit der Badehose reingesprungen und habe sie unter Wasser angeklebt. Das hat tatsächlich bis zum Saisonende gehalten.“ Die Becken wie seine Westentasche zu kennen, verschafft ihm bei den Spielen mit der TSG Backnang allerdings keinen speziellen Heimvorteil, glaubt Bartsch.

In den Bädern, die er von Auswärtsspielen kennt, hatte er beruflich bislang nichts zu tun. Der fachliche Blick begleitete ihn trotzdem immer, deshalb foppte ihn Mark Stecher stets mit der Frage: „Und, wie sehen die Fliesen aus?“ Er konnte dann über das Fugenbild oder die Ebenheitstoleranzen räsonieren und die Teamkollegen hatten was zum Schmunzeln. Von Edelstahlverkleidungen, wie es sie in manchen Hallenbädern auch gibt, hält Bartsch nichts: „Ich bin kein Freund davon, ich bin immer für Fliesen.“ Er spreche aber nicht nur als Fliesenleger, sondern auch als Wasserballer. „Sie helfen bei der Orientierung. Vier Platten sind mit den Fugen ein Meter, das ist in allen deutschen Bädern so.“ Er muss es mit seiner Doppelfunktion wissen.

In dieser Serie stellen wir Athleten in ihrem Berufsalltag vor. Dabei geht es um bekannte Sportler und um solche, die ungewöhnliche Jobs haben oder bei der Arbeit besonders erfolgreich sind. Weitere Kandidaten können sich unter sportredaktion@bkz.de melden.

...zum anderen, weil er seit 1993 für die TSG-Wasserballer spielt. Fotos: A. Becher/B. Strohmaier

© Bernd Strohmaier

...zum anderen, weil er seit 1993 für die TSG-Wasserballer spielt. Fotos: A. Becher/B. Strohmaier

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Erstellt:
24. April 2021, 06:00 Uhr

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