Frankreich

Jugendbetreuer soll 89 Jungen missbraucht haben

Ein 79-jähriger Jugendbetreuer steht in Frankreich im Verdacht, über Jahrzehnte 89 Jungen missbraucht zu haben. Die Ermittlungen reichen bis nach Deutschland.

Frankreich, Paris: An einem Kommissariat in Frankreich hängt ein Schild mit der Aufschrift Polizei (Symbolbild).

© Rachel Boßmeyer/dpa

Frankreich, Paris: An einem Kommissariat in Frankreich hängt ein Schild mit der Aufschrift Polizei (Symbolbild).

Von red/dpa

Frankreichs Justiz ermittelt gegen einen 79 Jahre alten Mann, der in einem Zeitraum von fast 60 Jahren 89 Minderjährige sexuell missbraucht haben soll. Als Jugendbetreuer soll der Mann während Einsätzen in zahlreichen Ländern, darunter auch in Deutschland und der Schweiz, Jungen im Alter von 13 bis 17 Jahren missbraucht haben, wie die Staatsanwaltschaft in der südostfranzösischen Großstadt Grenoble mitteilte. 

Der zuletzt in Marokko wohnende Mann sei bereits 2024 während eines Familienbesuchs in Frankreich festgenommen worden, nachdem ein Neffe bei ihm auf einen USB-Stick mit Aufzeichnungen und Fotos zu den missbrauchten Jugendlichen gestoßen sei. Da die Fahnder bislang nur rund 40 der dort aufgeführten Opfer identifizieren konnten, wurden weitere Betroffene aufgerufen, sich bei den Behörden zu melden. Zu den Taten soll es zwischen 1967 und 2022 gekommen sein.

Tatverdächtiger jahrelang in Deutschland im Einsatz

In Deutschland hat der Jugendbetreuer nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen 1965 und 1969 sowie zwischen 1985 und 1996 gearbeitet. In der Schweiz hatte er Arbeitseinsätze zwischen 1965 und 1980 sowie zwischen 1985 und 1996.

Auf die Jugendlichen habe er eine intellektuelle Anziehungskraft ausgeübt, die er sich für seine Missbrauchstaten zu Nutzen gemacht habe, schrieb der Mann in Notizen auf dem beschlagnahmten USB-Stick. Bereits von den Ermittlern befragte Opfer hätten angegeben, dass der Betreuer damals viel Zeit damit verbracht habe, ihnen Fremdsprachen beizubringen und ihr kulturelles Bewusstsein zu wecken, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sich selbst beschrieb habe der Betreuer in den Notizen als „Pädophilen“ bezeichnet.

Dass eine jahrzehntelange Missbrauchsserie durch detaillierte Aufzeichnungen des Täters aufgedeckt werden kann, weckt in Frankreich die Erinnerung an den Fall des Chirurgen Joël Le Scouarnec, der im vergangenen Jahr wegen des Missbrauchs von knapp 300 meist jugendlichen Patienten verurteilt wurde. Über die Taten zwischen 1989 und 2014 hatte er akribisch Buch geführt.

Heimliche Aufzeichnungen ließen auch Fall Pelicot auffliegen

Auch der aufsehenerregende Missbrauchsfall Gisèle Pelicot in Frankreich war aufgeflogen, weil Pelicots Ex-Mann sein Tun wie auch das der anderen 50 verurteilten Täter ausführlich auf Video festhielt. Er hatte vor Gericht gestanden, seine damalige Frau fast zehn Jahre lang immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und von Fremden vergewaltigen lassen zu haben.

Dem von den Ermittlern in Grenoble in Untersuchungshaft genommenen ehemaligen Jugendbetreuer werden außer der jahrzehntelangen Missbrauchsserie auch zwei Morde angelastet. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, habe der Mann eingeräumt, seine Mutter 1974 im Endstadium einer Krebserkrankung mit einem Kissen erstickt zu haben. 1992 soll er auf die gleiche Weise seine über 90-jährige Tante getötet haben.

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Erstellt:
10. Februar 2026, 15:56 Uhr

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