Zukunft ist bereits Gegenwart

Kampf-Roboter sind auf dem Vormarsch – nicht nur in der Ukraine

Im Krieg gegen Russland haben sich ukrainische Militär-Roboter bereits bewährt.  Noch werden sie von menschlichen Soldaten gesteuert. Kommen als nächstes Maschinen, die eigenständig töten? Wissenschaftler warnen davor, dass die technische Entwicklung geraten könnte.

Die Zukunft ist bereits Gegenwart: Die ukrainische Armee ist aufgrund des Krieges gegen Russlands mit führend bei der Entwicklung und dem Einsatz von Kampf-Robotern.

© Imago/Ukrinform

Die Zukunft ist bereits Gegenwart: Die ukrainische Armee ist aufgrund des Krieges gegen Russlands mit führend bei der Entwicklung und dem Einsatz von Kampf-Robotern.

Von Markus Brauer

Eine ukrainische Armee-Einheit hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 100 Angriffe mit Kampfrobotern gegen russische Ziele an der Front ausgeführt. „Insgesamt hat es mehr als 100 solche Einsätze gegeben“, heißt es aus der ukrainischen NC-13-Einheit, die Teil der dritten ukrainischen Angriffsbrigade ist.

Das sind systematische Kampfeinsätze“

„Diese Einsätze umfassen das Ausschalten von feindlichen Soldaten sowie die Zerstörung von Schutzräumen, Kommandoposten und anderer feindlicher Infrastruktur“, heißt es weiter. „Das sind nicht mehr isolierte Vorfälle, sondern systematische Kampfeinsätze.“

Zum Einsatz kämen „Boden-Robotik-Kamikaze-Systeme“ und „mit Kampfmodulen ausgestattete Boden-Robotik-Systeme“. Roboter-Kampfsysteme könnten Infanterie-Einsätze ersetzen und damit ukrainische Verluste vermeiden.

Erster Roboter-Einsatz im Sommer 2025

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte kürzlich gesagt, die Ukraine habe mit Kampfrobotern und Drohnen eine russische Stellung erobert. Die dritte ukrainische Angriffsbrigade erklärt, dieser erste Einsatz dieser Art habe im Sommer 2025 stattgefunden.

Damals hätten vier ferngesteuerte Fahrzeuge mit jeweils 30 Kilogramm Sprengstoff eine russische Frontstellung angegriffen, nachdem Soldaten der ukrainischen Infanterie die Stellung zwei Mal erfolglos angegriffen hätten. Die russischen Soldaten hätten sich schließlich ergeben. „Das war der erste Roboterangriff auf feindliche Positionen der Welt, mit dem ohne Einsatz der Infanterie Gefangene gemacht wurden“, fährt die Brigade fort.

„Judgement Day“

„Terminator“, „Matrix“, „I, Robot“ – alles nur Science Fiction? Schon bald könnten intelligente Maschinen eigenständig Menschen töten. Bis dahin ist es technologisch nur ein kleiner Schritt.

„Judgement Day“ – Tag des Jüngsten Gerichts: Skynet, eine künstliche Intelligenz, die Sicherheitssysteme kontrollieren und schützen soll, führt den atomaren Erstschlag gegen die Menschheit aus. Danach übernehmen intelligente Maschinen die Macht auf der Erde und beginnen den Krieg gegen ihre Schöpfer. Den Überlebenden bleibt nur die Wahl, den Maschinen als Arbeitssklaven zu dienen oder sich der Rebellion anzuschließen.

So sieht die Apokalypse in den Filmen der „Terminator“-Reihe aus. Die Endzeit-Thriller sind dystopische Fiktion. Und doch weist er auf einen epochalen Umbruch in der Kriegsführung hin, der längst im Gange ist: Roboter revolutionieren die militärischen Konflikte des 21. Jahrhunderts. Sie werden auf den Schlachtfeldern der Zukunft immer wichtiger. Die stählernen Krieger gewinnen für die Militärs immer größere Bedeutung.

Automatisierte Schlachtfelder der Zukunft?

Ungeachtet der technischen Schwierigkeiten, Systeme mit künstlicher Intelligenz und Moralkodex zu entwickeln, geht das US-Verteidigungsministerium davon aus, dass die globale Rüstungsdynamik innerhalb der nächsten 30 Jahre autonom feuernde Roboter notwendig macht.

Über den Schlachtfeldern der Zukunft könnten neben unbemannten Aufklärungsflugzeugen kleinere, bewaffnete und weitgehend autonom agierende Drohnen schweben, die miteinander vernetzt als Schwarm operierten.

Maschinen, die in den Krieg geschickt werden und selbst Ziele wählen und töten. Fortschritt oder Horrorvorstellung? Was wie ein Science Fiction-Film klingt, ist längst in der Entwicklung. „Tödliche autonomen Waffen“ – „Lethal Autonomous Weapons Systems“ – sind gemeint – auch Killerroboter genannt.

Das können schießende Roboter sein, tödliche Drohnen, unbemannte U-Boote. Sie werden im Kampfeinsatz nicht von Menschen dirigiert, sondern entscheiden autonom, was ein legitimes Ziel ist und feuern tödliche Salven ab.

Herrschaft der Maschinen

Wie brisant die Lage ist, zeigt ein Appell von führenden Wissenschaftler und Technologie-Experten, die schon vor Jahren vor der Entwicklung selbstständiger Kampfroboter für den Krieg warnten. Intelligente Drohnen, die anhand definierter Kriterien eigenständig Menschen töten können, seien möglicherweise schon in wenigen Jahren verfügbar, heißt es in einem offenen Brief von Januar 2015.

„Künstliche Intelligenz ist an einem Punkt angelangt, an dem der Einsatz solcher Systeme innerhalb weniger Jahren in einem offenen Brief , nicht Jahrzehnte, möglich sein wird.“ Das Schreiben – „Research Priorities for Robust and Beneficial Artificial Intelligence: An Open Letter“ – ist u. a. unterzeichnet von dem 2018 verstorbenen Astrophysiker Stephen Hawking, Apple-Mitgründer Steve Wozniak, Sprachwissenschaftler Noam Chomsky und US-Unternehmers und Erfinder Elon Musk.

Ein Wettrüsten bei Computer-gesteuerten Kriegswaffen müsse verhindert werden. Die autonomen Waffensysteme könnten leicht in die Hände von Terroristen und Diktatoren fallen, warnten damals die Wissenschafts-Promis. Roboter, die nach bestimmten Kriterien Menschen zur Tötung aussuchen könnten, eigneten sich für gezielte Mordanschläge und ethnische Säuberungen.

USA und Israel sind führend auf dem Gebiet der Militär-Robotik

Kampfroboter sind unbemannte, ferngelenkte oder semiautonome (teilselbstständige) Systeme, die zur Beobachtung, Aufklärung, Minenräumung und Bekämpfung militärischer Ziele dienen.

1971 unternahmen die USA erste erfolgreiche Tests mit bewaffneten Drohnen, doch erst 2001 kamen sie in Afghanistan zum Einsatz. Die US-Streitkräfte verfügen heute über das größte und modernste Arsenal an Robotern, darunter ferngesteuerte Flugobjekte und Bodenfahrzeuge, die mit automatischen Waffen oder Raketen ausgestattet sind.

Anders als menschliche Soldaten kennen Roboter keine Furcht, werden niemals müde, kämpfen ohne Skrupel und Angst vor dem eigenen Exitus.

Künftige Kriege werden von Maschinen bestimmt

Der US-Politologe Peter W. Singer, einer der führenden Experten auf dem Gebiet der automatisierten Kriegsführung, ist überzeugt: Das 5000 Jahre alte Monopol des Menschen, im Krieg zu kämpfen, bricht zusammen. Künftige Kriege werden von Maschinen bestimmt. „Wenn die Menschen Krieg als etwas ansehen, das sie nichts kostet, sind sie eher bereit, ihn zu führen.“

Für Militärs ist die Vision eines Krieges ohne Verluste an eigenen Truppen verlockend: Maschinen können beliebig eingesetzt und ersetzt werden, ohne dass sich in der Heimat beim Anblick von Leichensäcken öffentlicher Protest regt.

Friedensforscher wie Noel Sharkey, Experte für künstliche Intelligenz und Robotik an der Universität Sheffield, fürchten, dass der wachsende Roboter-Einsatz das internationale Menschenrecht unterminiert, neue Kriege heraufbeschwören und ein neuer Rüstungswettlauf angeheizt werden könnte.

Futuristische Visionen

Ähnlich wie in den Terminator“-Streifen steht auch in der „Matrix“-Filmtrilogie die Menschheit vor dem Aus. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts verloren die Menschen den Krieg gegen von ihnen erschaffenen Maschinen. Die Roboter nutzen seitdem Menschen zur Energiegewinnung und entwickeln eine Computersimulation – die Matrix, mit deren Hilfe sie die Menschen kontrollieren.

Eine futuristische Vision, so unrealistisch ist, dass nur Hollywood darauf kommen kann. Andererseits entwickelt der technologische Fortschritt häufig eine Eigendynamik, die nicht mehr zu steuern ist. Die Gefahr ist, dass Künstliche Intelligenz so viel Autonomie erlangen könnte, dass sie der Menschheit mehr schadet als nützt, ist durchaus realistisch. (mit AFP-/dpa-Agenturmaterial)

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Erstellt:
16. April 2026, 13:22 Uhr

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