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Keine einfachen Zeiten für die Feuerwehr

Dieser Tage ist viel die Rede von Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur. Die Lage für die Feuerwehrleute der Walterichstadt ist aber nicht erst seit Omikron fordernd und mühsam zugleich. Es geht um den sozialen Kit des Ehrenamts sowie den Erhalt der Qualifikation und Motivation.

Im vergangenen Jahr war der Brand in der Bahnhofstraße der größte Einsatz. Fotos: Feuerwehr Murrhardt

Im vergangenen Jahr war der Brand in der Bahnhofstraße der größte Einsatz. Fotos: Feuerwehr Murrhardt

Von Christine Schick

Murrhardt. Immerhin. Zum Jahreswechsel mussten sich die Einsatzkräfte nicht darauf vorbereiten, dass um Mitternacht eine sehr große Anzahl von Murrhardterinnen und Murrhardtern das neue Jahr mit Raketen, Böllern und Krachern begrüßt. „Je weniger da in Umlauf ist, desto besser“, sagt Marc Schmid, stellvertretender Kommandant der Murrhardter Feuerwehr. Das Feuerwerksverkaufsverbot führt zu weniger Unfällen und belastet die Notaufnahmen nicht noch zusätzlich, so der Gedanke in Pandemiezeiten. Neben den Kliniken rücken dieser Tage vor dem Hintergrund von Omikron noch weitere Institutionen in den Fokus – die der sogenannten kritischen Infrastruktur, also Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Job für Versorgung und Sicherheit wichtig ist, wie beispielsweise auch Feuerwehr, Stadtwerke oder Müllabfuhr.

Für Kommandant Stefan Krehan und seinen Stellvertreter hat sich die Situation aber zumindest nicht grundlegend geändert. „Klar, es geht darum, die Einsatzfähigkeit aufrechtzuerhalten, und das bleibt wichtig“, erklärt Schmid. Mittlerweile könne man aber besser mit solch einer Lage umgehen, zu Beginn der Pandemie habe da noch eine größere Unsicherheit geherrscht. Krehan erläutert, dass es vom Land entsprechende Regeln und Hinweise gebe. Konkret heißt das für die Feuerwehr Murrhardt, in kleineren Einheiten zu arbeiten. Zurzeit sind das zehn Einsatzkräfte pro Gruppe, je nach Lage auch etwas weniger. Käme es zu Infektionsfällen, bleiben sie beziehungsweise die Ansteckungsmöglichkeit, so die Hoffnung, auf eine Gruppe begrenzt. Ein Prinzip, das mittlerweile in vielen Arbeitsbereichen Anwendung findet.

Um eine gewisse Routine zu erhalten, werden Übungen in Gruppen angeboten

Allerdings machen die beiden Führungskräfte, zu denen sich auch Niklas Eilers, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, gesellt hat, im Gespräch klar, dass es jenseits von aktuellen Notlagen oder Krisensituationen darum geht, bestimmte Basics aufrechtzuerhalten, um den Langstreckenlauf auch durchzuhalten. Dazu gehören auch Training und Ausbildung. Die Jugendfeuerwehr beispielsweise hat lange pausiert, ebenso der Übungsbetrieb für die aktiven Mitglieder. „Natürlich geht es auch ohne Übungen, wir haben per Mail Kontakt gehalten“, sagt Schmid. Allerdings nahm während dieser Zeit auch die Motivation ab, so die beiden. Hinzu kam das Problem, dass trotz längerer Pausen Fahrzeuge und Gerätschaft weiter startklar sein müssen. Die Situation bringt es mit sich, dass auch mal ein Akku leerläuft oder ein nicht funktionierendes Gerät nicht sofort entdeckt wird, will heißen, die Technik muss regelmäßig durchgeprüft werden. Und durch das ausgesetzte Training und die veränderte Gesamtsituation wurde klar, dass sich dies auf die Routine und Fehlerquote auswirkt.

„Wir bieten den Übungsdienst auf freiwilliger Basis für die einzelnen Gruppen wieder an“, sagt Stefan Krehan. Jeden Freitag treffen sich die Einheiten zeitversetzt, um jeder Gruppe – es sind insgesamt vier – alle 14 Tage Trainingsangebote machen zu können. Für die Führungskräfte bis zum Truppführer bedeutet das Mehrarbeit, da sie die Inhalte viermal vermitteln beziehungsweise trainieren müssen. Das heißt, Ehrenamt, Beruf und Freizeit neu auszutarieren. „Wir haben ja auch noch eine Familie, müssen schauen, wie das alles unter einen Hut zu bringen ist“, sagt Stefan Krehan. Die Teilnahme an Training und Lehrgängen sei natürlich freiwillig, trotzdem sind die zwei überzeugt, dass beides weitergehen sollte.

Mit Blick auf Omikron habe man den Mitgliedern eine Impfung beziehungsweise das Boostern so einfach wie möglich gemacht. Die Feuerwehr arbeitet mit der Arztpraxis Schönfeld zusammen, sodass entsprechend Termine vereinbart werden können. Da allerdings niemand weiß, wie sich die aktuelle Virusvariante nun konkret auswirkt, bleibt die Frage, was passiert, wenn doch ein erheblicher Teil der Einsatzkräfte der Feuerwehr Murrhardt inklusive der Abteilungen Fornsbach und Kirchenkirnberg ausfallen sollte. Das ist ganz generell geregelt, erklären Krehan und Schmid. Ein entsprechender Plan greift bei der Alarmierung und so werden Einsatzkräfte, je nach Lage und Ort, bestimmter benachbarter Wehren gerufen.

Betrachtet man das zurückliegende Jahr, so haben sich auch aufgrund der Pandemie und der neuen Rahmenbedingungen die Einsätze etwas verändert. „Es waren nicht mehr so viele Verkehrsunfälle und Brände“, sagt Stefan Krehan. „Umgekehrt sind wir öfter zu Vorkommnissen wie Hilfe bei Türöffnung gerufen worden.“ Der Hintergrund sei einfach, dass die Menschen während der Pandemie lange Phasen zu Hause verbracht haben, teils immer noch mehr zu Hause sind. Auch die Pflicht in Baden-Württemberg, Rauchmelder in Haus und Wohnungen anzubringen, trägt dazu bei, dass weniger Brände entstehen beziehungsweise schnell erkannt werden. Trotzdem gab es in dieser Hinsicht einen Großeinsatz – das Feuer in der Bahnhofstraße, bei dem zwei Wohnhäuser betroffen waren. Ein Einsatzschwerpunkt bleiben die Hörschbachwasserfälle. Auch in 2021 mussten die Feuerwehrleute etliche Male ausrücken, um Personen dort aus misslichen Lagen zu befreien beziehungsweise nach Unfällen zu bergen. Stadt und Feuerwehr haben mit der Einrichtung einzelner Rettungsstützpunkte reagiert, die eine gewisse Erleichterung brächten, erläutert Krehan.

Positiv ausgewirkt hat sich die Lage bei der Tagbereitschaft

Auch ein Plus gibt es in Pandemiezeiten – die Tatsache, dass so manches Mitglied nun im Homeoffice arbeitet, wirkt sich positiv auf die Tagbereitschaft aus, die in den vergangenen Jahren ein Problem war. Insofern hoffen Krehan und Schmid, dass die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, erhalten bleibt. Um den Wert, sich aber live zu sehen, ob bei der Arbeit oder eben im Ehrenamt, wissen sie sehr gut. Die Mitglieder engagieren sich bei der Feuerwehr Murrhardt, weil sie sich persönlich gut verstehen und den Zusammenhalt schätzen. Über die Einsätze, aber auch Feste und gemeinsame Aktivitäten, die nun wegfallen, hat sich ein wertvolles Vertrauen aufgebaut, was es für die Arbeit braucht, so Schmid und Krehan. Und auf diesen sozialen Kit lässt sich langfristig kaum verzichten. Die Jugendfeuerwehr ist im Herbst wieder gestartet, auch aufgeteilt in Gruppen, wobei die Truppe nutzen kann, dass die Jugendlichen über den Schulbesuch regelmäßig getestet werden. All das lässt sich ohne Leidenschaft fürs Ehrenamt nicht machen und die ist dem Führungsduo wirklich anzumerken. Rückendeckung möchten die beiden trotzdem haben und so sollen im Januar in einer Art zeitlich versetztem, gestaffeltem Ablauf mit Abstand die Wahlen stattfinden.

Weitere Infos zum Team der Freiwilligen Feuerwehr Murrhardt mit den Abteilungen Stadt, Fornsbach und Kirchenkirnberg gibt es unter www.fw-murrhardt.de.

Kommandant Stefan Krehan und sein Stellvertreter Marc Schmid (von rechts).

Kommandant Stefan Krehan und sein Stellvertreter Marc Schmid (von rechts).

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Erstellt:
3. Januar 2022, 06:00 Uhr

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