Kommentar: Ein Mann der Mitte – und der Hoffnung

Kommentar: Ein Mann der Mitte – und der Hoffnung

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden.

© Harald Oppitz/KNA

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden.

Von Rainer Pörtner

Stuttgart - Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist kein deutscher Papst, er ist kein Kirchenmann mit großer amtlicher Macht. Wirken kann er vor allem als Moderator nach innen sowie durch die Kraft seiner Worte nach außen. Er ist, wenn er es gut macht, die wichtigste Stimme der katholischen Kirche in Deutschland.

Georg Bätzing, der sich nach sechs Jahren in dieser Rolle nicht wieder zur Wahl stellte, war meinungsfreudig und gehörte unter den Bischöfen zum Reformerflügel. Er förderte den Synodalen Weg, der für mehr Gewaltenteilung in der Kirche, mehr Beteiligung von Frauen und eine neue Sexualmoral eintritt. Dieser Synodale Weg spaltet die Bischofskonferenz, weil sich einige erzkonservative Bischöfe dem Reformprozess verweigern, und stößt auf erheblichen Widerstand im Vatikan. Mit Heiner Wilmer haben die Bischöfe als neuen Sprecher einen Mann der Mitte gewählt, der wie Bätzing für den Synodalen Weg steht, jedoch über deutlich bessere Kontakte nach Rom verfügt. Damit erhöht sich die Chance, dass aus den innerkirchlichen Spannungen in Deutschland keine dauerhaften Brüche werden.

Nur wenn dies gelingt, kann die Katholische Kirche in Deutschland überhaupt hoffen, ihr Kernproblem zu mildern – den dramatischen Mitgliederschwund. In Bätzings sechsjähriger Amtszeit traten rund 1,9 Millionen Menschen aus, mehr als je zuvor in vergleichbarem Zeitraum.

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Erstellt:
24. Februar 2026, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
24. Februar 2026, 23:53 Uhr

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