Kommentar: Feiern die Deutschen zu oft krank?

Kommentar: Feiern die Deutschen zu oft krank?

Von Guido Bohsem

Gewöhnlich kann man anhand der Zahl der Krankmeldungen ganz gut auf die wirtschaftliche Lage schließen: Ist der Krankenstand hoch, läuft die Wirtschaft rund. Ist er niedrig, haben die Arbeitnehmer größere Sorge vor Jobverlust und schleppen sich auch noch auf die Arbeit, wenn sie eigentlich im Bett liegen sollten. Für Deutschland gilt der Befund schon länger nicht mehr, was auch mit der ungewöhnlichen Situation zu tun hat, dass trotz Wirtschaftsflaute ein Fach- und Arbeitskräftemangel herrscht. Seit 2021 hat sich die Zahl der Krankentage verdoppelt und auch 2025 bleibt sie auf dem hohen Niveau. Schon Ampel-Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat das beklagt.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigt also lediglich eine Erkenntnis, die schon länger vorhanden ist. Schwieriger wird es, wenn es um die Ursachen geht. Ja, wahrscheinlich wird es Blaumachern mit der telefonischen Krankschreibung zu einfach gemacht und, ja, zu Beginn der Europameisterschaft 2024 war der Krankenstand besonders hoch. Doch trotzdem handelt es sich dabei um Ausnahmen.

Die allermeisten Arbeitnehmer sind leistungsbereit und froh, wenn sie sich nicht in überfüllte Wartezimmer setzen müssen, um ihre Krankschreibung zu erhalten. Es scheint daher nicht sinnvoll, der Mehrheit einen vernünftigen Weg zu verwehren, um es einer Minderheit zu erschweren, das System für sich auszunutzen.

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Erstellt:
20. Januar 2026, 22:07 Uhr
Aktualisiert:
20. Januar 2026, 23:57 Uhr

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