Kommentar: Wissen wir noch, was Winter ist?

Kommentar: Wissen wir noch, was Winter ist?

Von Stefan Kegel

Was bleibt vom Wintereinbruch in den vergangenen Tagen? Nach den eindringlichen Warnungen der Meteorologen vor Schneestürmen, eisiger Kälte, vor Dutzenden Zentimetern Neuschnee und vor Glatteis? Einige Gegenden Deutschlands hat es heftig getroffen, im Norden lief der Bahnverkehr auch am Sonntag noch nicht wieder normal. Andere Gegenden, in denen vorsorglich Schulen geschlossen worden waren, blieben völlig von Blizzards oder Eisregen verschont.

Diese regionalen Unterschiede sollte beachten, wer jetzt die Meteorologen wegen ihrer teilweise nicht eingetretenen Voraussagen in Bausch und Bogen verdammt. Man denke an Wetterkatastrophen der Vergangenheit, vor denen die Fachleute nicht ausreichend gewarnt hatten. Der Aufschrei danach war jedes Mal enorm.

Vielerorts wird der Winter nicht mehr als Normalität betrachtet, als Jahreszeit mit Kälte und Schnee, auf die man sich vorbereiten kann. Sondern als ein Extremereignis, aus dem man einen Anspruch auf eine detaillierte Prognose ableitet.

Wettermodelle sind komplex, vor allem sind sie nicht immer regional genau vorhersagbar. Auch wenn die Allgegenwart von Temperatur- und Niederschlagsprognosen auf unseren Handys etwas anderes suggeriert. Diese Unsicherheiten sollten Meteorologen und Behörden ruhig eingestehen, wenn sie das nächste Mal vor „Lebensgefahr“ und dem Verlassen des Hauses warnen.

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Erstellt:
11. Januar 2026, 22:14 Uhr
Aktualisiert:
11. Januar 2026, 23:57 Uhr

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