Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Kreativer Mix alter und neuer Musikdetails

Kurkonzertatmosphäre beim zweiten Konzert der Reihe „Musik im Park“: Trotz schwieriger Probephase im Lockdown interpretiert das Kammerorchester Murrhardt vollendet drei Werke aus Romantik und Moderne.

Auf eine Verlegung des Konzerts aufgrund des Wetters konnte verzichtet werden, das Kammerorchester Murrhardt erfreute das Publikum im Söhnle-Pavillon. Foto: E. Klaper

Auf eine Verlegung des Konzerts aufgrund des Wetters konnte verzichtet werden, das Kammerorchester Murrhardt erfreute das Publikum im Söhnle-Pavillon. Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

Murrhardt. Ein außergewöhnliches Hörvergnügen hat das Kammerorchester Murrhardt der Musikschule Schwäbischer Wald/ Limpurger Land einer großen Zuhörerschar beschert. Wegen des wechselhaften Wetters sollte das zweite Konzert der Reihe „Musik im Park“ vom Söhnle-Pavillon am Feuersee in die katholische Kirche St. Maria in Murrhardt verlegt werden. Aber Petrus hatte ein Einsehen: Zwar zogen dunkle Wolken über den Himmel, doch es blieb trocken und angenehm warm.

So konnten die Musiker unter der Regie von Dirigent Matthias Baur doch im idyllischen Stadtgarten auftreten und schufen beschwingte Kurkonzertatmosphäre. Dank ihrer leidenschaftlichen Musizierfreude und hohen Übungsdisziplin hatten sie sich ambitioniert vorbereitet, trotz des Corona-Lockdowns, als Proben nicht in Präsenz, sondern nur online möglich waren. Für ihr Durchhaltevermögen dankte ihnen der neue stellvertretende Musikschulleiter Jan-Peter Scheurer.

„Wir freuen uns, wieder miteinander musizieren zu dürfen: Von Januar bis Ende der Pfingstferien fanden alle Proben virtuell statt, seit Mitte Juni treffen wir uns wieder in Präsenz“, darum präsentiere man ein „knappes Programm“ mit drei Werken für Streichorchester, erklärte Dirigent Matthias Baur. Er moderierte und informierte das Publikum über die Komponisten und Werke, die es wahrlich in sich hatten. Zunächst gab es zwei moderne Kompositionen zu hören.

Der walisische Komponist und Holzbläser Sir Karl William Jenkins schrieb „Palladio“, ein Concerto grosso für Streichorchester mit drei Sätzen. Der Titel bezieht sich auf den italienischen Renaissancearchitekten Andrea Palladio. Dessen Werk, das auf der klassischen Antike basiert, verkörpert für Jenkins perfekt die Vorstellungen der Renaissance von Harmonie und Ordnung. Dies spiegelt sich in der Komposition wider, die stilistisch nach barocken Vorbildern gestaltet ist, wobei sich Abschnitte des Tuttis, also des ganzen Orchesters, mit Solopassagen abwechseln.

Dabei interpretiert Jenkins kreativ die charakteristischen Merkmale der Barockmusik, indem er traditionelle und moderne melodische, harmonische und rhythmische Elemente miteinander verschmilzt. Mit hoher Präzision, fein abgestufter Dynamik und empfindungsreich stellten die Musiker die verschiedenen Stimmungen und Wechsel zwischen Moll und Dur dar, immer wiederkehrende Motive und Figuren, vielfältige Klangfarbennuancen und -effekte, Modulationen und Steigerungsbögen. Ein großer Ohrenschmaus waren die emotionalen, „gesanglichen“ Solopassagen im langsamen zweiten Satz, bezaubernd präsentiert von Konzertmeisterin Sandra Stock und Carolin Weller mit zwei Soloviolinen.

Eine große Herausforderung für die Musiker stellte die „Piccola Musica di Concerto“ dar, die der ungarische Komponist und Musikakademieprofessor Ferenc Farkas 1989 schuf. Sein umfangreiches Werk ist inspiriert durch die ungarische Volksmusik, die Musiktradition Italiens und die Zwölftontechnik Arnold Schönbergs. Die viersätzige „Piccola musica“ ist ein Paradebeispiel für die Virtuosität, den rhythmischen und melodischen Erfindungsreichtum und die neuen Perspektiven, um die Farkas die ungarische Musik bereicherte. Darin verbindet er Elemente der ungarischen Volksmusik, des Neoklassizismus sowie der Zwölftontechnik.

Heiter verspielte und ernste, fast dramatische Abschnitte wechseln sich ab

Besonders schwierig für die Musiker zu spielen war der rhythmisch überaus komplex gestaltete Finalsatz im Fünfachtel- und Siebenachteltakt. Gleichwohl meisterten sie alle Schwierigkeiten mit Bravour und bescherten dem Publikum ein überaus spannendes Hörerlebnis ohne unangenehme Dissonanzen. Mit Verve brachten sie die atmosphärische, fantasievolle Klangmalerei zum Ausdruck, in der sich traditionelle harmonische Muster mit neu kreierten Klangnuancen zu einem facettenreichen Bild verdichteten. Es umfasste verschiedenartige Szenen: heiter verspielte und ernste, fast dramatische Abschnitte, feierlich-zeremonielle Passagen, liedhafte Melodik und tänzerische Rhythmen, fröhliche Volksfeststimmung und typisch slawische, schwermütige Momente. Hinzu kam ein ganzes Spektrum unterschiedlicher Klang- und Spielmöglichkeiten der Streichinstrumente.

Zum krönenden Abschluss des Kurkonzerts gab es noch wunderschöne Musik der Romantik zu genießen: drei zum Sommer passende Stücke aus Peter Iljitsch Tschaikowskys Suite „Die Jahreszeiten“ Opus 37, die er ursprünglich für Klavier komponierte und die Walter Hoffmann für Streichorchester einrichtete. In der verträumten Barcarole, dem Gondellied, konnte man gleichsam den leichten Wellenschlag der Lagune Venedigs und die Schwingungen des Boots wahrnehmen. Der beschwingte, graziösgalante Walzer mit ungewöhnlich hohen Melodiestimmen der Violinen weckte Vorstellungen eines höfischen Sommerfestballs, bei dem bezaubernde junge Schönheiten debütierten.

Und das Jagdlied erinnerte an das einst den Adeligen und Reichen vorbehaltene edle Waidwerk: Es wies kaum typische Jagdhornsignalmelodik auf, dafür aber viele kunst- und fantasievolle, innovativ wirkende Klänge und Motive, herrschaftliche Fanfaren und marschähnliche Rhythmik.

Mit lautstarkem Applaus dankte die große Zuhörerschar am Feuersee in Murrhardt den Mitwirkenden für die abwechslungsreiche Konzertstunde. Die Darbietungen auf überaus hohem Niveau waren Ergebnis des besonderen Engagements aller Musiker, das wegen der schwierigen Vorbereitungszeit umso höher anzuerkennen ist.

Zum Artikel

Erstellt:
19. Juli 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!