Abschied des Ministerpräsidenten

Kretschmanns Ratschlag für Özdemir: Aristoteles folgen

Winfried Kretschmann gibt einen Ratschlag an Cem Özdemir. Und er erklärt, in welcher Hinsicht der Nationalpark nicht das wichtigste Vorhaben seiner Regierungszeit war.

Der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bei seiner letzten Landespressekonferenz vor seinem Abschied.

© Katharina Kausche/dpa

Der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bei seiner letzten Landespressekonferenz vor seinem Abschied.

Von Annika Grah

Es ist eine Zeit der Abschiede für den scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), aber Wehmut will sich immer noch nicht ausbreiten. Ihm werde sicher nichts fehlen, sagte er am Dienstag vor Journalisten. „S’isch rum.“ Und weiter: „Ich bin ab Mittwoch der Bürger Kretschmann.“ Am 13. Mai wollen Grüne und CDU Cem Özdemir zum Ministerpräsidenten wählen. Winfried Kretschmann wird dann ziemlich auf den Tag genau 15 Jahre im Amt gewesen sein – er wurde am 12. Mai 2011 erstmals zum Ministerpräsidenten gewählt.

Kretschmann will Özdemir nicht zu viele Ratschläge geben

Für seinen designierten Nachfolger hatte Kretschmann einen Rat parat – der lautet: Aristoteles zu folgen. „Tugend ist die rechte Mitte zwischen einem Übermaß und einem Mangel, zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig.“ Das empfehle er seinem Nachfolger, diesem Prinzip, „das die westliche Zivilisation beeinflusst hat wie wenig,“ zu folgen. „Ansonsten ist der erfahren genug und bedarf meiner öffentlichen Ratschläge nicht“, sagte Kretschmann.

Der Ministerpräsident stellt sich dienstags nach der Kabinettssitzung in der sogenannten Landespressekonferenz den Fragen von akkreditierten Journalisten. Das Konstrukt ist deutschlandweit einzigartig, denn eine halbe Stunde lang können Journalisten den Ministerpräsidenten mit ihren Fragen zu jedem Thema löchern, das ihnen einfällt. 465 Mal wurde der Regierungschef so befragt. Kretschmann ließ durchblicken, dass das nicht immer einfach war. „Es ist teilweise nervig, jede Woche durch den Fleischwolf gedreht zu werden. Das gibt es nirgendwo.“ Er räumte aber auch ein: „Dadurch ist man unglaublich präsent. Jede Woche.“

Er könne sich aber auch an nichts erinnern, „wo ich innerlich ausgerastet wäre“, sagte Kretschmann auf die Frage, was ihn am meisten bewegt habe. „Wahrscheinlich gab es das schon mal.“ Politik bestehe an sich aber nicht aus Highlights, betonte der scheidende Ministerpräsident und gab ein Beispiel. „Der Nationalpark war mir als Grüner ein Herzensanliegen“, sagte er. „Faktisch ist der Biotopverbund viel, viel wichtiger.“

Zum Artikel

Erstellt:
5. Mai 2026, 15:38 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Autounfall bei Gerstetten

Polizei sucht nach geflüchtetem Unfallfahrer – bis er sich selbst meldet

Trotz Hubschrauber und Suchhunden blieb ein 23-Jähriger nach einem Unfall am Freitag zunächst verschwunden. Der Unfallfahrer ist wohl kein Unbekannter für die Polizei.

Zeitenwende in Stuttgart

Militärmesse ohne Proteste – Wie sich der Blick auf die Rüstung wandelte

Früher sorgten Militärschauen auf der Messe für massiven Widerstand. Heute herrscht Stille. Ein Blick auf die neue Realität in der Stuttgarter Messe.

Wegen Sturm

Zugverkehr am Hauptbahnhof Karlsruhe eingestellt

Ein Gegenstand fliegt in die Oberleitung, Reisende berichten von „massivem Funkenschlag“: Am Karlsruher Hauptbahnhof steht der Zugverkehr still. Wann können die Züge wieder fahren?