„Deutsche Spezialität“
Kurz erklärt: Warum ist Vatertag an Christi Himmelfahrt?
Vatertag und Christi Himmelfahrt fallen in Deutschland auf denselben Tag. Das ist laut Theologe Wolfgang Reinbold eine Besonderheit im internationalen Vergleich.
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Männer ziehen mit Bier und Bollerwagen durch die Gegend, Christen begehen einen religiösen Feiertag - in Deutschland fallen der Vatertag und Christi Himmelfahrt auf denselben Tag (Symbolfoto).
Von red/epd
Männer ziehen mit Bier, Bratwurst und Bollerwagen durch die Gegend, Christinnen und Christen begehen einen religiösen Feiertag - in Deutschland fallen der Vatertag und Christi Himmelfahrt auf denselben Tag. „Das scheint allerdings eine deutsche Spezialität zu sein“, sagt der evangelische Theologe Wolfgang Reinbold. Einen Vatertag gebe es zwar in vielen Ländern. Allerdings werde er nicht zu Christi Himmelfahrt gefeiert, sondern an anderen Tagen.
In der Schweiz feiern die Menschen den Vatertag am ersten Sonntag im Juni, in Österreich am zweiten, in vielen anderen Ländern am dritten. „So geht es weiter, fast das ganze Jahr hindurch, bis hinein in den November und sogar den Dezember“, sagt Reinbold. Die Idee sei überall gleich: „Wenn die Mütter einen Muttertag haben, sollen die Väter auch einen Vatertag haben“, erläutert der Professor für Neues Testament an der Universität Göttingen.
Himmelfahrtsprozessionen als Ursprung der Vatertagsbräuche
An Himmelfahrt feiern Christinnen und Christen zwar, dass Jesus 40 Tage nach Ostern zu Gott, seinem Vater, aufgenommen wurde. Deshalb richtet sich das Fest selbst aber nicht ausschließlich an Väter. Dass der Vatertag in Deutschland mit Himmelfahrt zusammenfällt, hängt laut Reinbold vielmehr mit früher üblichen Himmelfahrtsprozessionen zusammen. Dabei ging eine christliche Festgesellschaft nach draußen und zog durch die Stadt oder über Land, ähnlich wie es in manchen katholischen Gegenden bis heute beim Fronleichnamsfest üblich ist.
„Dieser Brauch scheint dann vor etwa 100 Jahren von einigen Herren an ihre Bedürfnisse angepasst worden zu sein“, erläutert Reinbold. In Berlin entstand damals die sogenannte „Berliner Herrenpartie“, bei der Männer mit Bier und Gesang in Gruppen aufs Land zogen. Dieser Brauch verbreitete sich vermutlich von der Hauptstadt aus im ganzen Land.
Religiöse und weltliche Bräuche beeinflussen einander
So sei das mit religiösen Bräuchen, sagt der Theologe: „Sie verändern sich ständig, und oft produzieren sie Formen, die mit dem ursprünglichen Inhalt wenig oder auch gar nichts mehr zu tun haben, siehe etwa den Karneval, das buddhistische Holi-Fest oder den Osterhasen.“ Beispiele für eine Entwicklung in die umgekehrte Richtung gebe es auch, allerdings viel seltener: „Das beste Beispiel, das mir einfällt, sind die Kirchenlieder. Einige von ihnen waren vorher große weltliche Hits, ohne jeden religiösen Bezug.“
