Tod von Irans oberstem Führer

Lang geplante Aktion: Wie Ali Chamenei getötet wurde

Ali Chamenei war von 1989 bis zu seinem Tod als Oberster Führer das politische und religiöse Oberhaupt der Islamischen Republik Iran. Gleich zu Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran wurde er am 28. Februar 2026 getötet. Das sidn die Hintergründe.

Ein Porträ¤t des verstorbenen iranischen Obersten Führers Chamenei auf den Trümmern eines Gebäudes, das durch einen israelischen Luftangriff in Beirut zerstört wurde.

© Hussein Malla/AP/dpa

Ein Porträ¤t des verstorbenen iranischen Obersten Führers Chamenei auf den Trümmern eines Gebäudes, das durch einen israelischen Luftangriff in Beirut zerstört wurde.

Von Markus Brauer/AFP

Gehackte Kameras, Leibwächterrouten, gestörter Mobilfunk: Die gezielte Tötung von Irans geistlichem Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei bei US-israelischen Angriffen war kein Zufallstreffer.

 US-Medienberichten zufolge verschaffte sich der israelische Geheimdienst unter anderem Zugriff auf das weit verzweigte Netz von Straßenüberwachungskameras in Teheran. Ein entscheidender Hinweis auf Chameneis Aufenthaltsort kam vom US-Auslandsgeheimdienst CIA. Was über die Tötung von Irans oberstem Führer vor einer Woche bekannt ist:

Was passiert ist

Am 28. Februar wurde das Office of the Supreme Leadership Authority (Persisch: Daftar-e Magham-e Moazzam-e Rahbari) – das Haus des Führers, ein ausgedehnter Hochsicherheitstrakt im Herzen Teherans – bei einem Luftangriff getroffen. Der Angriff erfolgt gegen 9.40 Uhr (Ortszeit, 7.10 Uhr MEZ). Zu diesem Zeitpunkt hält sich Ali Chamenei der oberste Führer in seinem Wohnkomplex in der Pasteurstraße ein Treffen mit wichtigen Sicherheitsvertretern ab.

US-Vertretern zufolge handelt es sich um einen israelischen Angriff, der durch Geheimdienst- und Kommunikationsüberwachungen der USA und Israels möglich wurde. Laut „New York Times“ übermittelte die CIA den Israelis am Morgen des Angriffstages „äußerst zuverlässige“ Informationen über den Aufenthaltsort des 86-Jährigen.

Israel habe sich sowohl auf die US-Informationen als auch auf eigene Erkenntnisse gestützt, „um diesen seit Monaten vorbereiteten Einsatz auszuführen“, berichtet die Zeitung unter Berufung auf „informierte Kreise“.

Was dem Angriff vorausging

Laut der „Financial Times“ waren fast alle Verkehrskameras in Teheran bereits vor Jahren von Israel gehackt worden. Die verschlüsselten Daten wurden an Server in Israel übermittelt und dort von Experten in mühsamer Kleinstarbeit ausgewertet.

Eine besonders günstig angebrachte Kamera war demnach direkt auf Chameneis streng bewachten Wohnkomplex gerichtet. Dies erlaubte es den israelischen Analysten, die Identität, Gewohnheiten und Routen der Leibwächter sowie der Fahrer hochrangiger Funktionäre nachzuzeichnen.

Mobilfunkmasten gezielt gestört

Auf diese Weise erhielten die israelischen Geheimdienste der Zeitung zufolge „ein dichtes und präzises Bild“ der iranischen Hauptstadt. „Wir kannten Teheran, wie wir Jerusalem kannten“, beschreibt ein israelischer Geheimdienstmitarbeiter der „Financial Times“ die jahrelangen Vorbereitungen.

Dem Bericht zufolge wurden in den Minuten vor dem Angriff zudem dutzende Mobilfunkmasten in der Gegend gezielt gestört, um Chameneis Sicherheitsdienst abzulenken. Die Zeitung erwähnt zudem eine mysteriöse „menschliche Quelle“, die über das für diesen Morgen geplante Treffen Bescheid gewusst habe.

Überraschungsmoment

Zum Zeitpunkt des Angriffs befinden sich laut „New York Times“ in einem der Gebäude Generäle und Sicherheitsbeamte; Chamenei hält sich demnach in einem Nachbargebäude auf. Israel sei damit eine „taktische Überraschung“ gelungen.

Demnach waren die Iraner angesichts zunehmender Spannungen und trotz laufender Verhandlungen mit den USA über das iranische Atomprogramm auf einen Angriff der USA und Israels durchaus vorbereitet. Allerdings rechneten sie mit einem solchen Angriff eher in der Nacht – und nicht am Samstagmorgen, dem jüdischen Feiertag Schabbat.

Wer bei dem Angriff noch getötet wurde

Zuerst sprach Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu von vielen „Anzeichen“ für Chameneis Tod. Später verkündete US-Präsident Donald Trump: „Chamenei, einer der bösesten Menschen der Geschichte, ist tot.“

Iranische Medien bestätigten später den Tod von Chamenei und seiner Frau. Israelischen Medien zufolge wurde ein Foto der Leiche Chameneis Trump und Netanjahu vorgelegt.

Unter den bei dem Angriff Getöteten waren demnach zudem der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte, Abdolrahim Mussawi, der Anführer der Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, sowie der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates, Ali Schamchani.

Ebenfalls getötet wurden demnach Verteidigungsminister Asis Nasirsadeh und Polizeigeheimdienstchef Gholamresa Resaian sowie Chameneis Tochter, deren Ehemann und die gemeinsame Tochter.

Militärisches Lehrstück

Die Ausschaltung von Ali Chamenei gilt in israelischen Expertenkreisen schon jetzt als militärisches Lehrstück bei Israels gezielten Angriffen auf seine Feinde. Mit der Tötung von Irans geistlichem Oberhaupt schaltete die israelische Armee seit dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober die gesamte Führungsspitze der iranischen „Achse des Widerstands“ aus, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.

Seit 2024 töteten die Armee und die Geheimdienste bereits die Hamas-Anführer Mohammed Deif, Jahja Sinwar und Ismail Hanijeh sowie Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah.

„Hier wohnt die glückliche Familie Chamenei“

„Chamenei versteckte sich im Gegensatz zu Hassan Nasrallah nicht, auch wenn er Vorsichtsmaßnahmen traf“, heißt es in dem „Financial Times“-Bericht. „Das ist, als hätte man ein Schild an der Tür: Hier wohnt die glückliche Familie Chamenei“, meint der israelische Journalist Ronen Bergman.

„Wenn die Details seiner Tötung bekannt werden, wird die ganze Welt sprachlos sein“, schreibt der Journalist Ben Caspit in der israelischen Tageszeitung „Maariv“. Allein die Tatsache, dass Israel ein Foto von Chameneis Leiche erhalten habe, sei „einfach unvorstellbar“. Aus Caspits Sicht wird „dieser Präventivschlag in den Militärakademien auf der ganzen Welt noch jahrelang Unterrichtsstoff sein“.

Zum Artikel

Erstellt:
9. März 2026, 14:34 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen