Prozess nach Tat in Heilbronn
Mehr als 30 Stunden Gewalt – Gericht verurteilt Ex-Freund
Mitten in Künzelsau schleift ein Mann seine Ex-Freundin fast nackt durch die Straßen. Was die Frau sonst noch durchleiden musste – und wie ein Gericht die Tat bewertet.
© dpa/Christoph Schmidt
Der Angeklagte (rechts) wird in der Gerichtssaal geführt.
Von red/dpa/lsw
Das Martyrium der Frau dauerte mehr als 30 Stunden. Aus Eifersucht entführte sie ihr Ex-Freund aus einem Frauenhaus, er misshandelte sie brutal und schleifte sie fast nackt durch Künzelsaus Innenstadt. Erst zwei Tage später war der schwer verletzten Frau die Flucht gelungen. Für die Tat im Juni 2025 wurde der heute 29-Jährige vom Heilbronner Landgericht unter anderem wegen Geiselnahme und mehrfacher Körperverletzung zu zwölf Jahren Haft verurteilt.
Der vorbestrafte Mann mit deutscher und algerischer Staatsbürgerschaft hatte die Vorwürfe umfassend eingeräumt. „Ich gebe die Taten alle zu“, hatte er zum Prozessauftakt gesagt. Er habe die Frau aber nicht umbringen wollen. Sein Verhalten hatte er sich durch seinen anhaltenden Drogenkonsum erklärt und durch seine übersteigerte Eifersucht. Die Staatsanwaltschaft sprach in der Verhandlung von einem „dominanten Über- und Unterordnungsverhältnis“ zu seiner Freundin.
Opfer konnte nach mehr als dreißig Stunden entkommen
Dem mutmaßlichen Opfer war es damals in der zweiten Nacht in Gewalt seines Peinigers gelungen, einen Notruf abzusetzen und die Polizei zu einer Gartenhütte in Künzelsau zu führen. Dort war der wegen häuslicher Gewalt bereits mehrfach vorbestrafte Mann aus Pforzheim festgenommen worden.
Mit dem Urteil folgt die Kammer zwar der Forderung der Staatsanwaltschaft beim Strafrahmen. Allerdings ging die Vertreterin der Anklage von versuchtem Mord aus. Die Verteidigung sprach zwar von einer unverzeihlichen Tat, die massiv zu bestrafen sei. Eine Tötungsabsicht sei aber nicht zu erkennen. Der Anwalt des Mannes plädierte deshalb unter anderem wegen schwerer Körperverletzung auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von unter acht Jahren.
