Start in Stuttgart und München
Mercedes-Benz bringt automatisiertes Fahren nach Deutschland
Dem Stuttgarter Autobauer gelingt zusammen mit dem Bundesverkehrsministerium ein Vorstoß beim automatisierten Fahren. Was bald in deutschen Städten erlaubt sein soll.
© Mercedes-Benz AG/dpa-tmn/dpa
Der neue CLA zählt zu den modernsten Fahrzeugen von Mercedes-Benz.
Von Rouven Spindler
Mercedes-Benz will auf dem Weg zum automatisierten Fahren in Deutschland bald schon einen entscheidenden Schritt nach vorn machen – und zwar in enger Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium. Wie Entwicklungschef Jörg Burzer auf der Plattform LinkedIn verkündet, soll die urbane Punkt-zu-Punkt-Navigation des Stuttgarter Autobauers Ende des Jahres in einzelnen deutschen Städten verfügbar sein und Anfang 2027 bundesweit ausgerollt werden.
Auf Anfrage erklärt ein Konzernsprecher, dass Stuttgart und München die Städte sind, die in diesem Jahr den Anfang machen sollen. „Damit bringen wir diese Technologie neben China und den USA nun auch auf unseren Heimatmarkt“, schreibt Burzer, der sich mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder getroffen hat.
„Unser Anspruch ist klar: Wir wollen beim assistierten und automatisierten Fahren im internationalen Wettbewerb weiterhin vorne mit dabei sein“, schreibt Burzer und ergänzt: „Dazu gehört, die Menschen in komplexen Verkehrssituationen – von Ampeln über Spurwechsel bis hin zu dichtem Stadtverkehr – bestmöglich zu unterstützen.“ Das ermögliche das Mercedes-System.
Die Rede ist dabei vom automatisiertes Fahren nach dem sogenannten Level 2++. Ein derart erweitertes Level-2-System kann – sobald ein Ziel festgelegt ist – von selbst beschleunigen, lenken, bremsen und die Spur wechseln. Die Verantwortung liegt – anders als bei Level-3-Systemen – aber allein beim Fahrer, der jederzeit bereit sein muss, einzugreifen. Der „Hands-On“-Ansatz von Mercedes bedeutet, dass der Fahrer in regelmäßigen Abständen immer wieder das Lenkrad berühren muss. Reagiert der Fahrer nicht auf Ermahnungen, schalten sich die Systeme ab.
Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und dem Kraftfahrtbundesamt würden die Mercedes-Teams intensiv daran arbeiten, „diese und andere Innovationen zügig und verantwortungsvoll auf die Straße zu bringen“, so Burzer weiter. Bald schon soll das in der Heimatstadt des Autobauers gelingen.
Mercedes erhielt bereits Level-3-Lizenz
2021 hatte Mercedes als erster Hersteller weltweit die Erlaubnis für hochautomatisiertes Fahren nach Level 3 erhalten. Die Funktionen sind in der vorherigen S-Klasse und dem vollelektrischen Pendant, dem EQS, enthalten – allerdings nicht mehr in der neuen S-Klasse. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der Autobauer damit pausiert. Das Management begründete die Entscheidung mit immens hohen Kosten, geringer Nachfrage und einem regulatorischen Flickenteppich.
Parallel arbeitet Mercedes weiterhin an Level-3- und Level 4-Systemen. Bei Level 3kann der Fahrer in bestimmten Situationen die Verantwortung an das System abgeben und darf auch Zeitung lesen oder telefonieren. Bei Level 4 darf das Fahrzeug in bestimmten Situationen – etwa auf der Autobahn – sogar ganz ohne Insassen bewegt werden.
