Weltpremiere Mercedes VLE

Mercedes zeigt neuen Luxusvan – und spricht von „Beginn einer neuen Ära“

Über 700 Kilometer Reichweite und optionales Bordkino auf der Rückbank: Der VLE soll Mercedes im chinesischen Luxusvan-Segment stärken – und erstmals US‑Privatkunden überzeugen.

Spiele zocken oder Filme schauen? Wer sich das Zusatzpaket leisten möchte, kann das im neuen Mercedes VLE auch von der Rückbank aus.

© Mercedes-Benz AG

Spiele zocken oder Filme schauen? Wer sich das Zusatzpaket leisten möchte, kann das im neuen Mercedes VLE auch von der Rückbank aus.

Von Veronika Kanzler

Neuer Name, neues Aussehen: Mercedes‑Benz hat in Stuttgart den VLE vorgestellt – eine vollelektrische Großraumlimousine auf neuer Plattform, mit der die Van‑Sparte einen strategischen Schritt vollzieht. Der VLE soll nicht nur in China Aufmerksamkeit erzeugen, sondern auch in den USA Privatkunden ansprechen – ein Marktsegment, das Mercedes dort bislang nicht bedient. „Der VLE markiert den Beginn einer neuen Ära bei Mercedes‑Benz“, sagt Thomas Klein, Chef der Van‑Sparte. Das Fahrzeug hebe alles, was die Kunden „kennen und schätzen, auf ein neues Niveau“.

Der VLE bietet bis zu acht Sitzplätze und richtet sich an Familien, freizeitaktive Käufer und Shuttle‑Betreiber wie Taxiunternehmen oder Hotels. In China – wo Fahrten mit Chauffeur üblich sind – zielt vor allem die Premium‑Ausstattung auf neue Kundengruppen. In den USA sieht Mercedes zusätzliches Wachstumspotenzial, weil der Konzern dort künftig auch Privatkunden mit Vans adressiert.

Mercedes-Benz hat den Nachfolger des EQV und der V-Klasse neu getauft

Um zu zeigen, dass hier nicht einfach ein Nachfolger des elektrischen EQV beziehungsweise der V-Klasse an den Start geht, hat Mercedes das Modell neu getauft. Mit der Bezeichnung VLE rückt der Name deutlich näher an die Pkw-Welt heran. „Der VLE ist definitiv eine andere Kategorie als die heutige V-Klasse“, sagt Klein. „Und um diese Neuheit zu unterstreichen, wollten wir dem Auto auch einen neuen Namen geben.“

Im Innenraum gibt es neben der Basisausstattung auch ein luxuriöses Premium-Paket, das den Van zur mobilen Lounge macht. Für den chinesischen Markt wurden Kundenwünsche besonders berücksichtigt: Auf Wunsch sind etwa eine UV‑Desinfektion in der Mittelkonsole zur Keimreduktion sowie eine temperierbare Kühlbox erhältlich. „Es gibt nichts, wo ich sagen würde: Das haben wir nur gemacht, damit es in China funktioniert und hier bieten wir es nicht an“, betont Klein.

Der meistverkaufte Luxusvan in China ist der Denza D9. Die Marke war ursprünglich ein Joint Venture des chinesischen Autoriesen BYD und Mercedes-Benz. 2024 stieg der Stuttgarter Autohersteller jedoch aus; seither firmiert Denza als Premium-Marke von BYD. Der chinesische Konzern verkaufte im vergangenen Jahr mehr als 300.000 D9 – allein auf dem heimischen Markt. An diese hohe Dimension denkt Klein nicht. Seiner Aussage nach strebe Mercedes keine Führerschaft bei den Verkäufen an. Dagegen spreche allein schon der Preis. Während es den Denza D9 in der Luxus-Variante für umgerechnet knapp unter 70.000 Euro in China zu kaufen gebe, werden für den VLE schnell mal Preise in sechsstelliger Höhe fällig.

Klein gibt zu: „Wir schauen uns genau an, was die chinesischen Wettbewerber auf die Straße bringen und wo wir etwas lernen können.“ Dennoch brauche sich Mercedes, das im vergangenen Jahr 20.000 Vans in China verkauft hat, nicht zu verstecken. „Ich glaube aber, dass wir mit dem VLE in den klassischen Disziplinen Fahrbarkeit, Geräuschkomfort und Wertanmutung dem Wettbewerb voraus sind.“

Mercedes VLE mit Reichweite von mehr als 700 Kilometern

Punkten soll der VLE nicht nur mit dem teils luxuriösen Interior, bei dem man das Auto je nach Ausstattungspaket zu einem rollenden Kino verwandeln kann – Features, mit denen auch Wettbewerber wie Denza (D9), Lexus (LM) oder Li Auto (Mega) aufwarten. Als Meilenstein gilt bei dem Stuttgarter Automobilkonzern auch die neue Plattform Van.EA. Die Abkürzung steht für Elektrische Architektur, die speziell für E‑Fahrzeuge entwickelt wurde. Mercedes gibt eine Reichweite von über 700 Kilometern an – ein Spitzenwert in dieser Klasse. Dank 800‑Volt‑Bordnetz sollen 15 Minuten Ladezeit genügen, um rund 320 Kilometer nachzuladen. Das zielt auf Langstreckentauglichkeit und kurze Stopps an Schnellladesäulen.

Auch das hauseigene KI-basierte Betriebssystem MB.OS, erstmals eingeführt im Mercedes CLA, soll zum Erfolg beitragen. Unterhaltungsfunktionen und Update-Fähigkeiten würden damit auf ein neues Niveau gehoben, der Sprachassistent funktioniere dank KI-Unterstützung „wie ein persönlicher Butler“, sagte Mercedes-CEO Ola Källenius damals. Durch MB.OS lässt sich die gesamte Software des Fahrzeugs, inklusive Fahrassistenzsysteme, künftig „Over the Air“ aktualisieren. Updates laden also über das Internet, der bisher notwendige Werkstattbesuch entfällt. So bleibt das Fahrzeug über Jahre hinweg aktuell – ähnlich wie ein Smartphone, das regelmäßig neue Apps und erweiterte Funktionen erhält. 

Serienmäßig ist der VLE mit Sensorik für teilautonomes Fahren auf Level 2++ ausgestattet. Das System lenkt, bremst und beschleunigt selbstständig und hält Spur sowie Abstand; rechtlich bleibt die Verantwortung beim Fahrer. In den USA und China sind solche Funktionen bereits zugelassen, in Europa noch nicht. „Wenn die Politik die Vorschriften ändert, können wir das morgen freischalten“, sagt Klein.

In China kommt der Mercedes VLE erst 2027 auf den Markt

Verkaufsstart des neuen VLE ist in Europa. Im spanischen Vitoria läuft bereits die Vorproduktion – ab Sommer 2026 rechnet der Konzern mit den ersten Auslieferungen. Der Preis für das Basismodell soll bei etwa 68.000 Euro starten und sich damit im Bereich der alten V-Klasse bewegen. Diese wird nach Angaben von Klein erst dann aus dem Programm genommen, „wenn der VLE als Verbrenner und als batterieelektrisches Fahrzeug in allen Märkten ausgerollt ist“.

Gerade in China dürfte sich das noch hinziehen. Dort beginnt die Produktion des VLE später. Klein ist dennoch „fest davon überzeugt“, mit dem Fahrzeug erfolgreich sein zu können: „Deshalb rechnen wir nach 2026, wenn das Auto auch auf dem chinesischen Markt sein wird, mit einem Wachstum.“ Zusätzliche Chancen sieht Klein in den USA. Was die Absatzzahlen innerhalb dieser Sparte zusätzlich ankurbeln könnte? Bisher verkauft Mercedes dort keine Vans an Privatkunden, was sich nun ändert. Daher glaubt Klein, dass es dort große Chancen für den VLE geben dürfte.

Mercedes-Van-Chef: Haben noch Fantasie, was weitere Varianten angeht

Die Plattform Van.EA soll künftig die gesamte Van‑Palette tragen: Auf den VLE folgt der VLS als noch luxuriösere Variante. Später kommen Sprinter und der Vito‑Nachfolger auf die Architektur. „Sie ermöglicht uns erstmals, Pkw‑orientierten und gewerblichen Produkten jeweils klar eigenständige Designs zu geben. Und wir haben natürlich noch Fantasie, was weitere Varianten angeht“, sagt Klein. Was seine Andeutung genau bedeutet, will der Van-Chef noch nicht verraten. Den Neubeginn der Van-Sparte aber markiert zunächst der VLE.

Neben der AMG-Version ist der neue Mercedes VLE auch mit aufrechtem Stern verfügbar, hier in der Ausstattung „Exklusive“.

© Mercedes-Benz AG

Neben der AMG-Version ist der neue Mercedes VLE auch mit aufrechtem Stern verfügbar, hier in der Ausstattung „Exklusive“.

Bei dieser Ausstattung erinnert die Front mit der Wabenstruktur an die des GLC.

© Mercedes-Benz AG

Bei dieser Ausstattung erinnert die Front mit der Wabenstruktur an die des GLC.

Den aufrechten Stern gibt es auch in der Standard-Variante des VLE, dann erinnert die Front deutlich an das Konzept-Fahrzeug Vision V, mit dem der VLE angekündigt wurde.

© Mercedes-Benz AG

Den aufrechten Stern gibt es auch in der Standard-Variante des VLE, dann erinnert die Front deutlich an das Konzept-Fahrzeug Vision V, mit dem der VLE angekündigt wurde.

Die Front leuchtet mit einem umgedrehten U – ähnlich wie beim neuen GLB.

© Mercedes-Benz AG

Die Front leuchtet mit einem umgedrehten U – ähnlich wie beim neuen GLB.

Der neue Mercedes VLE misst 5,31 Meter und hat Platz für maximal acht Personen.

© Mercedes-Benz AG

Der neue Mercedes VLE misst 5,31 Meter und hat Platz für maximal acht Personen.

Der von Mercedes selbst genannte „Superscreen“ ist – wie beim CLA – aufgeteilt in drei Monitore. Um den dritten Monitor vor dem Beifahrer freizuschalten, muss man allerdings extra zahlen.

© Mercedes-Benz AG

Der von Mercedes selbst genannte „Superscreen“ ist – wie beim CLA – aufgeteilt in drei Monitore. Um den dritten Monitor vor dem Beifahrer freizuschalten, muss man allerdings extra zahlen.

In der High-End-Variant des neuen Vans finden Passagiere auf der Rückbank ein Touchpad, mit dem sie etwa ihren Sitz verstellen ...

© Mercedes-Benz AG

In der High-End-Variant des neuen Vans finden Passagiere auf der Rückbank ein Touchpad, mit dem sie etwa ihren Sitz verstellen ...

... oder den Kinomodus starten können. Dann verdunkelt sich das Fahrzeug und es lassen sich auch während der Fahrt Filme schauen.

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... oder den Kinomodus starten können. Dann verdunkelt sich das Fahrzeug und es lassen sich auch während der Fahrt Filme schauen.

Außer natürlich, man muss die Fahrt zum Arbeiten nutzen. Wie angenehm das während der Fahrt ist, bleibt noch offen. Noch gibt es keine Testfahrten mit dem neuen Van.

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Außer natürlich, man muss die Fahrt zum Arbeiten nutzen. Wie angenehm das während der Fahrt ist, bleibt noch offen. Noch gibt es keine Testfahrten mit dem neuen Van.

Die Sitzreihen gibt es auch in der Standard-Version.

© Mercedes-Benz AG

Die Sitzreihen gibt es auch in der Standard-Version.

Oder eben ganz ohne Sitze: Dann misst der VLE ein Kofferraumvolumen von maximal 4000 Liter.

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Oder eben ganz ohne Sitze: Dann misst der VLE ein Kofferraumvolumen von maximal 4000 Liter.

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Erstellt:
10. März 2026, 19:28 Uhr

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