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Mit gutem Auge und schneller Hand

Karrieren abseits des Sports (6): Als Naturfilmer liegt Klaus Weißmann in Wald und Wiesen dieser Welt auf der Lauer, als Tischtennisspieler geht er für Großerlach auf Punktejagd.

Mit der Kamera in der Hand zählt der 52-jährige Klaus Weißmann zu den besten und bekanntesten deutschen Naturfilmern. Foto: privat

Mit der Kamera in der Hand zählt der 52-jährige Klaus Weißmann zu den besten und bekanntesten deutschen Naturfilmern. Foto: privat

Von Uwe Flegel

„Mein Beruf und mein Sport ergänzen sich sehr gut.“ Klaus Weißmann spricht dabei von Flora und Fauna auf der einen sowie vom Tischtennis auf der anderen Seite, von der Leidenschaft für den Job sowie vom Spaß am Hobby bei den SF Großerlach. Hier ist er einer der besten deutschen Naturfilmer, dort die Nummer eins beim Bezirksliga-Dritten. In beiden Fällen braucht er viel Geduld, ein gutes Auge und eine schnelle Hand.

Wenn der gebürtige Schwäbisch Haller mit dem Tischtennisschläger zugange ist, dann hält sich das Zuschauerinteresse in Grenzen. Läuft einer seiner Filme im Fernsehen, sind es „20 bis 30 Millionen Zuseher, wenn er in allen dritten Programmen inklusive der Wiederholungen durch ist“. Das freut den 52-Jährigen, ist es doch Bestätigung für eine außergewöhnliche Arbeit. Weißmann ist weltweit mit der Kamera unterwegs, um seinen Mitmenschen die Schön- und Besonderheiten unserer Natur- und Tierwelt zu zeigen. Damit das richtig klappt, sei eine gute Vorbereitung und Organisation, sei die Zusammenarbeit mit Experten und Kennern vor Ort sehr wichtig, berichtet Weißmann und erklärt: „Ich kann nicht einfach losfahren und mal ein paar nette Bildchen einfangen. Es braucht eine Idee, ein Drehbuch und eine Handlung.“ Das gilt für Filme über Schneeeulen wie für die über Biber in Bayern, Auerhähne im Schwarzwald oder Wanderfalken auf der Schwäbischen Alb. Zuletzt war er an der Ostsee. Dabei geht es „um ein Zweijahresprojekt“, erzählt der Mainhardter und will nicht mehr darüber verraten.

Einige Eigenschaften, die im Tischtennis benötigt werden , braucht auch ein Naturfilmer.

Nicht nur am Tischtennistisch dauert es manchmal eben länger, bis das Ergebnis feststeht. „Ich bin auch schon mal 14 Tage angesessen, ohne dass was rausgekommen ist“, sagt Klaus Weißmann. „Man braucht Geduld, muss aber auch sehr schnell sein, wenn’s drauf ankommt“, sieht er eine weitere Parallele zwischen Beruf und Hobby. Sein Sport ist also auch gutes Training, wenn es darum geht, „mit der Kamera mal in Sekundenbruchteilen rumzuziehen, um das perfekte Bild zu bekommen.“ Und das, nachdem es durchaus sein kann, dass er zuvor stundenlang warten musste, bis sich überhaupt was tut. Dafür nötig sind eine hohe Wachsamkeit, ein sehr gutes Konzentrationsvermögen, ein langer Atem und die Fähigkeit, trotzdem sofort reagieren zu können. Eigenschaften, die nicht nur ein Diplom-Biologe auf der Jagd nach faszinierenden Filmaufnahmen vorweisen muss, sondern auch ein Könner an der Platte bestens gebrauchen kann. Einer wie Klaus Weißmann eben, der trotz seines Alters bei einem Team aus dem Bezirksliga-Vorderfeld im ersten Paarkreuz immer noch regelmäßig punktet, sofern er nicht gerade in irgendeinem Winkel Deutschlands, Europas oder sonst irgendwo unterwegs ist. Einer, der wie der 52-Jährige einst eine Stütze des TSV Neuenstein in der Verbandsliga war, der unter anderem im Hohenlohischen Bezirksranglistensieger war.

Danach war aus beruflichen Gründen zehn Jahre Pause mit Sport, ehe er feststellte, dass es ganz ohne Tischtennis auch nicht geht. „Vereinssport ist mir wichtig“, erklärt Weißmann und ist sich sicher, in Großerlach am richtigen Ort zu sein. Hier, wo der Vereinsname Sportfreunde Programm zu sein scheint. „Wir haben eine super Kameradschaft, sind alle in einem ähnlichen Alter und es wird akzeptiert, wenn man mal fehlt.“ Wenn er sich lieber mit Wombats in Australien oder mit Schneeeulen beschäftigt anstatt mit Schläger und Tischtennisball. Sind die manchmal mehrmonatigen Aufenthalte in der Fremde beendet, dann ist so ein Anker in der Heimat eine feine Sache. Freunde, Kumpels, mit denen man zwei-, dreimal pro Woche Sport treiben und schwitzen sowie danach quatschen und mal ein Bier trinken kann.

Wobei das gesellige Beisammensein für jemanden wie Weißmann nicht das einzig Wichtige ist: „Alles, was mir Spaß macht, hat sich bei mir zu einer Leidenschaft entwickelt.“ Das gilt für seinen Sport wie für seinen Beruf. Überhaupt liegen Tischtennis und Naturfilmerei offenbar nicht so weit auseinander, wie der Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Kameramann berichtet: „Adrenalin strömt auch durch den Körper, wenn man was drehen kann, was man zuvor noch nie gesehen hat.“ Einerseits. Andererseits: „Im entscheidenden Spiel den entscheidenden Matchball zu verwandeln und deiner Mannschaft damit zum Sieg zu verhelfen, ist sogar noch ein bisschen nervenaufreibender.“ Zumindest einen kleinen Unterschied zwischen dem Spiel mit dem kleinen weißen Ball und dem feinen Händchen im Umgang mit Stativ und Kamera gibt es offenbar doch noch.

In der Serie Karrieren abseits des Sports stellen wir Athleten aus der Region in ihrem Berufsalltag vor. Dabei geht es um bekannte Sportler in ihrem Beruf und um solche, die einen ungewöhnlichen Beruf ausüben oder die in ihrem Job besonders erfolgreich sind. Weitere mögliche Kandidaten können sich unter sportredaktion@bkz.de melden.

Im Tischtennis ist er beim Bezirksligisten SF Großerlach derzeit die Nummer eins. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Im Tischtennis ist er beim Bezirksligisten SF Großerlach derzeit die Nummer eins. Foto: A. Becher

An Weihnachten im Fernsehen

Wer eines der Werke von Klaus Weißmann im Fernsehen erleben will, der hat an Weihnachten Gelegenheit dazu. Am Freitag, 25. Dezember, läuft beim Bayerischen Rundfunk in der Sendereihe Natur exklusiv ab 17.15 Uhr der Film mit dem Titel „Die Rückkehr der Biber – Wilde Baumeister“.

Filme des 52-Jährigen sind vor allem in den dritten Programmen, zum Beispiel in der Reihe Expeditionen ins Tierreich, in der ARD und auf Arte zu sehen. Servus TV wiederum drehte einen Film über Weißmanns Arbeit, für die er auch schon mit Preisen ausgezeichnet wurde. So gewann er für „Die Reise der Schneeeulen“ beim internationalen Naturfilmfestival NaturVision den „Deutschen Wildlife Filmpreis“ 2016 und den zweiten Preis für die Kameraarbeit.

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Erstellt:
21. November 2020, 06:00 Uhr

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