Belohnung der Stadt Tübingen
Nach Festnahme von Graffitisprayer – gibt’s jetzt wieder 5000 Euro von Palmer?
Tübingens OB Boris Palmer setzt beim Kampf gegen Graffitisprayer auf eine Belohnung. Nach der Festnahme eines „dicken Fischs“ könnten jetzt wieder Zeugen Geld erhalten.
© Horst Haas
Boris Palmer kann mit den Graffiti-Schmierereien in Tübingen nichts anfangen – und setzt im Kampf gegen die Sprayer auf eine Belohnung als Motivation für Zeugen.
Von Florian Dürr
Ein „dicker Fisch“ sei das gewesen, schreibt Boris Palmer auf seiner Facebook-Seite über die Festnahme eines Graffiti-Sprayers am vergangenen Wochenende in Tübingen. Zum ersten Mal habe die Polizei einen gefasst, der „serienmäßig“ die Altstadt mit seinen „Tags“ beschmiert, sagt er später im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Jahr 2005 sei der Hauptbeschuldigte geboren. „Was da schief läuft in der Sozialisation, ist eine Frage, der wir nachgehen sollten“, schreibt der Tübinger OB auf Facebook.
Dieser Erfolg im Kampf gegen die illegalen Graffiti-Schmierereien ist offenbar aufmerksamen Zeugen zu verdanken: Jene hatten den Sprayer sowie zwei weitere bislang Unbekannte in der Nacht von Freitag auf Samstag in der Tübinger Innenstadt beim Sprayen beobachtet, heißt es in der Mitteilung des zuständigen Polizeipräsidiums Reutlingen. Der Hauptzeuge habe sich noch am Wochenende direkt bei Palmer gemeldet und nach der Belohnung gefragt, berichtet der OB im Gespräch.
Boris Palmer: „Ich nehme an, dass die Belohnung ausgezahlt wird“
Doch ob jener die von der Stadt Tübingen ausgelobten 5000 Euro erhält, hängt davon ab, ob der beschuldigte Graffiti-Sprayer auch verurteilt wird. Palmer gibt sich zuversichtlich: die Zeugen, die Polizeibeamten, die Beweismittel – „wenn das dem Richter nicht ausreicht“, sagt der OB: „Ich nehme an, dass die Belohnung ausgezahlt wird.“ Für ihn ist der Fall ein Beweis, dass der Anreiz in Höhe von 5000 Euro wirkt. Es wäre das zweite Mal seit der Einführung im Jahr 2019, dass der Betrag an Hinweisgeber ausgezahlt wird. Einmal hat ein Zeuge Geld erhalten, der dem Tübinger OB direkt ein Beweisvideo von Graffiti-Sprayern geschickt hat. „Das wäre sonst nie rausgekommen“, so Palmer.
Eine Belohnung wie im vorliegenden Fall werde nur sehr selten ausgelobt, berichtet die Polizei Stuttgart über Fälle in der Landeshauptstadt. Ein finanzieller Anreiz, der dann meist von der Staatsanwaltschaft ausgelobt wird, sei aber ein „geeignetes Instrument, um noch mehr Aufmerksamkeit auf einen Fall zu lenken“, sagt eine Sprecherin. Ob dann aber wirklich deutlich mehr Hinweise eingingen, könne man nicht sagen.
5000 Euro? Bis zur möglichen Verurteilung muss sich Zeuge gedulden
In Tübingen dankte Palmer auch den Einsatzkräften, die eine herausfordernde Festnahme zu bewältigen hatten. Der hauptbeschuldigte Sprayer sowie seine zwei Begleiter verhielten sich laut der Polizei aggressiv, pöbelten und drohten den Beamten. Mit Hilfe eines Polizeihundes wurden sie aber schließlich gestoppt. Dabei verletzte das Tier unbeabsichtigt auch einen der Polizisten.
Jetzt laufen die Ermittlungen, inwieweit auch die Begleiter des Hauptbeschuldigten an den Graffiti-Schmierereien beteiligt waren. Der Hauptzeuge muss sich mit Blick auf die 5000 Euro bis zu einer möglichen Verurteilung noch gedulden. „Aber das zeigt, dass die Belohnung bekannt ist und als Motivation dient“, sagt Palmer.
