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Neue Chance für eine legendäre Lokalität

Cora Fauser hat mit ihrer Familie entschieden, das Anwesen des früheren Gasthauses Wasserfall zwischen Walters- und Sechselberg zu ihrer neuen Heimat zu machen. Eine Bewirtung an Wochenenden gehört ebenso zum Projekt wie der Wunsch, mit anderen kulturelle Events anzuzetteln.

Cora Fauser will die ehemalige Gaststätte als Café wiederbeleben und den Ort mit Verbündeten und Interessierten kulturell bespielen. Im Innern der Räume ist allerdings noch jede Menge zu tun. Fotos: Stefan Bossow

© Stefan Bossow

Cora Fauser will die ehemalige Gaststätte als Café wiederbeleben und den Ort mit Verbündeten und Interessierten kulturell bespielen. Im Innern der Räume ist allerdings noch jede Menge zu tun. Fotos: Stefan Bossow

Von Christine Schick

Althütte/Murrhardt. Thorsten Fauser sitzt an diesem Morgen bei dem großen Münsterländer Olaf an einem Holztisch, während Cora Fauser mit ihrem anderthalb Jahre alten Sohn Wiglav einen Blick auf die schon fast fertiggestellte Terrasse vor dem Gasthaus Wasserfall wirft. Die Novembersonne steht über dem kleinen Ensemble im Wald, das wie der Name schon sagt, nicht allzu weit von Hörschbachschlucht und -wasserfällen entfernt und direkt am Feenspuren-Premiumwanderweg Waldklingen zwischen Sechsel- und Waltersberg auf Althütter Gemarkung liegt. Während die einen die wildromantische Landschaft bei Wanderungen genießen, wirkt dieses Fleckchen Erde für die anderen vermutlich ziemlich einsam und abgelegen.

Cora Fauser hat sich mit ihrer Familie, die mit ihrer dreijährigen Tochter Vivien komplett ist, entschlossen, das Ensemble mit ehemaliger Gaststätte und Wohnhaus zu ihrem neuen Lebensmittelpunkt zu machen. „Es ist wirklich ein ganz besonderer, ein Superort“, sagt sie. Die 29-Jährige will das Gasthaus als Café wiederbeleben und kulturelle Projekte und Aktionen anzetteln. Dazu sollte man vielleicht wissen, dass die Fausers schon ein Stück weit geübt darin sind, jenseits von Hier-steppt-der-Bär-Locations an einem Hier-tanzen-Fuchs-und-Hase-Ort zu Hause zu sein. „Wir haben vorher in der Ebersbergmühle bei Kaisersbach gelebt“, erzählt Cora Fauser. Nun haben sie ihre Heimstatt am Mühlen- gegen eine am Feenspurenwanderweg getauscht. Als ein Freund sie auf die Immobilie, die zum Verkauf stand, aufmerksam machte, entschlossen sie sich, den Schritt zu wagen.

Die Bühnen- und Kostümbildnerin möchte Natur und Kultur verbinden

Das Vorhaben lässt sich als Projekt beschreiben, bei dem die Familie vom Konzept her genauso wie die Gemeinschaft – Nachbarn, Gemeinde, Vereine und Interessierte – sowie Gäste mit im Boot sein sollen. Die zweifache Mutter möchte in ihrem künftigen Café Heimerlein an Wochenenden und Feiertagen eine kleine Karte mit ausgewählten wenigen Speisen sowie Getränken anbieten. Außerdem hat die 29-Jährige einige Ideen für Veranstaltungen – von Ausstellungen in der Natur, kleinen Konzerten, Lesungen über Feste und Tanzabende bis hin zu Vorträgen. Auch diese Verbindung kommt nicht von ungefähr. Cora Fauser hat nicht nur Bühnen- und Kostümbild in Dresden studiert, sondern in dieser Zeit auch das Studentencafé geleitet. Mittlerweile arbeitet sie bei der Riebesamstiftung als Dozentin für künstlerische Früherziehung und tauscht sich auch weiterhin zu beruflichen Themen aus. Gleichzeitig freut sie sich sehr auf ihr neues Café-, Kultur- und Familienprojekt. Das musste eine mächtige Hürde nehmen – die baurechtliche Genehmigung der Terrasse, mit der auch die Konzession verbunden ist. Vom Antrag bis zur Bewilligung hat es knapp ein Jahr gedauert und Cora Fauser zwischendrin ziemlich gebangt, dass die Sache überhaupt klappt.

Außerdem war Ende 2020 auch noch nicht klar, dass die Kosten für Baumaterialien derart explodieren würden. Insofern hat die 29-Jährige eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, über die das Projekt unterstützt werden kann. Da das ehemalige Gasthaus 2018 den Betrieb eingestellt hat und seit der Hochzeit in den 1960er- und 70er-Jahren wohl nicht mehr modernisiert wurde, muss kernsaniert und vor allem die Küche komplett neu aufgebaut werden, erzählt sie.

Früher kamen die Gäste zu Pferd, um im Gasthaus Wasserfall einzukehren

Vom damaligen Gasthaus hat sie schon jede Menge Legendäres gehört und sammelt auch weiterhin Anekdoten zum Haus. „Es hieß früher bei den Gästen ‚Texas‘, die Menschen aus der Umgebung sind mit ihren Pferden hergeritten, haben mir Leute erzählt“, sagt sie. Zu den Geschichten gehören beispielsweise ein recht eigenwilliges Bild der Betreiberin Erna Frank, die auch mal bügelnd oder strickend hinter der Zapfanlage gesessen haben soll, und so mancher Wettbewerb unter den vor allem männlichen Gästen wie Nägel mit einem Schlag im Baumstamm versenken oder Sammeln von Bierrunde um Bierrunde bis zum ersten Austretenmüssen.

Klar, die Zeiten haben sich geändert, und Cora Fauser fände es heute schon allein aus Naturverbundenheit schön, wenn ebenso Reiter bei ihr einkehren. Auch das mit dem Bügeln hinter den Tresen ist so nicht geplant. Wenn sie sich dem Cafébetrieb widmen will, wird ihr Mann Thorsten die Kinder nehmen. Als Hundetrainer kann er sich seine Termine selbst einteilen und ist dabei relativ flexibel. „Er möchte auch kein Achtstundenarbeitspapa sein, der den ganzen Tag über weg ist“, erklärt die 29-Jährige. Es soll möglichst viel Zeit für gemeinsame Mahlzeiten und das Miteinander sein. Außerdem stärkt Cora Fausers Familie ihr den Rücken, hat sie auch schon beim Renovieren des Wohnhauses unterstützt, als sich keine Handwerker fanden. Sie und ihr Mann sind im Rems-Murr-Kreis verwurzelt – Cora Fauser ist in Backnang, Thorsten Fauser in Schorndorf aufgewachsen.

Cora Fauser will nicht mehr warten, startet mit einer kleinen Bewirtung

Jetzt möchte die 29-Jährige auch nicht mehr bis zum Frühjahr 2023 warten, zu dem das Café Heimerlein dann offiziell an den Start gehen wird, – im neuen Flyer des Waldklingen-Feenspurenwanderwegs ist schon ein kleines Bewirtungssymbol gesetzt. An den Wochenenden steht Cora Fauser nun bereit, wenn Wanderer und Tagestouristen vorbeischauen, um auf der Terrasse ein paar ausgewählte, möglichst regionale Leckereien und Getränke auf Spendenbasis anzubieten. Somit kann das Projekt nun weiterwachsen, auch die Fühler zur Gemeinde Althütte und zu möglichen Mitstreitern von Vereinen in Sachen Kunst und Kultur sind ausgestreckt. „Ich möchte den Ort aber nicht mit Veranstaltungen überladen“, sagt Cora Fauser. Es braucht die richtige Balance zwischen Familien-, Gemeinschafts- und Bewirtungsprojekt, das den Naturraum einerseits nutzt und schätzt, ihm und den Beteiligten gleichzeitig Luft zum Atmen lässt.

Wer vom Murrhardter Teilort Waltersberg aus in Richtung Sechselberg fährt, kommt auf dem schmalen Waldsträßchen zum Anwesen an der Hörschhofer Sägmühle 9.

© Stefan Bossow

Wer vom Murrhardter Teilort Waltersberg aus in Richtung Sechselberg fährt, kommt auf dem schmalen Waldsträßchen zum Anwesen an der Hörschhofer Sägmühle 9.

Bewirtung auf Spendenbasis

Weitere Infos zum Café und Projekt finden sich unter www.heimerlein.com. Dort informiert Cora Fauser auch zu Speis und Trank und ob das Café geöffnet hat. Ab sofort startet sie an den Wochenenden mit einer kleinen Bewirtung auf Spendenbasis. Ein Link führt außerdem zu Wissenswertem rund um das Crowdfunding und wie man sich beteiligen und unterstützen kann.

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Erstellt:
17. November 2022, 06:00 Uhr

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