Homeoffice so beliebt wie nie
Neue Studie: Stuttgart ist Homeoffice-Hauptstadt Deutschlands
Stuttgart ist Spitzenreiter beim Homeoffice. Das zeigt eine Bertelsmann-Studie mit 79 Millionen ausgewerteten Stellenanzeigen. Mit 38 Prozent liegt die Stadt sogar deutlich vor Berlin.
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Homeoffice ist in vielen Berufen längst ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags.
Von Janina Link
Mehr Präsenz, weniger Homeoffice: Diese Regelung versuchen derzeit viele große Unternehmen in der Region Stuttgart durchzusetzen. Bosch kündigte erst vor ein paar Tagen an, die Präsenzregeln zu verschärfen, und auch bei Porsche wird über Änderungen diskutiert. Umso überraschender fällt eine neue Auswertung der Bertelsmann Stiftung aus: Stuttgart hat deutschlandweit den höchsten Anteil an Stellenanzeigen mit Homeoffice-Option. Die Quote liegt bei 38 Prozent und übertrifft damit sogar Berlin mit 31,4 Prozent. Das macht Stuttgart zur „Homeoffice-Hauptstadt“.
79 Millionen Online-Stellenanzeigen hat die Bertelsmann Stiftung im Rahmen ihres Jobmonitors analysiert und ist zu dem Entschluss gekommen: Die Wirtschaftskrise führt keineswegs dazu, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden seltener Homeoffice anbieten. Denn der Anteil an Stellenanzeigen mit Homeoffice-Angebot liegt bei 20 Prozent und damit auf ähnlich hohem Niveau wie im Vorjahr.
Unterschiede zwischen Stadt und Land beim Homeoffice
„Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben“, sagt Gunvald Herdin von der Bertelsmann Stiftung in einer Pressemitteilung – und tatsächlich: Mittlerweile enthält etwa jedes fünfte Jobangebot deutschlandweit die Möglichkeit, zumindest teilweise von zu Hause zu arbeiten. Vor der Corona-Pandemie war das noch die Ausnahme, denn damals lag der Anteil bei nur 3,7 Prozent der Online-Stellenanzeigen. In den folgenden Jahren legte das Angebot deutlich zu und erreichte 2022 bereits 16,8 Prozent. Seit 2024 hat sich der Wert bei rund 20 Prozent eingependelt und bleibt damit stabil auf diesem Niveau.
Zwischen Stadt und Land zeigen sich dabei deutliche Unterschiede beim Homeoffice-Angebot. Besonders hoch ist der Anteil in großen Städten: Stuttgart liegt auf Platz eins, dicht gefolgt von Düsseldorf mit 37 Prozent und Frankfurt am Main mit 36 Prozent. In Großstädten insgesamt liegt die Quote bei gut 28 Prozent.
Ganz anders sieht es in dünn besiedelten Regionen aus. Dort wird Homeoffice in Stellenanzeigen deutlich seltener angeboten – im Schnitt 11,7 Prozent.Ein Grund dafür ist naheliegenderweise die unterschiedliche Wirtschaftsstruktur: In Ballungsräumen sitzen mehr „klassische“ Homeoffice-Branchen wie IT- und Dienstleistungsunternehmen, während sie auf dem Land weniger stark vertreten sind.
Homeoffice vor allem in männerdominierten Berufen
In Berufen, in denen überwiegend Männer arbeiten, ist Homeoffice deutlich häufiger möglich. Besonders hoch ist der Anteil dort, wo der Männeranteil über 70 Prozent liegt. Erst auf Platz 14 des Rankings findet sich mit der Steuerfachangestellten ein Beruf, der überwiegend von Frauen ausgeübt wird. Insgesamt zeigen sich klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei Berufen, in denen mehrheitlich Frauen arbeiten, bieten Arbeitgeber nur in etwa jedem achten Fall eine Homeoffice-Option an. In männlich geprägten Berufen ist es dagegen ungefähr jeder fünfte Job.
Noch deutlicher wird die Differenz auf höheren Qualifikationsstufen. Bei Expertinnen- und Spezialistenberufen mit überwiegend weiblicher Besetzung liegt der Anteil von Remote-Arbeit bei rund 22 Prozent. In vergleichbaren männlich dominierten Berufen ist er mit etwa 46 Prozent mehr als doppelt so hoch.
Homeoffice-Angebote konzentrieren sich deutlich auf höher qualifizierte Tätigkeiten. In Stellenanzeigen für akademisch geprägte Positionen wird mobiles Arbeiten vergleichsweise häufig erwähnt, während es auf mittleren Qualifikationsstufen schon seltener vorkommt. Besonders stark ist der Unterschied zu einfachen Tätigkeiten: Dort spielt Homeoffice in der Praxis kaum eine Rolle. Insgesamt zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Qualifikationsniveau und der Wahrscheinlichkeit, dass flexible Arbeitsmodelle angeboten werden.
