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Neuer Trainer sorgt für frischen Wind

Seit gut vier Monaten gibt Joachim Krohlas bei den TSG-Ringern den Takt vor. Derzeit kommen schon 16 bis 18 Kinder regelmäßig ins Training, doch dabei soll es nicht bleiben. Der 48-Jährige will den Kontakt zu den Schulen und zum Backnanger Integrationsmanagement intensivieren.

Von Korb nach Backnang: Der neue Trainer Joachim Krohlas gibt seit Juli die Kommandos bei den TSG-Ringern. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Von Korb nach Backnang: Der neue Trainer Joachim Krohlas gibt seit Juli die Kommandos bei den TSG-Ringern. Foto: T. Sellmaier

Von Steffen Grün

Die Rauferei beim Ringen läuft nach klaren Regeln ab, das bläut Joachim Krohlas seinen Schützlingen gleich einmal ein. „Wir dürfen niemandem wehtun, das ist verboten“, ruft der noch recht neue Trainer der TSG Backnang während einer Übungsform. An einem Montagabend sind 16 Jungen und ein Mädchen in die altehrwürdige Seminarturnhalle gekommen, um sich Schritt für Schritt mit den Feinheiten dieser Sportart vertraut zu machen, die viel komplexer ist, als es auf Anhieb den Anschein hat. „Weißt du, wer beim Ringen gewonnen hat?“, fragt Krohlas einen der Buben, die gerade am korrekten Beingriff arbeiten. Er liefert die Antwort sofort nach: Es geht darum, den Rivalen in eine eindeutige Rückenlage zu manövrieren.

Im übertragenen Sinne wäre die Ringersparte der Kraftsportler, die wiederum Teil der TSG Backnang Schwerathletik sind, vermutlich längst am Boden gewesen, wenn es Werner Stradinger nicht geben würde. Der altgediente Funktionär, der seit über einem halben Jahrhundert immer mindestens ein Amt innehat, hielt den Laden in der traditionsreichen Sparte mit der Blütezeit in den Siebzigern und Achtzigern am Laufen. Unermüdlich, so gut es eben ging. Als sich die Möglichkeit bot, Joachim Krohlas für seinen Verein zu gewinnen, setzte die treue Seele alle Hebel in Bewegung. „Ich kenne ihn seit seiner Jugendzeit“, sagt er über den 48-Jährigen: „Er verfügt über ein gutes Netzwerk.“

Eines, dass er sich in fast drei Jahrzehnten als Jugendtrainer und zeitweise auch als Abteilungsleiter des SC Korb aufgebaut hat. Warum bei den Remstalern für ihn Schluss war? Weil sie sich „konzeptionell neu aufstellen wollten, und in diesem Konzept habe ich mich nicht mehr wiedergefunden“, hält sich Krohlas eher bedeckt. Das Verhältnis zu seinem Ex-Verein scheint aber trotzdem einigermaßen intakt zu sein, denn die bereits 2020 ins Leben gerufene Kampfgemeinschaft, die den SC Korb und die TSG Backnang bei den Aktiven verbindet, bleibt bestehen. „Wir arbeiten weiterhin Hand in Hand“, bestätigt der Mann, der die Seiten gewechselt hat. Irgendwann mal wieder ein eigenes Team zu stellen, wie es letztmals 2007 vor der zeitweiligen KG Backnang/Böckingen der Fall war, „ist noch in weiter Ferne“, betont Stradinger. Krohlas pflichtet bei, denn „mit 20 Ringern habe ich anders als mit 20 Fußballern noch nicht zwingend eine Mannschaft, da wir die verschiedenen Gewichtsklassen besetzen müssen“. Zumindest eine eigene Trainingsgruppe für die ab 16-Jährigen soll es aber 2022 wieder sein.

Mit Flyern und über die sozialen Netzwerke neue Kinder angelockt

Im Vordergrund steht zunächst einmal die Nachwuchsarbeit, denn sie ist die Basis für alles Weitere. Als der neue Trainer sein Amt vor gut vier Monaten antrat, ging es nach der Coronapause, die bei Vollkontaktsportarten noch länger als in anderen Disziplinen gedauert hatte, insbesondere darum, möglichst viele Kinder zur Rückkehr in die Halle zu bewegen sowie neue Mädchen und Jungen anzulocken. „Der erste Schritt ist gelungen“, konstatiert Krohlas mittlerweile, „wir haben uns bei 16 bis 18 Kindern stabilisiert“. Waren bislang Flyer an den Schulen und Werbung in den sozialen Netzwerken die bevorzugten Mittel der Wahl, so hat der Coach für die Zukunft weitere Ideen. „Wir wollen den Kontakt mit den Schulen intensivieren“, erklärt er, wie in Korb schweben ihm Schulmeisterschaften vor. Zudem wolle er sich mit den städtischen Integrationsmanagern austauschen, weil es Flüchtlinge gebe, „in deren Heimat das Ringen zu den populärsten Sportarten zählt“, etwa aus Afghanistan und Syrien. Auch die Kinder von Spätaussiedlern gehörten zur Zielgruppe.

Die Tatsache, dass Backnang eine Hochburg im Judo und damit in einem weiteren Kampfsport ist, betrachten übrigens weder Stradinger noch Krohlas als Problem. Im Gegenteil: „Es kann sich gut ergänzen, weil beide Sportarten zur TSG Schwerathletik gehören.“ Sei das eine nicht zu 100 Prozent das Richtige für ein Kind, sei es vielleicht das andere. Und die Wege sind kurz, liegen das Dojo der Judokas und die Seminarturnhalle als Heimat der Ringer doch in direkter Nachbarschaft. Tolle Erfolge deutscher Ringer wie bei den diesjährigen Olympischen Spielen, als Frank Stäbler die Bronzemedaille holte und Aline Rotter-Focken sogar Gold gewann, hätten dafür gesorgt, „dass der Fokus mal wieder aufs Ringen gerichtet war“, freut sich Krohlas. Der Illusion, dass das alleine zu einem gesteigerten Zulauf an Kindern und Jugendlichen führt, gibt er sich aber nicht hin: „Es ist wichtiger, qualifizierte Trainer zu haben und ein gutes Training anzubieten.“ Das ist der Anspruch an sich selbst und an den gesamten TSG-Trainerstab, zu dem auch noch Nadine Scholz, Uwe Schramm und Werner Stradinger gehören.

Weil Ringen keine reine Rauferei ist, legt das Quartett Wert auf Übungen wie Hand- und Kopfstände, weil sie die Körperbeherrschung schulen. Noch immer das Wichtigste bleiben aber die Kampftechniken selbst. „Zieh das Bein hoch, du hast ihn fast auf dem Rücken“, ruft Krohlas einem Talent zu.

Trainingsabende Wer bei den Ringern der TSG Backnang mal reinschnuppern möchte, kann das am Montag- oder Mittwochabend jeweils von 17.45 Uhr bis 19.15 Uhr in der Seminarturnhalle tun. Es sind Jungen und Mädchen willkommen, aber es wird um vorherige Anmeldung gebeten – entweder unter der Handynummer 0172/6490113 oder per E-Mail an joachim.krohlas@outlook.de. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.tsgbacknang-ringen.de.
Nachwuchsturnier und Ligawettkampf in Backnang

Erfahrungswerte „Ein paar Neulinge konnten schon erste Wettkampfluft schnuppern“, sagt TSG-Trainer Joachim Krohlas über das Anfängerturnier im Freistilringen in Weilimdorf. Bei den E-Jugendlichen landete Roman Wendler in der Klasse bis 22 Kilogramm auf dem sechsten Platz. In der gemeinsamen Konkurrenz der D- und C-Jugend waren immerhin vier Backnanger Talente am Start: Viktor Belsner (bis 39 Kilogramm/4. Platz), Jace-Geronimo Scholz (bis 50/4. Platz), Yara-Cheyenne Scholz (bis 55/ 2. Platz) und Sascha Friedrich (bis 70/2. Platz).

Gastgeberrolle „Ein Zeichen, dass in Backnang wieder etwas stattfindet“, sieht Krohlas darin, dass die TSG am kommenden Samstag ab 11 Uhr einen Regio-Cup ausrichtet. Dabei handelt es sich um ein Nachwuchsturnier im Freistil-Ringen, zu dem rund 50 C-Junioren und etwa 40 Mädchen in der Mörikehalle erwartet werden. Zuschauer sind wegen der aktuellen Coronasituation aber nicht zugelassen.

Heimvorteil Anders sieht es beim Wettkampf in der Landesklasse aus, den die Ringer der KG Korb II/Backnang am Samstag (18 Uhr, Mörikehalle) gegen den TSV Ehningen II bestreiten. Hier darf nach der 2-G-Regel rein, wer geimpft oder genesen ist. Für die Murr- und Remstaler ist es bereits die siebte Begegnung der laufenden Runde, bislang gab es drei Siege und drei Niederlagen. Zuletzt sammelte die KG mit dem deutlichen 29:4-Erfolg beim TSV Herbrechtingen II frisches Selbstvertrauen für das anstehende Duell mit dem Tabellennachbarn, der ebenfalls 6:6 Punkte auf dem Konto hat. Hervorzuheben waren der Schultersieg von Daniel Mezger und der Blitzsieg von Dominic Simon nach nur zwölf Sekunden.

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Erstellt:
16. November 2021, 06:00 Uhr

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