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Noch verbunden oder schon gefesselt?

„Vernetzte Gesellschaft“ ist das neue Schwerpunktthema der Volkshochschule. Internet, Digitalisierung, Beschleunigung – der Wandel durch Technik und die Art der Kommunikation ist allgegenwärtig. Die Frage ist, wo Entwicklungen problematisch sind und eine Neuorientierung nottut.

Die Art der Kommunikation hat sich mit der Digitalisierung gewandelt und dies wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Foto: Adobe Stock/flashmovie

© flashmovie - stock.adobe.com

Die Art der Kommunikation hat sich mit der Digitalisierung gewandelt und dies wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Foto: Adobe Stock/flashmovie

Von Christine Schick

Murrhardt. Nicht wenige attestieren den Pandemiezeiten einen beachtlichen Schub in puncto Digitalisierung. „Bestimmte Arbeitgeber hatten früh die Möglichkeit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Lockdown ins Homeoffice zu schicken“, sagt Birgit Wolf. Gleichzeitig gibt es Arbeitsbereiche, in denen es besonders wichtig ist, dass Teams weiterhin präsent sind. Ob alleine in den eigenen vier Homeoffice-Wänden oder draußen – „das macht was mit uns“, ist die Leiterin der Volkshochschule überzeugt.

„Vernetzte Gesellschaft als Begriff hebt darauf ab, dass die Kommunikation und der Informationsaustausch mittlerweile zu einem großen Teil digital abläuft“, sagt Kristin Krack. Im Rahmen des neuen Schwerpunkts heißt es, sich anzuschauen, was sich daraus entwickelt, und Schlaglichter auf das große Gebiet zu werfen. Friedhelm Schneidewind wird es in seinem Vortrag über „Megatrends“ (10. März, 19 Uhr, Gasthof Engel) abstecken. Geboren hat den Begriff der Trend- und Zukunftsforscher John Naisbitt bereits in den 1980er-Jahren, als er den Wandel von der Industrie- in eine Informationsgesellschaft vorhersagte. Schneidewind kommt zu dem Schluss, dass seine Vorhersagen sich nur teilweise als richtig erwiesen haben. Der Dozent greift sich einige der aktuell diskutierten Megatrends – Globalisierung, Digitalisierung, Gentechnologie und demografischer Wandel – heraus, überprüft ihre Prognosefähigkeit und beleuchtet dabei auch die Frage, wie sie vor dem Hintergrund politisch-gesellschaftlicher Interessen benutzt werden (können).

„Der marktgerechte Mensch“ betrachtet die veränderten Arbeitsbedingungen

Die Dokumentation „Der marktgerechte Mensch“, die in Kooperation mit dem Kinovereinsteam am 28. April, 20 Uhr in den Murrlichtspielen zu sehen ist, lenkt den Blick auf die Veränderung der Arbeitsbedingungen und Menschen, die in ihren Jobs auf Abruf tätig sind. Als typischer Vertreter fällt einem da der Bote vom Pizzaservice oder Paketdienst ein, aber auch die Arbeitsverhältnisse in mittleren und oberen Leitungspositionen haben sich gewandelt. Der Film thematisiert, wie sich der Wettbewerb verschärft und eine Solidarisierung immer schwieriger macht – inklusive Depression und Burn-out als Folge –, schaut sich aber auch Alternativmodelle an wie beispielsweise Betriebe, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls arbeiten.

Peter Schadt hat sich im Rahmen seiner Promotion mit der Digitalisierung der Arbeitswelt auseinandergesetzt. Der DGB-Gewerkschaftssekretär ordnet die verschiedenen Ansichten, was die Digitalisierung letztlich bewirkt – die Arbeit leichter, dichter und irgendwann überflüssig macht –, ein. Entscheidend ist für ihn aber auch der Blick auf die polit-ökonomischen Interessen und die Widersprüche der Gesellschaft, der mehr erklärt als rein technische Analysen. Er ist am 12. Mai, 19 Uhr im Gasthof Engel zu Gast.

Eine völlig andere Ausgangsposition nimmt Ortwin Köhler ein. Der Historiker befasst sich am 19. Mai, 19 Uhr, Gasthof Engel, damit, wie Gesellschaft und Kommunikation in der Zeit des Mittelalters funktioniert haben. Konkret schaut er sich auch an, wie Murrhardts Position im Ränkespiel der Politik zu verorten gewesen sein könnte, thematisiert Verbindungen des Adels, wirtschaftliche Bande der Stadt mit dem Umland und dem Handelsnetz des Römischen Reichs. Dabei stellt sich auch die Frage, ob sich noch Strukturen oder andere Formen eines historischen Erbes ausmachen lassen, die auf dieser Vergangenheit beruhen, und was das fürs Hier und Jetzt heißt.

Unter der Überschrift „die klebrige Falschheit in der Mediengesellschaft“ steht der Vortrag von Oliver Zöllner am 20. Juni, 19.30 Uhr, Gasthof Engel. Zöllner, der an der Hochschule der Medien in Stuttgart lehrt, gibt einen Überblick über den Wandel der Wertorientierung im Alltag, die mit der Digitalisierung einhergeht. Wie geht man mit Fake News, Hassparolen und einer nicht immer kontrollierbaren Dynamik in den sozialen Medien um? Zöllner stellt das Konzept einer digitalen Ethik vor, zeigt aber auch lebenspraktische Dilemmata auf, die sich aus dem Umgang mit digitalen Anwendungen ergeben. „Die Auseinandersetzung mit diesen Themen finde ich wichtig, auch angesichts der Tatsache, dass es ja ganz konkrete Probleme gibt wie beispielsweise digitales Mobbing in Schulen“, sagt Birgit Wolf. Auch die Volkshochschule ist nicht vom Wandel ausgespart – beispielsweise heißt es in Coronazeiten, wo es sich machen lässt, Hybridkurse zu ermöglichen. Das bedeutet einerseits einen größeren Aufwand, verändert auch so manchen Ablauf, andererseits können so auch Menschen – die technische Ausrüstung vorausgesetzt – teilnehmen, denen dies beispielsweise aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen vielleicht nicht möglich gewesen wäre.

Was Nachhaltigkeit mit dem Kleiderschrank zu tun hat und wie sich Stress wegwandern lässt

Nachwuchs Birgit Wolf freut sich, dass die VHS nun wieder einen Pekip-Kurs für Eltern und Babys (ab 16. Februar/ 16. März) anbieten kann. Das Prager Eltern-Kind-Programm ist ein Bewegungs- und Spieleangebot, bei dem die Kleinen und die Bindung gefördert werden sollen.

Neubürger Neu im Programm ist ein Stadtspaziergang für Menschen mit Migrationserfahrung. Christian Schweizer macht sich im Sommer (26. Juni und 17. Juli) zu Rundgängen auf, um Brücken auch in der Geschichte Murrhardts zu anderen Ländern zu schlagen, und wird dabei von Dolmetscherinnen beziehungsweise Dolmetschern begleitet.

Nachhaltigkeit Wie sich das Thema Nachhaltigkeit in Bezug auf die Lieferkette vom Baumwollfeld bis zur Entsorgung darstellt, erläutert Dorothy Kidza-Zentler (23. Mai, 19 Uhr, Gasthof Engel) und geht der Frage nach, wie Verbraucher für mehr Gerechtigkeit in der Textilproduktion aktiv werden können. Weitergeführt wird die Thematik in drei Workshops – zur Farb- und Stilberatung (12. März), zur Überarbeitung der eigenen Garderobe (9. April) und mit einem Schneiderkurs, bei dem aus Hemden ganz neue Kleidungsstücke entstehen (14. Mai). Und: Der Spinnradkurs (ab 9. Februar) wird nicht nur wieder angeboten, sondern durch einen Spinnkreis ergänzt, in dem das Handwerk vertieft werden kann (ab 9. März).

Neue Fachvorträge In einer dreiteiligen Vortragsreihe beleuchtet Monika Amann den „Umgang mit Demenz“ und führt umfassend ins Thema ein (ab 29. März, 19 Uhr, Grabenschulhaus).

Neuer Genuss In puncto Ernährung und Genuss geht es außerdem auf eine Reise in die Senfherstellung – beim Besuch von Maiers Senf- und Feinkostmanufaktur (28. Mai), und es steht ein Rumtasting mit Verkostung im Grabenschulhaus auf dem Programm (20. Mai). Neu ist auch, dass Yin-Yoga als Online-Kurs (ab 17. März) angeboten wird, es aber auch ein Yogaseminar gibt, bei dem es raus in die Natur geht (ab 4. Mai), und Paul Giesinger geht die Stressthematik mit und in einem Wanderworkshop an (25. Juni).

Neuausstattung Was die berufliche Bildung und EDV-Kurse anbelangt, so ist die VHS technisch noch besser ausgerüstet – über den Landesfördertopf Weiterbildungsinitiative WEITER.mit.BILDUNG@BW ließen sich zwei weitere Smartboards anschaffen, sodass nun drei Räume mit den digitalen Tafeln ausgestattet sind.

Das neue Programmheft Die Broschüre ist ab Mittwoch, 12. Januar, in der Stadtbücherei, im Naturparkzentrum, im Rathaus, bei den Banken, Geschäften und in der Volkshochschule erhältlich. Zudem steht sie unter https://vhs-murrhardt.de zum Herunterladen bereit.

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Erstellt:
11. Januar 2022, 06:00 Uhr

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