Blockade der Straße von Hormus
Nur Iran profitiert von Ölknappheit
Teheran trifft die USA mit der Blockade der Straße von Hormus an ihrer Achillesferse. Donald Trump hatte zuvor Warnungen über die globale Energieversorgung in den Wind geschlagen.
© AFP
Dieser thailändische Tanker wurde am Mittwoch (11.3.) in der Straße von Hormus von einem Sprengkörper getroffen und geriet in Brand.
Von Thomas spang
Die Ping Shun mit 600 000 Barrel Öl an Bord konnte das Risiko wagen. „Wir sind ein chinesisches Schiff. Wir kommen durch. Wir sind befreundet”, funkte der Kapitän des Tankers, bevor seine Crew Anfang der Woche die Meeresenge im Persischen Golf durchquerte. Die Revolutionsgarden ließen das Schiff passieren. Wie fünfzehn andere Tanker der Schattenflotte, die laut Lloyd's List zuvor iranisches Öl auf der Insel Kharg aufgenommen hatten. Die acht Kilometer lange Insel vor der Küste Irans ist der Knotenpunkt der Ölindustrie des Landes. Gebaut von einem US-Konzern zu besseren Zeiten, laufen hier über Pipelines 90 Prozent des gesamten Öls des Landes zusammen. Von hier aus hat das Regime Zugang zu Tiefwasser, um Schiffe zu beladen.
Keine westliche Reederei verlässt sich auf USA
Von den mehr als 5000 Zielen, die die USA und Israel in den ersten elf Tagen angegriffen haben, fiel keine einzige Bombe auf die strategisch so wichtige Insel. Sehr zur Freude des Regimes, das seit Beginn des Krieges mehr Öl von hier aus verschifft als vorher. Gleichzeitig verlässt sich bisher keine westliche Reederei auf den von Trump in Aussicht gestellten Schutz für ihre Tanker. „Wir werden unsere Kollegen nicht in Gefahr bringen“, fasst der Chef der dänischen Maersk-Gruppe Vincent Clerc die Stimmung unter den Betreibern der Schifffahrtsrouten aus dem Persischen Golf zusammen.
Der Präsident rechnete mit nicht mehr als wenigen Tagen Unterbrechung. Eine Haltung, die sich im Kommentar der Sprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt spiegelte. Die kurzfristige Störung auf dem Ölmarkt durch das iranische Regime müsse in Kauf genommen werden, „für den langfristigen Gewinn, diese Terroristen und die Bedrohung, die sie für Amerika und die Welt darstellen, auszulöschen”.
Der Vorsitzende des saudischen Ölkonzerns Aramco, Amin Nasser, warnt hingegen vor katastrophalen Folgen für die globalen Märkte, falls keine schnelle Lösung gefunden werde. Zwar habe die Region in der Vergangenheit Unterbrechungen erlebt, sagte er, „aber diese ist bei weitem die größte Krise, mit der die Öl- und Gasindustrie der Region je konfrontiert war“.
Der Mann weiß, wovon er spricht. Rund ein Fünftel des gesamten Öls auf dem Weltmarkt fließt durch dieses Nadelöhr. Es kann nur zu einem kleinen Teil über Pipelines durch Saudi-Arabien an das Rote Meer umgeleitet werden. Der Rest sitzt fest. In der Folge müssen wegen fehlender Lagerkapazitäten die Quellen in der Region stillgelegt werden. Nach einer Beendigung der Blockade würde es Wochen dauern, bevor diese wieder sprudeln könnten.
Iranische Seeminen, Raketen und Drohnen bedrohen die Tanker
Trump reagiert mit dem üblichen Bravado auf die Krise. Die Crews der Tanker sollten „Mut unter Beweis stellen” und durch die von Experten als „Death Valley” bezeichnete Meeresenge fahren, sagte er dem Sender Fox. Doch seine in Aussicht gestellte Begleitung durch die US-Navy ist keine Lösung. Iranische Seeminen, Raketen und Drohnen bedrohen die Tanker auch mit Eskorte und machen die Kriegsschiffe selbst zum Ziel.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie wenig Konvois ausrichten. Zwischen Juli 1987 und September 1988 begleiteten die USA im Krieg zwischen Irak und Iran Dutzende kuwaitischer Tanker durch die Meerenge. Mehr als 30 Kriegsschiffe sicherten die Route. Experten haben ausgerechnet, dass es bei gleichem Tempo zwei Jahre und sechs Monate dauern würde, um die rund 320 derzeit im Golf festsitzenden Schiffe herauszubringen. Die Kosten einer Eskorte übersteigen zudem den Wert der Ladung, die sie schützen soll.
Weil die Preise an den Zapfsäulen auch in den USA auf immer neue Höchststände klettern und die Engpässe die Inflation weiter anheizen, wird die Blockade Trump im Jahr der Zwischenwahlen zum Kongress politisch gefährlich. Deshalb versucht er, mit Drohungen gegen die Machthaber in Iran und der Bombardierung von Minenlegern vom größeren Problem abzulenken. Das Militär meldete das Versenken von 16 iranischen Minenbooten und Angriffe auf Munitionsdepots. Doch mit geschätzt 5000 Seeminen, die mit wendigen Schnellbooten verlegt werden können, reicht das nicht, um den Iran an der Verminung der Meeresenge zu hindern.
Derweil macht der Iran weiter blendende Geschäfte mit dem von Kharg aus verschifften Öl. Die Insel aus der Luft anzugreifen, würde den globalen Leidensdruck nach Ansicht von Analysten nur vergrößern, weil diese Kapazitäten in China oder Indien ersetzt werden müssten. Eine Zerstörung der Infrastruktur führte über Jahre zu einer Verknappung der globalen Kapazitäten.
Bodentruppen noch nicht ausgeschlossen
Deshalb prüft das Weiße Haus laut dem Online-Portal Axios die Entsendung von Bodentruppen, um die Insel zu besetzen und dem Iran seine Haupteinnahmequelle zu nehmen. Kriegsminister Pete Hegseth wollte diese Möglichkeit nicht ausschließen, obwohl die USA bisher keine ausreichende Zahl an möglichen Besatzungstruppen in der Region haben. Der Einsatz von Bodentruppen wäre in den USA höchst unpopulär. Vor allem öffnet er nicht die Straße von Hormus, die für Trumps „kleinen Ausflug“ nach Iran immer mehr zur Sackgasse wird.
