Mord an Politikerin Marielle Franco

Oberstes Gericht in Brasilien spricht mutmaßliche Drahtzieher schuldig

Fast acht Jahre nach dem Mord an der brasilianischen Kommunalpolitikerin Marielle Franco wurden die mutmaßlichen Drahtzieher, zwei frühere Abgeordnete, schuldig gesprochen.

Fast acht Jahre nach dem Mord an der Kommunalpolitikerin Marielle Franco wurden die mutmaßlichen Drahtzieher schuldig gesprochen (Archivfoto).

© dpa

Fast acht Jahre nach dem Mord an der Kommunalpolitikerin Marielle Franco wurden die mutmaßlichen Drahtzieher schuldig gesprochen (Archivfoto).

Von red/AFP

Fast acht Jahre nach dem Mord an der brasilianischen Kommunalpolitikerin und Aktivistin Marielle Franco sind die beiden mutmaßlichen Drahtzieher des Verbrechens schuldig gesprochen worden. Das Oberste Gericht des Landes in Brasília verurteilte am Mittwoch die beiden Ex-Abgeordneten und Brüder Chiquinho und Domingos Brazão wegen zweifachen Mordes, Mordversuchs und Zugehörigkeit zu einer bewaffneten kriminellen Organisation. Ihr Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden.

Der Mord an Franco und ihrem Fahrer hatte in Brasilien wie auch international für großes Entsetzen gesorgt. Die linksgerichtete afrobrasilianische Frauenrechtlerin und Stadträtin war am 14. März 2018 erschossen worden, als sie mit dem Auto nahe des Zentrums der Millionenmetropole Rio de Janeiro unterwegs war. Der Wagen wurde von Kugeln durchsiebt. Eine Assistentin Francos überlebte den Angriff.

In ihrem einstimmig gefällten Urteil befanden vier Richter des Obersten Gerichts nun die Brazão-Brüder für schuldig, den Mord angeordnet zu haben. Chiquinho Brazão gehörte früher dem brasilianischen Bundesparlament an, sein Bruder dem Parlament des Bundesstaats Rio de Janeiro. Auch war Domingos Brazão früher für die Rechnungsprüfungsstelle des Bundesstaats tätig.

Brazão-Brüder als Teil der Miliz verantwortlich

Die obersten Richter kamen zu dem Schluss, dass Franco ermordet wurde, weil sich sich gegen Pläne gewandt hatte, von Milizen illegal übernommenen Grundbesitz nachträglich zu legalisieren. Die Brazão-Brüder "hatten nicht bloß Kontakt zur Miliz. Sie waren die Miliz", erklärte der Vorsitzende Richter Alexandre de Moraes.

Die illegalen Milizen in Rio haben ihren Ursprung in sogenannten Selbstverteidigungsgruppen, die vor vier Jahrzehnten von Ex-Polizisten und anderem ehemaligen Sicherheitspersonal zum Schutz von Vierteln vor Drogenbanden gegründet worden worden. Aus diesen Gruppen entwickelten sich dann mächtige kriminelle Organisationen, die als Konkurrenten der Drogengangs öffentliche Ländereien in ihren Besitz brachten, Einwohner erpressten und von ihrer Vernetzung mit politischen Kreisen profitieren. 

Franco-Mord – ehemalige Militärpolizisten führten Tat aus

Die Richter hoben in ihrem jetzigen Schuldspruch auch den "Rassismus" und die "Frauenfeindlichkeit" der beiden Verurteilten hervor. Moraes beschrieb Franco als eine "arme Frau, eine schwarze Frau, die es wagte, sich den Interessen der Milizangehörigen, der Männer und der Weißen entgegenzustellen". Die im Alter von 38 Jahren ermordete Franco war in einer der als Favelas bezeichneten Armenviertel von Rio aufgewachsen. 

Bereits im Oktober 2024 verurteilte ein Geschworenengericht in Rio zwei Männer, die den Mord an Franco und ihrem Fahrer ausgeführt hatten, zu hohen Haftstrafen. Ronnie Lessa, der von einem Wagen aus die tödlichen Schüsse abgefeuert hatte, wurde zu 78 Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Sein Komplize Elcio Queiroz, der am Steuer saß, erhielt eine Strafe von 59 Jahren und acht Monaten. Beide sind ehemalige Militärpolizisten und hatten die Tat gestanden.

Zum Artikel

Erstellt:
25. Februar 2026, 20:34 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen