Winterspiele
Olympia-Glanz soll auf die Wirtschaft abstrahlen
Die Winterspiele in Mailand und Cortina d`Ampezzo sollen Italiens Wirtschaft beleben. Auch Parter-Unternehmen und Sponsoren hoffen auf positive Effekte.
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Die Kosten der neuen Bobbahn sind umstritten.
Von Gerhard Bläske
Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d`Ampezzo vom 6. bis 22. Februar sollen dem Image Italiens, den Regionen Lombardei, Venezien, Trentino und Südtirol, aber auch den beteiligten Unternehmen zugute kommen und ihnen wirtschaftlich nutzen. Der Banca Ifis zufolge kann Italien allein mit direkten Einnahmen etwa durch Touristen oder aus dem Verkauf von Eintrittskarten von etwa 5,3 Milliarden Euro rechnen. Die Ausgaben für Sportstätten, Sportler-Unterkünfte, Organisation, den Bau neuer Straßen und Bahnlinien sowie eine neue U-Bahnlinie in Mailand dürften jedoch höher sein. Und es entstehen Folgekosten – etwa für die neue Bobbahn, die nach den Spielen keiner mehr braucht, oder für Umweltschäden.
Sonderdekret sichert Organisationskomitee Straffreiheit
Bauverzögerungen bei der Infrastruktur und Sportstätten, deutliche Kostenüberschreitungen sowie Korruptionsvorwürfe machen derzeit Schlagzeilen. Mit einem Sonderdekret hat die Regierung zwar im Juni 2024 das staatliche Organisationskomitee Fondazione Milano Cortina d`Ampezzo quasi straffrei gestellt: Die Staatsanwaltschaft Mailand musste Ermittlungen wegen Korruption und Angebotsmanipulation gegen den ehemaligen Präsidenten der Fondazione einstellen. Das gilt auch für die Untersuchung der zweifelhaften Vergabe von Aufträgen von insgesamt 250 Millionen Euro an die Management- und Strategieberatung Deloitte
ohne Ausschreibung. Deloitte wollte sich dazu auf mehrmalige Nachfragen nicht äußern.
Die Justiz und die nationale Antikorruptionsbehörde Anac sehen in dem Dekret eine unrechtmäßige Einmischung Roms und die Schaffung einer rechtsfreien Zone. Das Verfassungsgericht soll den Fall prüfen. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft unabhängig davon Ermittlungen gegen Deloitte, das zugleich Partner und Sponsor der Olympischen Spiele, aber auch Lieferant von Dienstleistungen ist, wegen der Ausstellung falscher Rechnungen eingeleitet.
Heikle Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht
Rom und die Partner und Sponsoren haben kein Interesse an negativen Schlagzeilen. Es sind illustre Namen dabei: Der franko-italienische Autokonzern Stellantis, die Werftengruppe Fincantieri, der Versorger Enel, der Mineralölkonzern ENI, die Allianz oder Coca Cola. Dazu kommen der Sportgerätehersteller Technogym, die Bank Intesa Sanpaolo, die Mailänder Messe Fiera Milano, Sportartikelkonzerne wie Moncler, Amer Sports, Adidas und viele mehr.
Die Mailänder Messe Fiera Milano ist nicht nur Partner. Auf ihrem Gelände im Mailänder Vorort Rho finden in der neu errichteten Live Dome-Halle, die Platz für bis zu 40 000 Zuschauer bietet, die internationalen Wettbewerbe im Eisschnelllauf und Frauen-Eishockey statt. Das Messe-Kongresszentrum Allianz MiCo fungiert als internationales Medienzentrum.
Mit den neuen Einrichtungen, die in Zukunft für Sportveranstaltungen und Konzerte genutzt werden können, generiert die Messe künftig zusätzliche Einnahmen.
Der Sportgeräteproduzent Technogym aus Cesena in der Emilia-Romagna ist seit 2004
bei praktisch allen Olympischen Sommer- und Winter-Spielen offizieller Partner und offizieller Ausstatter. Das 1983 gegründete Unternehmen bietet Fitness-Studios, Vereinen, Hotels, Unternehmen und Privatleuten Sportgeräte wie Laufbänder, Cross-Trainer, Rudergeräte und vieles mehr an. Über Apps, KI-basierte Lösungen und Videos sind sie zunehmend miteinander vernetzt und personalisiert. Athleten aus fast allen Sportarten trainieren mit Technogym-Geräten.
Ebenfalls mit an Bord als Premium Partner ist Italiens größte Bank Intesa Sanpaolo. Sie will global bekannter werden. Denn die Digitalplattform Isytech soll Wachstumstreiber auch für die Digitalbank Isybank und die Wealth-Management-Plattform Fideuram Direct sein. In Kooperation mit Black Rock will die Bank, die erst etwa 13 Prozent ihrer Erlöse im Ausland erzielt, künftig in der Vermögensverwaltung auch außerhalb Italiens zulegen.
Moncler wieder als Ausrüster dabei – für Brasilien
Der italienische Daunenmoden-Spezialist Moncler rüstet erstmals seit 1968 wieder als offizieller Sponsor ein Olympia-Team aus: das brasilianische. Zwar ist das südamerikanische Land nicht gerade als Wintersportnation bekannt. Doch das Team um den Slalom-Spezialisten Lucas Pinheiro Braathen könnte für Aufsehen sorgen. Moncler liefert auch Kleidungsstücke für offizielle Zeremonien. Das Unternehmen ist mit einem Börsenwert von mehr als 13 Milliarden Euro Italiens teuerstes Mode-Unternehmen
Weniger bekannt ist der Sportausrüster Amer Sports Oyi. Dabei gehören zu dem an der New Yorker Nasdaq notierten Unternehmen Marken wie der Tennisschläger-Spezialist Wilson, der österreichische Ski-Produzent Atomic oder der Schuh- und Bekleidungs-Hersteller Salomon. Mit Atomic-Ski starten in Cortina d`Ampezzo Skistars wie Mikaela Shiffrin, Sofia Goggi, Aleksandor Aamodt Kilde, Marco Schwarz oder Raphael Haaser. Salomon stattet die mehr als 18 000 Freiwilligen und Mitarbeiter aus, die für einen erfolgreichen Verlauf der Olympiade sorgen sollen.
Adidas rüstet die deutsche Olympia-Mannschaft aus
Amer Sports-Großaktionär Anta Sport, der 44,5 Prozent der Anteile kontrolliert, hat gerade angekündigt, für 1,5 Milliarden Euro 29 Prozent der Anteile des deutschen Sportartikel-Konzerns Puma zu übernehmen. Zu Anta gehören Fila und der Outdoor-Spezialist Jack Wolfskin.
Sehr präsent in Mailand und Cortina d`Ampezzo ist auch Adidas. Der Sportartikel-Hersteller erlöst weniger als fünf Prozent seiner Einnahmen aus dem Wintersport, rüstet aber die deutsche Olympia-Mannschaft aus.
Olympia in Italien
Zum vierten Mal Mit den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d`Ampezzo richtet Italien bereits zum vierten Mal Olympische Spiele aus. Neben Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d`Ampezzo und 2006 in Turin waren das die Sommerspiele 1960 in Rom. (bl)
