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Online-Marktplatz behält seine Begleiterin

Mit Förderende der Murrhardter Plattform übernimmt die Stadt die Fortführung in Eigenregie. Sie setzt darauf, dass Elke Kleinknecht das Projekt weiterbetreut und ihre Kompetenz außerdem für die Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen einbringt.

In der Murrhardter Fußgängerzone ist angesichts des Lockdowns und zahlreicher geschlossener Geschäfte nicht viel los. Die Hoffnung von Stadtverwaltung und Gemeinderat ist, dass der lokale Online-Marktplatz zumindest eine gewisse Hilfe in diesen schweren Zeiten ist. Foto: C. Schick

In der Murrhardter Fußgängerzone ist angesichts des Lockdowns und zahlreicher geschlossener Geschäfte nicht viel los. Die Hoffnung von Stadtverwaltung und Gemeinderat ist, dass der lokale Online-Marktplatz zumindest eine gewisse Hilfe in diesen schweren Zeiten ist. Foto: C. Schick

Von Christine Schick

MURRHARDT. Fast genau zwei Jahre ist es her, dass das Projekt mit Elke Kleinknecht als Betreuerin startete: der Aufbau eines lokalen Online-Marktplatzes. Gemeinsam mit sechs weiteren Kommunen hatte die Stadt den Zuschlag im Rahmen eines landesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs erhalten und mit ihm 121000 Euro, die in die Stelle und Arbeit fließen konnten. Weitere 20 Prozent musste Murrhardt selbst beisteuern. „Damals hat noch niemand etwas von Covid-19 gewusst“, sagte Uwe Matti, Leiter des Amts für Wirtschaft, Kultur und Tourismus. „Aber jetzt wissen wir, wie wichtig solch ein Instrument für den Einzelhandel sein kann.“ Angesichts der Eckdaten und begleitenden Erhebungen zeigten sich er und Bürgermeister Armin Mößner sehr zufrieden mit dem Erreichten. In den Unterlagen der Stadtverwaltung heißt es beispielsweise, dass in der Zeit von Mitte Oktober 2019 bis Mitte Januar 2021 für die mittlerweile 34 Teilnehmer 1953 Bestellungen mit 2409 Produkten zu verzeichnen waren. Der Umsatz lag bei rund 50700 Euro. Im Vergleich zu den Mitstreitern konnte Murrhardt vor allem beim Angebot punkten. Bei den Artikeln kommt es auf beachtliche 1,7 Millionen (ein hoher Prozentsatz geht dabei auf das Angebot von Büchern zurück), auf Platz zwei kommt Weingarten mit 3662 Artikeln. Auch bei der Zahl der Bestellungen liegt Murrhardt im Vergleich vorne und führt deutlich im vierstelligen Bereich gegenüber den anderen Kommunen, die bei 450 Stück und darunter rangieren. Zwar hat die Stadt um eine Verlängerung der Förderung ersucht, da es sich aber um ein Projekt handelt, hat das Land dem eine Absage erteilt.

Der Online-Marktplatz Murrhardt schneidet bei der Produktanzahl und in puncto Bestellungen gut ab.

Die Stadt möchte die Begleitung nun weiterführen. Bürgermeister Armin Mößner machte deutlich, dass Elke Kleinknecht die zentrale Arbeit geleistet habe und eine Fortführung der Betreuung wichtig sei. „Es ist zu befürchten, dass die Mitglieder sonst aussteigen, man muss das weiter pflegen“, sagte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der das Thema beraten wurde.

Die künftig von der Stadt finanzierte 70-Prozent-Stelle soll dabei zwei weitere inhaltliche Bereiche bedienen: 20 Prozent sind für die Geschäftsführung des Stadtmarketings (seither bereits von der Stadt finanziert) vorgesehen und 50 Prozent für den Online-Marktplatz, wobei Elke Kleinknecht auch Digitalisierungsprozesse innerhalb der Verwaltung mit begleiten soll. Hintergrund ist hier, dass im Zuge des Online-Zugangsgesetzes die verschiedenen Dienstleistungen künftig auch digital angeboten werden sollen und dazu die entsprechende Aufbauarbeit zu leisten ist (Bericht folgt). „Online-Marktplatz und Stadtmarketing sind eng verbunden und profitieren voneinander. Es ist viel angestoßen worden, aber auch wichtig, dass die Arbeit weiterläuft, beispielsweise, wenn es um die künftige Wiederaufbauarbeit für die Innenstadt, den Handel und die Gastronomie geht“, sagte Mößner. Die Kompetenz Kleinknechts schätze man, von der die Stadt auch in puncto Digitalisierung von Dienstleistungen profitieren könne. Die Stelle ist zunächst für die kommenden zwei Jahre befristet, Start soll Anfang März sein.

Bei der Beratung des Themas ließen die Fraktionssprecher keinen Zweifel daran, dass sie das Engagement und die Arbeit von Elke Kleinknecht schätzen. Insofern gab es auch Stimmen, die angesichts des Auslaufens der Stelle zum Ende des Monats mahnten, eigentlich früher dran sein zu müssen, um eine qualifizierte Kraft nicht zu verlieren.

Brigitte Kübler (UL) bescheinigte dem Online-Marktplatz eine sehr gute Entwicklung. Vor zwei Jahren sei man dort noch wenig präsent gewesen, die aktuellen Zahlen seien nun umso beeindruckender. In ihnen spiegelten sich auch die Vielfalt der verschiedenen Mitstreiter wider, die aus dem Handel, aber auch dem Handwerk kämen.

Martin Stierand (MDAL/Die Grünen) teilte die Einschätzung der Verwaltung, dass die Arbeit rund um den Online-Marktplatz nun Fahrt aufgenommen hat, aber nicht abgeschlossen sei und fortgesetzt werden müsse. Dabei gehe es im Alltag der Betreuung auch viel um Beziehungsarbeit, sprich darum, ständig mit den Beteiligten in Kontakt zu sein und dies mit den Möglichkeiten der digitalen Medien zu verbinden. Elke Kleinknecht habe ihre Kompetenz und hohes Engagement gezeigt beispielsweise über die Schulungen der Teilnehmer oder das Ins-Boot-Holen von Gastronomiebetrieben und der Konzeption einer zusätzlichen Wochenmarkt-Infoseite. Mit dem Auslaufen der Förderung hieße es nun für die Mitglieder, die 30 Euro pro Monat (Gebühr für Online-Marktplatz) aufzubringen, und er hoffe, dass dies für sie auch leistbar sei. Als weitere künftige Themen regte er ein Einkaufen ohne Verpackung sowie den Brückenschlag zu den sogenannten Workspaces an, die auf dem Schweizer-Areal entstehen sollen. Angesichts dessen, dass Elke Kleinknecht nun auch ins Feld der digitalen Verwaltung und angeschlossener Dienstleistungen einsteigen soll und des baldigen Auslaufens der bisherigen Stelle, zeigte sich Martin Stierand irritiert über die sehr späte Beratung. Für die Arbeitnehmerseite sei eine Planbarkeit wichtig, ein vorausschauendes Handeln für die Arbeitgeberseite, um gute Leute zu halten. Insofern bat er darum, 2022 vor dem Hintergrund eines entsprechenden Berichts über die Zukunft der Stelle zu beraten, möglicherweise auch darüber, diese in eine unbefristete umzuwandeln.

Dem schloss sich Elisabeth Zenker (SPD) an. Natürlich bedeute dies in letzter Konsequenz höhere Personalkosten, aber auch sie befürwortete es, dass Elke Kleinknecht den Online-Marktplatz weiterbegleitet. Ebenso wichtig sei es ihr, dass sich die engagierte Mitarbeiterin angesichts des vielseitigen und vielschichtigen Aufgabenmixes nicht überfordere.

Klaus Lang (CDU/FWV) ist ebenso überzeugt, dass der Online-Marktplatz weiter betreut werden muss. „Elke Kleinknecht hat sehr gute Arbeit geleistet, das kann ich auch aus eigener Erfahrung sagen“, unterstrich Lang, der mit seiner Frau eine Parfümerie in der Fußgängerzone betreibt. Corona habe mit aller Härte die Probleme ans Tageslicht gebracht und weiter verschärft. Er gehe davon aus, dass auch in der Innenstadt noch gewaltige Umwälzungen stattfinden. Und eine Weiterführung in Eigenregie sei für die Händler und weiteren Beteiligten des Online-Marktplatzes in dieser Situation nicht möglich. Auch die CDU/FWV-Fraktion habe sich eine frühere Beratung für die Stelle gewünscht. Nicht zuletzt, da es schon einmal einen ähnlichen Fall gegeben habe.

Der Gemeinderat stimmte geschlossen für die Einrichtung der 70-Prozent-Stelle mit den drei Bereichen Online-Marktplatz, Stadtmarketing sowie Mitbegleitung des Aufbaus digitaler Verwaltungsdienstleistungen.

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Erstellt:
10. Februar 2021, 06:00 Uhr

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