Ostern: ein Fest, das Hoffnung macht
Keine leichten Zeiten für Hoffnungsträger. Trotzdem gibt es Gründe, Vertrauen in die Zukunft zu haben.
© Lichtgut/Max Kovalenko
Ein Ausdruck von Hoffnung: Osterkerze in der Stuttgarter Stiftskirche
Von Jan Sellner
Stuttgart - Die Hoffnung und alles, was mit ihr verknüpft ist und sich an sie klammert, ist gut versteckt. Nichts zu sehen von Vertrauen in die Zukunft und von Zuversicht. Manchmal scheint es, als existiere sie nicht mehr. Und anders als bei den Osternestern in unserer kleinen privaten Welt fehlt die Navigationshilfe, die einen bei der Suche nach der versteckten Hoffnung mit „Heiß!“ oder „Kalt!“ freundlich ans Ziel lotsen würde.
Glaubt man dann doch irgendwo ein Hoffnungszeichen entdeckt zu haben, treffen neue schlechte Nachrichten ein – von Krieg und Zerstörung, vom Untergang von Demokratien und dem Siegeszug der Autokraten, vom aufgeheizten Planeten – und zeigen, wie zerbrechlich alles ist, was mit Hoffnung zu tun hat. Seinen Ausdruck findet das schon in der Sprache mit dem „Fünkchen Hoffnung“ und dem „zarten Pflänzchen“, das aufkeimt. Hoffnung ist vage.
Es sieht tatsächlich so aus, als hätten wir ein Hoffnungsproblem. Die Spirale zeigt nach unten, und die Wirtschaftsdaten und die Mundwinkel vollziehen diese Richtung mit. Das Dröhnen der Kriegsschauplätze von der Ukraine über Nahost bis in den Sudan zerrt an den Nerven. Und die Unerbittlichkeit und Großmäuligkeit der Aggressoren, die das begleitet, ist kaum zu ertragen. Es verleitet dazu, Hoffnung fahren zu lassen.
In einer Situation herabstürzender Trümmer ist es nicht leicht zu glauben, dass noch Hoffnung besteht. Wer darauf beharrt, muss damit rechnen, als Gesundbeter bezeichnet, als Ostermarschierer verspottet, als Naivling beiseite geschoben oder als Christ belächelt zu werden. Und doch gibt es wenige Anlässe, die geeigneter sind, an Hoffnung zu erinnern, als gerade Ostern, das höchste christliche Fest, das wir jetzt feiern, und das ursprünglich nicht darin besteht, um Schokohasen in Goldpapier zu tanzen.
Seine Vorgeschichte ist dabei alles andere als frei von Gewalt. Jesus, der der Bibel nach die Botschaft verbreitet, dass Liebe stärker ist als Hass, und dazu ermutigt, auf Frieden zu vertrauen, kam selbst grausam zu Tode. Das Kreuz erinnert an das Leiden. Damit endet sein Projekt Hoffnung jedoch nicht. Der Tod hat darin nicht das letzte Wort, denn Ostern ist das Fest der Auferstehung und des Lebens.
Anklänge davon finden sich in einem Satz der Oscar Wilde zugeschrieben wird: „Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende“ – mit dem feinen Unterschied, dass die christliche Erzählung vom ewigen Leben kein Ende hat.
Ureigene Aufgabe der Kirchen ist es, diese Hoffnung zu verbreiten. Damit tun sie sich jedoch immer schwerer, weil viele Menschen das Vertrauen in die Institution verloren haben. „Wo die Hoffnung auf eine gute Zukunft fehlt, suchen manche Zuflucht in der Idee der ,guten alten Zeiten‘“, stellt der evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl fest und empfiehlt die Osterbotschaft als „das stärkste Gegenmittel gegen Angst und Verunsicherung“.
Wieder einmal ist es Dietrich Bonhoeffer, der von den Nazis ermordete, große Protestant, der Worte findet, um diese Hoffnung kraftvoll auszudrücken: „Nicht von der Kunst des Sterbens, sondern von der Auferstehung Christi her kann ein neuer, reinigender Wind in die gegenwärtige Welt wehen.“ Wenn ein paar Menschen dies wirklich glaubten und sich in ihrem Handeln davon bewegen ließen, „würde vieles anders werden. Von der Auferstehung her leben – das heißt doch Ostern“.
Ein neuer Wind und Menschen, die sich bewegen lassen, von der Osterbotschaft oder überhaupt vom Glauben an positive Veränderungen im Kleinen wie im Großen, auch darin liegt Hoffnung. Das gilt es hervorzukehren und nicht zu verstecken.
