Landtagswahl in Baden-Württemberg

Palmer attackiert Grüne Jugend scharf und nimmt Özdemir in Schutz

Kurz nach der Landtagswahl veröffentlicht die Grüne Jugend ein Statement, in dem sie Forderungen an Wahlsieger Cem Özdemir formuliert. Tübingens OB Boris Palmer findet das frech.

Cem Özdemir und Boris Palmer – wird Tübingens OB in der Regierung unter dem Wahlsieger eine Rolle spielen?

© IMAGO/Ulmer II

Cem Özdemir und Boris Palmer – wird Tübingens OB in der Regierung unter dem Wahlsieger eine Rolle spielen?

Von Sascha Maier

Tübingens OB Boris Palmer (parteilos) hat nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg erneut scharfe Kritik an der Grünen Jugend geübt. Auf Facebook schrieb er am Montagmorgen: „Immerhin, bis zum Wahlabend 19 Uhr haben sie geschwiegen. Man hätte denken können, sie freuen sich nun über einen unglaublichen, historischen Sieg. Pustekuchen.“

Zuvor hatte die Grüne Jugend noch am Wahlsonntag ein Statement abgegeben, in dem sie nicht nur forderte, dem Ex-Grünen Boris Palmer keine Rolle in einer von Wahlsieger Özdemir geführten Landesregierung zukommen zu lassen. Sondern sie formulierten auch einen Forderungskatalog, was Özdemir jetzt alles umzusetzen habe.

Wird Palmer in einer Özdemir-Regierung eine Rolle spielen?

Entsprechende Gerüchte, dass Palmer Aufgaben in einem Kabinett Özdemir übernehmen könnte, kursieren in der Partei schon länger. Özdemir und Palmer gelten als befreundet, Palmer fungierte bei Özdemirs Hochzeit kurz vor der Wahl als Standesbeamter.

Palmer auf Facebook weiter zu dem Statement der Nachwuchsorganisation der Grünen: „Die Grüne Jugend meint, sie könne bestimmen, was grüne Politik ist und was nicht. Sie bezweifelt, dass die Politik von Özdemir grün sei.“ Und in einer „atemberaubenden Schlussfolgerung“ verlange Sie, „dass er sich als Teil der Partei verstehen, also ihrer Auffassung beugen muss“. Sie wollten ihn „auf Linie bringen.“

Cem Özdemir könnte dieser freundlichen Aufforderung nur nachkommen, wenn er seine Wahlaussagen heute alle wieder einkassiere, schrieb Palmer. „Verbrenner verbieten, Grenzen öffnen, Abschieben stoppen. Das wäre ein Betrug an den Wählern und Baden-Württemberg und an ihm selbst.“

Boris Palmer und die Grünen befinden sich seit jeher in einem komplizierten Verhältnis. 2023 wurde ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet. Dessen Ausgang wird niemals jemand erfahren, da Palmer diesem mit einem Parteiaustritt zuvor kam. Obwohl Palmer nicht mehr bei den Grünen ist, genießt er die Gunst vieler Grüner. So gilt nicht nur Cem Özdemir als Fan des streitbaren Oberbürgermeisters, auch Noch-Ministerpräsident Winfried Kretschmann hielt immer große Stücke auf ihn.

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Erstellt:
9. März 2026, 09:04 Uhr

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