Bürokratie als Glaubensfrage
Papst ruft bei Bank an – Mitarbeiterin knallt den Hörer auf
Eigentlich will er nur seine Adresse ändern. Wie Leo XIV. nach seinem Umzug nach Rom an der Bürokratie und an einem irdischen Problem fast gescheitert wäre.
© Gregorio Borgia/AP/dpa
Auch einem Papst wird nicht jede Bitte gleich erfüllt.
Von Eberhard Wein
Nichts ist unmöglich dem, der da glaubt, sagt Jesus im Markusevangelium. Doch da ahnte er wohl noch nichts von den strengen Vorgaben von Bürokratie und Datenschutz, die es 2000 Jahre später einmal geben würde. So ist jüngst auch Gottes Stellvertreter auf Erden bei einer recht irdischen Aufgabe an seine Grenzen gestoßen.
Wie Reverend Tom McCarthy, ein enger Freund von Papst Leo XIV., vergangene Woche bei einer Versammlung von Katholiken in Naperville im US-Bundesstaat Illinois berichtete, hatte der Papst zwei Monate nach seiner Wahl die Kontaktdaten seines Privatkontos ändern lassen wollen. Dazu rief er bei seiner Bank im Süden von Chicago an, meldete sich mit seinem bürgerlichen Namen Robert Prevost und beantwortete die obligatorischen Sicherheitsfragen.
„Da müssen Sie schon persönlich kommen“
Doch obwohl alle Angaben stimmten, sei die Mitarbeiterin am Telefon trotzdem nicht zufrieden gewesen, erzählt McCarthy in einem bereits tausendfach geteilten Tiktok-Clip. Sie könne auf dieser Grundlage die Änderung der hinterlegten Telefonnummer und der Adresse leider nicht vornehmen. Dazu müsse er schon persönlich in der Bank erscheinen.
@cocodee0719 Fr Tom McCarthy, Augustinian and friend of Pope Leo, Fishers of Men Conference, Naperville, IL | 29 April 2026 #popeleo#popeleoxiv#robertprevost#catholic♬ original sound - ✨NICOLE✨
Der längst nach Rom verzogene Papst reagierte geduldig. „Nun, das werde ich nicht tun können“, habe er geantwortet und hatte eine Idee. „Würde es denn einen Unterschied machen, wenn ich Ihnen sage, dass ich Papst Leo bin?“ Doch die Frau fand das nicht. Sie fühlte sich verschaukelt – und legte auf. „Wollen Sie als die Frau bekannt werden, die dem Papst den Hörer aufgeknallt hat?“, kommentierte McCarthy unter dem Schmunzeln seiner Zuhörer.
Das Problem ließ sich laut dem Kirchenmann mittlerweile durch einen befreundeten Pfarrer regeln, der über Kontakte in die Chefetage der Bank verfügte. Nein, natürlich wolle man den Papst als Kunden nicht verlieren, hieß es. „Dann ändern Sie bitte, bitte die Telefonnummer.“ So geschah es doch noch, wie in den Psalmen prophezeit: Der Herr erhört mein Flehen, mein Gebet nimmt er an.
