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„Platz im ersten Drittel bleibt das Ziel“

Das Interview: Für Joannis Koukoutrigas ist der große Umbruch nach dem Abstieg die Hauptursache für den schwachen SG-Start. Großaspachs Sportdirektor sieht im Kader genügend Qualität, um in der Fußball-Regionalliga eine gute Rolle zu spielen.

Joannis Koukoutrigas hatte bei den Auftritten seiner Elf in dieser Saison oft Grund zur Skepsis. Dennoch schaut Großaspachs Sportdirektor durchaus zuversichtlich auf die weitere Runde. In seinen Augen ist der Kader stark genug, um in der Tabelle ins erste Drittel hochzuklettern.  Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Joannis Koukoutrigas hatte bei den Auftritten seiner Elf in dieser Saison oft Grund zur Skepsis. Dennoch schaut Großaspachs Sportdirektor durchaus zuversichtlich auf die weitere Runde. In seinen Augen ist der Kader stark genug, um in der Tabelle ins erste Drittel hochzuklettern. Foto: T. Sellmaier

Von Uwe Flegel

Zehn der geplanten 42 Spiele haben Großaspachs Fußballer in der Regionalliga hinter sich. Die mäßige Bilanz: drei Siege, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen. Die Elf von Trainer Hans-Jürgen Boysen rangiert damit auf Rang 19, einem Abstiegsplatz. Zufrieden ist beim Ex-Drittligisten aus dem Fautenhau damit keiner, von Panik ist die SG Sonnenhof dennoch weit entfernt. Sportdirektor Joannis Koukoutrigas verweist gegenüber unserer Zeitung darauf, dass die Startprobleme wegen der völlig neu formierten Mannschaft nicht gänzlich unerwartet kamen. Das Vorstandsmitglied bleibt aber dabei, dass der Kader stark genug ist, um in der Liga eine deutlich bessere Rolle als bislang zu spielen. Sein Optimismus ist in der Hinsicht jedenfalls deutlich größer als bei der Frage, ob das Mammutprogramm mit noch 32 ausstehenden Partien angesichts der Zwangspause wegen des Coronavirus überhaupt zu bewältigen ist.

Herr Koukoutrigas, nicht ganz ein Viertel der Saison ist vorbei. Wie fällt die erste Zwischenbilanz aus?

Wir wussten von Anfang an, dass wir erst mal ankommen müssen. Nach dem Abstieg mussten wir ja zunächst einen völlig neuen Kader zusammenstellen und es war klar, dass es Zeit brauchen wird, bis wir wieder eine Einheit auf den Platz bekommen. Aber gerade im Fußball gibt’s eigentlich keine Zeit. Erst recht nicht in Zeiten von Corona. Wir mussten zum Beispiel sofort im Spielmodus sein. Gerade was den WFV-Pokal betrifft, standen da doch noch der Wettbewerb der vergangenen Saison mit den Spielen in Stuttgart und Ulm sowie der neue Wettbewerb mit drei Runden und dem bitteren Aus in Freiberg an. Dadurch war eigentlich nur das Testspiel gegen die Stuttgarter Kickers möglich. Es war einfach viel zu wenig Zeit, um sich bestmöglich vorzubereiten.

Das Ergebnis sind elf Punkte nach zehn Spielen und Rang 19. Das ist trotz all der Probleme ein bisschen arg mager, oder?

Ja. Die Erwartung war natürlich eine ganz andere und ist es noch. Ich bleibe dabei, dass der Kader auch nach wie vor stark genug ist, um das umzusetzen, was wir erreichen wollen. Das ist ein Platz im ersten Drittel. Das war unser Ziel und das verfolgen wir bis zum Schluss. Deshalb können wir mit dem momentanen Rang 19 auch nicht zufrieden sein.

Wo hat es zu Beginn am meisten geklemmt, an der Abstimmung, an der Fitness? Die ohnehin kurze Vorbereitung verlief ja nicht bei allen Spielern optimal.

Eigentlich war’s von allem ein bisschen was. Gerade auch bei der Abstimmung, weil sich die Jungs erst ein paar Tage kennengelernt hatten, bevor es bereits mit den Pflichtspielen losging. Bei der Fitness muss man berücksichtigen, dass zwar die Dritte Liga fast durchgespielt hat, die Regional- sowie Oberliga dagegen Anfang März komplett abgebrochen worden ist. Wir haben bekanntlich einige Jungs aus diesen Klassen dazubekommen und die hatten deshalb zum Beispiel sechs Monate kein geregeltes Training. Das hat dann sicherlich alles eine entsprechende Rolle gespielt.

Auffällig ist, dass die Mannschaft leicht ins Schwimmen gerät, sobald es irgendeinen Rückschlag gibt. Selbst gegen Schlusslicht Stadtallendorf wurde es noch einmal eng.

So etwas ist immer mit Erfolg und Misserfolg sowie mit Selbstvertrauen verbunden. Wir haben einen Abstieg hinter uns, der bekanntlich mit sehr vielen Niederlagen einherging. Das nagt am Selbstbewusstsein und der Kopf spielt im Fußball eine wichtige Rolle. Hinzu kommt der riesige Umbruch, obwohl wir von der Dritten Liga bereits große Umbrüche gewohnt waren und wissen, dass sich die vielen Neuen erst einmal akklimatisieren und eingewöhnen müssen. Großaspach ist nun mal Großaspach und keine Großstadt wie Köln oder München. Wichtig ist, dass die Jungs Aspach, unseren Dorfklub und unsere Verhältnisse annehmen, dass sie ein Wirgefühl entwickeln und das Miteinander eben passt.

Heißt, dass es daran in der Vorsaison haperte?

Wir haben sicher Fehler gemacht, so ein Abstieg kommt nicht von ungefähr. Das Wirgefühl war im Vergleich zu vorigen Jahren einfach nicht mehr ganz so ausgeprägt. Deshalb versuchen wir nun, zurückzukehren zu den Werten, für die wir stehen. Das heißt, für den anderen da zu sein – auf und neben dem Platz. Daran arbeiten wir. Deshalb versuchen wir wieder verstärkt, Spieler aus der Region zu holen, die sich noch mehr mit der SG identifizieren und uns nicht nur als Sprungbrett sehen. Da spielt auch die Aus- und Fortbildung neben dem Platz eine Rolle, die wir mit vielen Unternehmenspartnern in weiterentwickelter Form wieder voll und ganz umsetzen.

Nun deuten die sieben Punkte aus den drei Spielen vor der Zwangspause einen Aufwärtstrend an. Kommt die Unterbrechung zur falschen Zeit, oder ist sie gut, um das eine oder andere weiterhin vorhandene Defizit zu beheben und verletzte Spieler wie Georgios Pintidis und Mo Diakite wieder ranzuführen?

Natürlich ist es gut, wenn wir mehr Zeit haben, um Verletzte wieder ins Mannschaftstraining einzugliedern. Aber es ist halt auch so, dass wir danach noch mehr englische Wochen haben werden. Die Belastung wird brutal hoch sein und dafür müssen wir gewappnet sein. Man sieht jetzt schon in den ersten drei Ligen, wie viele Verletzungen dazukommen, weil die Jungs eine zu hohe Belastung hatten und haben. Wenn die Spieler über längere Zeit alle drei Tage ranmüssen, dann macht sich das einfach bemerkbar. Deshalb wäre es mir lieber gewesen, wir hätten weiterspielen können.

Gibt’s bereits Positionen, auf denen im Winter definitiv noch mal nachgelegt wird, oder liegt wegen Corona gerade alles auf Eis?

Ich betone stets, dass wir nicht nur diese Saison planen, sondern weitsichtig agieren und auch die kommende Runde schon im Blick haben müssen. Eins ist deshalb klar, wenn wir die Möglichkeit haben, einen richtig guten Spieler zu bekommen, der finanzierbar ist und Lust auf den Dorfklub hat, dann legen wir sicher nach. Wir versuchen immer, den Kader punktuell und langfristig von der Qualität her zu verbessern.

Auf der anderen Seite gibt es mit Marvin Cuni einen jungen Spieler, der mit sieben Toren in den zehn Partien positiv auf sich aufmerksam gemacht hat. Könnte es passieren, dass man ihn in der Winterpause abgeben muss?

Marvin ist bekanntlich vom FC Bayern München ausgeliehen und es ist vertraglich ganz klar geregelt, dass er auf jeden Fall die gesamte Saison bei uns bleibt. Mit Marvin gab es ja schon Anfang des Jahres Gespräche, da waren wir noch Drittligist. Deshalb sind wir entsprechend froh, dass wir ihn bekommen haben. Schließlich wissen wir genau, welche Fähigkeiten er hat, aber auch, woran er noch arbeiten muss, damit er nächste Saison beim FC Bayern München im Herrenbereich Fuß fassen kann.

Wagen wir einen Blick in die nahe Zukunft. Wie und wann geht es nach der Coronapause weiter, ist dieses Mammutprogramm mit nun noch 32 Spielen überhaupt zu schaffen? Ist es gar vorstellbar, dass nur eine Vorrunde gespielt wird und die Auf- sowie Absteiger danach in sogenannten Play-offs und Play-downs ermittelt werden?

Wir haben heute mit dem Verband und den anderen Vereinen eine Videokonferenz, wo dies thematisiert werden soll. Klar ist aber doch bereits jetzt: Geht es im Dezember nicht weiter, dann wird es brutal schwer, diese 32 Pflichtspiele noch zu absolvieren. Einige Vereine sind im Gegensatz zu uns ja auch im Landespokal noch vertreten. Die haben bis zu 35 Spiele und wir wissen nicht, wie der Winter in diesem Jahr ausfallen wird. In der Regionalliga haben zum Beispiel nicht viele Vereine einen Platz mit Rasenheizung, da ist der eine oder andere Spielausfall vorprogrammiert. Andererseits hat der Verband das letzte Spiel auf den 12. Juni terminiert. Da muss man schauen, ob man nicht sagt, dass bis zum 30. Juni gespielt wird. Klar ist, dass es auf jeden Fall schwierig wird.

Zumal sich die Vereine uneinig sind. Haben Sie Verständnis, wenn sich Klubs wie jetzt gerade Kickers Offenbach und der FC Bayern Alzenau öffentlich zoffen?

Ich bin kein Freund davon, nur eigene Vereinsinteressen im Blick zu haben. Solche Dinge sollten zunächst einmal die Klubs intern und mit dem Verband besprechen. Gerne mit klaren Worten. Am Ende sollten aber alle mit der gleichen Sprachregelung nach außen gehen, ansonsten gibt es nur Verlierer.

Zum Abschluss noch ein Tipp. Wird die Runde komplett durchgezogen und wo landet die SG Sonnenhof Großaspach am Ende?

Ich hoffe, dass die Runde komplett durchgezogen wird. Es wäre schade, wenn das nicht gelingt. Was uns anbelangt, bleibt es bei dem, was ich vor der Saison gesagt habe. Wir wollen unbedingt ins erste Tabellendrittel kommen, ansonsten haben wir unser Ziel verfehlt. Klar kann man jetzt sagen, der spinnt, die liegen gerade mal auf Rang 19. Wir haben allerdings auch zwei Spiele weniger als die meisten Konkurrenten. Gewinnen wir diese Partien, können wir bis auf Platz acht klettern. Dann sagt keiner, wir sind schlecht gestartet. Darauf müssen wir uns vorbereiten und hierzu trägt auch der Dorfklubklassiker am morgigen Samstag bei.

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Erstellt:
13. November 2020, 06:00 Uhr

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