Straße von Hormus
Preisschock bei Gas und Strom?
Die Gaspreise im Großhandel sind wegen Iran stark gestiegen. Nun tickt die Uhr für Strom- und Gaskunden. Gleichzeitig gibt es Gerüchte um einen möglichen Waffenstillstand.
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LNG-Tanker vor Rügen.
Von Michael U. Maier/dpa
Im europäischen Großhandel sind die Erdgaspreise nach Beginn des Iran-Krieges stark gestiegen. Werden deshalb auch Strom und Gas für die Haushalte wieder teurer?
Im späten Dienstaghandel sorgte eine Ankündigung von US-Präsident Donald Trump zunächst für leicht sinkende Energiepreise. Demnach wird die US-Marine Tankschiffe bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus - falls erforderlich - eskortieren. Trump hat zudem eine Behörde angewiesen, Risikoversicherungen und Garantien für den gesamten Seehandel in der Region anzubieten.
New York Times berichtet über möglichen Waffenstillstand
Die New York Times hatte zudem exklusiv über einen möglichen Waffenstillstand berichtet. Iranische Geheimdienste sollen über ein Drittland Kontakt mit den USA aufgenommen haben. Völlig unklar ist allerdings, ob die vollmundigen Trump-Ankündigungen ausreichen, um die Märkte zu beruhigen, falls sich die Berichte nicht bestätigen sollten.
Die Energiewirtschaft hält sich mit genaueren Prognosen indes zurück. „Ob und wie sich die aktuellen Entwicklungen an den Großhandelsmärkten auf Verbraucherpreise für Strom und Gas auswirken, lässt sich pauschal nicht beantworten“, heißt es etwa beim Verband BDEW.
Dies hänge von den Beschaffungs- und Absicherungsstrategien der jeweiligen Lieferanten und von den Verträgen der Endkunden ab. „Im Allgemeinen sind jedoch die Endkundenpreise für Strom und Gas bei den meisten Lieferanten auf längere Zeit im Voraus fixiert und an den Terminmärkten abgesichert.“
TTF-Gaspreis verdoppelt
Der Iran hatte auf die Angriffe durch die USA und Israel mit Gegenangriffen reagiert. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, ein Nadelöhr des weltweiten Energiehandels, kam zum Erliegen. Dies hatte zu Beginn der Woche einen Preissprung an der für Europa wichtigen niederländischen Börse TTF in Amsterdam ausgelöst.
Hinzu kam, dass das katarische Öl- und Gasunternehmen Qatar Energy nach Angriffen auf Betriebsanlagen in zwei Städten die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) eingestellt hat. Katar ist einer der weltweit wichtigsten LNG-Produzenten. Durch die Straße von Hormus werden etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert. Es stammt primär aus Katar.
66 Euro für die Megawattstunde Gas
Am Dienstag war der Preis für eine Megawattstunde Erdgas, das im April geliefert werden soll, zeitweise auf fast 66 Euro geklettert, den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren. Am Freitag - vor Ausbruch des Krieges - war er noch mit knapp 32 Euro ins Wochenende gegangen.
Wie lange bleibt die Straße von Hormus gesperrt?
Am Mittwoch gingen die Preise zurück - am späten Nachmittag kostete die Megawattstunde rund 50 Euro, was aber immer noch gut 56 Prozent über dem Freitagspreis lag.
Doch wie geht es weiter? „Das wichtigste weltweit ist: Wie lange dauert die Schließung?“, sagt der Gasmarktexperte Andreas Schröder vom Analysehaus ICIS. „Sollte der Konflikt morgen vorbei sein, dann können wir das fast vernachlässigen, weil Haushaltskunden meistens Einjahresverträge haben.“ Aber wenn der Konflikt jetzt länger dauere, dann würden auch für sie nächstes Jahr die Gaspreise steigen.
Gasspeicher-Probleme für 2026/2027
Nach ICIS-Berechnungen würde eine vierwöchige Blockade der Straße von Hormus die TTF-Preise noch im März auf 60 Euro je Megawattstunde steigen lassen. Auch die Sommerpreise lägen dauerhaft 20 Prozent über den Vorkriegs-Preisen. Eine dreimonatige Schließung könnte der Prognose zufolge sogar Preise von 85 Euro bedeuten.
Schröder verwies noch auf einen weiteren Effekt: Teures LNG werde zu einer stärkeren Entleerung der europäischen Gasspeicher führen, was wiederum einen höheren Einspeicherbedarf im Sommer bedeute. Er hält es allerdings für möglich, dass die Politik die verpflichtenden Einspeichermengen verringert, um den Preisdruck zu mindern.
Aktuell kein Gas-Engpass
Der Preis ist das eine, die Versorgung mit Gas das andere. Drohen Engpässe? Nein, sagt die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. „Direkte Auswirkungen auf die physische Gasversorgung in Deutschland sind nach aktueller Einschätzung nicht zu erwarten.“ Neben Gasspeichern und der heimischen Förderung werde die deutsche Versorgung durch Importe via Pipeline vor allem aus Norwegen sowie LNG-Importe aus einer Reihe von Ländern gesichert.
