Promise Nkwachukwu: Der Helfer mit Herz zwischen zwei Welten

Seit elf Jahren engagiert sich der 43-Jährige bei der Spvgg Kleinaspach/Allmersbach als ehrenamtlicher Jugendtrainer. Zudem hat er eine Stiftung gegründet, mit der er in seinem Geburtsland Nigeria kostenlose Fußballcamps für Jungs und Mädels organisiert.

Trikots aus Kleinaspach sind in Nigeria begehrt. Promise Nkwachukwu (mit Brille) verteilt sie an Kinder und Jugendliche, die er mithilfe von Fußballcamps von der Straße holt. Foto: privat

© Kristin Doberer

Trikots aus Kleinaspach sind in Nigeria begehrt. Promise Nkwachukwu (mit Brille) verteilt sie an Kinder und Jugendliche, die er mithilfe von Fußballcamps von der Straße holt. Foto: privat

Von Uwe Flegel

„Ich will einfach etwas zurückgeben“, erklärt Promise Nkwachukwu sein Engagement. Damit spricht der 43-Jährige zwar auch von seiner Tätigkeit als Jugendtrainer bei den Fußballern der Spvgg Kleinaspach/Allmersbach, vor allem aber hat er seine Hilfsorganisation Promi Child’s Aid Foundation im Blick. Mit der unterstützt er Kinder und Jugendliche in Nigeria. Seit ein paar Jahren bereits fliegt er zweimal im Jahr in den Süden seines Heimatlands und trainiert dort jeweils vier bis sechs Wochen an Schulen sowohl Jungs als auch Mädels.

Im Gepäck dabei hat er meist Trikots, den einen oder anderen Ball, Kugelschreiber oder Schreibhefte, die er an die Kids verteilt. Unterstützt wird er dabei sehr stark von der Spvgg. Deren Vorsitzender Thomas Uebele erzählt: „Wir sammeln zum Beispiel Trikots bei unseren Spielerinnen sowie Spielern, die denen zu klein geworden sind, und wir schauen, welche Trikotsätze wir selbst zwar ausmustern, die aber noch gut erhalten sind.“ Manchmal kommt so viel zusammen, dass „ich es vorab nach Afrika schicke, weil ich nicht alles mitnehmen kann“, erzählt Promise Nkwachukwu.

Das sind dann Momente des Glücks für ihn, denn die Hilfe an den Schulen im Bundesstaat Rivers ist ihm ein Herzensanliegen. „Für Kinder in Nigeria ist der Alltag schwierig. Für sie will ich etwas tun. Das kann ich mithilfe des Fußballs.“ Mit Sport gelinge es, den Jungs und Mädels eine Aufgabe und ein Ziel zu geben, sie zu beschäftigen, erklärt der Aspacher und sagt: „Wir bringen sie von der Straße weg und schützen sie dadurch vor schlechten Einflüssen.“

Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das er da ins Leben gerufen hat und das seit zwei Jahren eine offizielle Stiftung ist. Eine, für die er persönlich viel auf sich nimmt. Für die zweimal vier bis sechs Wochen zum Beispiel opfert der 43-Jährige seinen Jahresurlaub und macht Überstunden, die dann mit sogenannter Freizeit ausgeglichen werden. „Ich arbeite in einem Reifen- und Autoservice“, erzählt Promise Nkwachukwu und sagt: „Bei der Reifenmontage gibt es im Frühjahr und Herbst stets Stoßzeiten, da arbeite ich dann mehr.“ Dafür kommt ihm sein Chef in Sachen Urlaub für den Einsatz in Afrika entgegen. „Er gibt mir Rückendeckung für das Engagement“, ist Nkwachukwu froh. Überhaupt bekomme er außer von der Spvgg Kleinaspach/Allmersbach auch von anderer Seite Unterstützung. Denn neben den Fußballcamps an Schulen stiftet er Kinderheimen wichtige Lebensmittel wie Reis. Finanziert wird das von einem Teil seines Lohns und „von ein paar Leuten hier in Deutschland, die dafür Geld spenden“.

Wenn er all das erzählt, dann strahlen seine Augen. Das liegt zum einen daran, dass er einfach ein fröhlicher Mensch ist. Zum anderen ist es die Freude, in der alten Heimat Gutes tun zu können. Dabei hat er in Nigeria selbst schon Fürchterliches erlebt. „Mein Vater ist bei einem Bombenanschlag der Terrororganisation Boko Haram in einer Kirche ums Leben gekommen“, erzählt Nkwachukwu und das Lachen verschwindet. 13 Jahre ist das schreckliche Ereignis her. Die Mutter drängte ihn, das Land zu verlassen. Nach dem Mann wollte sie nicht auch noch das einzige Kind verlieren. Sie selbst ist mit Unterstützung des Sohns mittlerweile vom unsicheren Norden in den Süden des Landes übergesiedelt.

Seit elf Jahren nun bei der Spvgg als Betreuer im Einsatz

Promise Nkwachukwu wiederum kam 2012 in Deutschland an, lebte kurze Zeit in Winnenden und wurde dann in Aspach rasch heimisch. „Ich habe zunächst bei der Gemeinde im Grünzug mitgearbeitet und wenn wir an der Schule, auf Spielplätzen oder im Kindergarten beschäftigt waren, kamen oft Kinder auf mich zu. Ihnen hat es Spaß gemacht, mit mir Fußball zu spielen.“ Es dauerte nicht lange, bis Ralf Schlipf von der Spvgg davon Wind bekam. Er rief den bei der Dorfjugend so beliebten Mann an und fragte, ob er nicht als Trainer mithelfen wolle. Promise Nkwachukwu wollte und ist nun seit 2013 einer der Betreuer der Kleinaspacher Jugendfußballer. Es mache ihm mit den Kids einfach Spaß und denen mit ihm offensichtlich auch, derzeit im Bereich der E-Juniorinnen. „Beim letzten Mal hatte ich 23 Mädchen im Training“, erzählt er.

Thomas Uebele ist anzusehen, dass er sich freut, einen solch engagierten Ehrenamtlichen im Klub zu haben. Deshalb bemühen sich er und der gesamte Verein, ihren Trainer und dessen Hilfsorganisation zu unterstützen. Und der Vorsitzende hofft, dass vielleicht auch der eine oder andere Nachbarverein oder sonstige Gönner auf die Stiftung aufmerksam wird und ebenfalls etwas dazugibt. Auch weil er wie Promise Nkwachukwu ein sehr großes Ziel hat: „Unser Traum ist, dass wir irgendwann einmal dort unten eine Art Halle bauen können, die dann zu einem Anlaufzentrum wird für die Kinder und Jugendlichen. Ein Ort, an dem sie in Ruhe und geschützt Fußball spielen, lernen und all solche Dinge machen können.“ Eine Stätte, an der sein aus Nigeria stammender Coach etwas zurück- und vor allem Zukunftschancen geben kann.

Weitere Informationen zu der Arbeit und zu der Stiftung gibt es auf Facebook unter Promichildsaidfoundation.

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Erstellt:
18. April 2024, 11:30 Uhr

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