Iran-Konflikt
Reisewarnung für Dubai und Mekka: AA setzt auf „Eigenverantwortung“
Schizophrenie in der Bundesregierung? Das Auswärtige Amt hat die Reisewarnung für Dubai und andere Golfstaaten aufgehoben – und rät trotzdem dringend von Reisen ab.
© Altaf Qadri/AP/dpa
Dubai bei Nacht.
Von Michael Maier
Flammt der Krieg in Nahost wieder auf? Und wenn ja: Wer trägt die Verantwortung dafür, dass Deutsche vielleicht trotzdem am Persischen Golf zwischenlanden oder gar Urlaub machen? Das Auswärtige Amt hat eine bemerkenswert bequeme Antwort auf diese Frage gefunden.
Am 8. April 2026 wurde eine Waffenruhe bekannt gegeben, die das Ministerium zum Anlass nahm, die formale Reisewarnung für einige Länder am Persischen Golf zum 30. April still und leise zu streichen.
Trotz Iran-Krieg keine Reisewarnungen mehr
Seit Ende Februar 2026 stehen die Vereinigten Arabischen Emirate und ihre Nachbarn jedoch im Schatten militärischer Auseinandersetzungen. Nachdem USA und Israel in Konflikt mit Iran geraten waren, kam es in der gesamten Region zu Angriffen auf zivile Einrichtungen, darunter Hotels, Flughäfen und Wohngebäude.
Kaum war die Tinte unter der Aufhebung der Reisewarnung Ende April wieder trocken, berichteten Nachrichtenagenturen von neuen Angriffen in der Straße von Hormus mitsamt Dubai. Die Waffenruhe wankt. Die Reisewarnung ist trotzdem weg – und soll vorerst auch nicht wieder aktiviert werden, gibt das Auswärtige Amt zu verstehen.
Aufgehobene Reisewarnungen in Nahost
- Bahrain
- Jordanien
- Katar
- Oman
- Saudi-Arabien
- Vereinigte Arabische Emirate
Für Kuwait und den Irak gilt dagegen weiterhin eine offizielle Reisewarnung – ebenso wie für Israel und den Libanon oder etwa Syrien.
Ohne Reisewarnung keine kostenlose Stornierung
Der Unterschied zwischen einer formalen Reisewarnung und einem dringenden Abraten von Reisen klingt technisch, hat aber handfeste Folgen. Während eine Reisewarnung Reisenden unter Umständen das kostenlose Stornieren gebuchter Reisen ermöglicht, greift dieser Mechanismus andernfalls nicht automatisch. Wer jetzt seine Dubai-Buchung stornieren will, bleibt möglicherweise auf den Kosten sitzen. Das Auswärtige Amt hingegen hat sich sozusagen elegant aus der Schusslinie manövriert.
Aus dem Ministerium von Merz-Intimus Johann Wadephul (CDU) heißt es auf Anfrage, man überprüfe die Hinweise fortlaufend und passe sie lageabhängig an. Gleichzeitig bleibt die Aussage im Netz unmissverständlich: Von Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate wird dringend abgeraten. Die Sicherheitslage in der Region sei höchst volatil, eine erneute Verschärfung einschließlich erheblicher Einschränkungen des Flugverkehrs könne nicht ausgeschlossen werden.
Keine neue Eilmeldung für Dubai – gefährliche Pilgerfahrt nach Mekka
Auf die Frage, warum die Warnung trotz kritischer Lage aufgehoben wurde und ob nach den jüngsten Ereignissen womöglich eine neue Eilmeldung folgen könnte, gibt das Pressereferat eine knappe Antwort: Die Waffenruhe vom 8. April habe grundsätzlich Bestand, weshalb man die Warnung am 30. April zurückgezogen habe.
Die entscheidende Aussage kommt dann eher unscheinbar daher: Die Entscheidung über die Durchführung einer Reise obliege allein der Verantwortung der Reisenden. Das Problem stellt sich im Übrigen auch für die Ende Mai anstehende Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch).
Ahnungsloser Außenminister Johann Wadephul?
Eine interessante Formulierung für das, was es mit sich bringt: Das Ministerium wäscht sich die Hände in Unschuld. „Informiert, gemahnt, dringend abgeraten“. Den Rest muss sich jeder selbst überlegen.
Fragt sich nur, wofür es „Reisewarnungen“ dann überhaupt noch braucht. Schon Ende Februar und Anfang März war Johann Wadephul wegen eines Verwirrspiels um deutsche Reisewarnungen in die Kritik geraten und musste sich später für falsche Behauptungen in der ARD-Talkshow Caren Miosga entschuldigen.
Vorsicht mit Fotos und Videos aus Dubai
Wer nun trotzdem Richtung Dubai, Doha oder Mekka fliegen will, sollte sich jedenfalls in der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts registrieren, Mobiltelefone jederzeit aufgeladen halten und größere Menschenansammlungen konsequent meiden.
Wichtig: Das Fotografieren und Filmen im Zusammenhang mit militärischen Auseinandersetzungen ist in den Emiraten streng verboten und wird von den Behörden konsequent strafrechtlich verfolgt, auch mit dem Smartphone vom Hotelbalkon. Einige Influencer wurden bereits inhaftiert. Auch in Saudi-Arabien gelten zum Teil sehr strenge Regeln, die unbedingt zu beachten sind.
