Firma in Waldenbuch muss sparen

Ritter Sport baut 70 Stellen ab

Nach vielen Jahren des Wachstums hat der Schokoladenhersteller Ritter Sport mit stark gestiegenen Kosten und schwindendem Absatz zu kämpfen. Deshalb zieht er die Reißleine.

In der Verwaltung am Stammsitz von Ritter Sport in Waldenbuch muss gespart werden.

© Ritter Sport

In der Verwaltung am Stammsitz von Ritter Sport in Waldenbuch muss gespart werden.

Von Alexander Ikrat

Seit 114 Jahren gibt es die Firma, die heute Alfred Ritter GmbH & Co. KG heißt. Von 1912 bis 1930 stellte sie zunächst in Bad Cannstatt Zuckerwaren und dann auch Schokolade her, danach am heutigen Firmensitz in Waldenbuch. Um diese Zeit entstand die Idee der mittlerweile ikonschen Quadrate, als die Schokotafeln der Marke Ritter Sport fortan nicht nur in Deutschland Karriere machten.

Auch in den vergangenen Jahren kannte die Geschäftsentwicklung immer nur eine Richtung – nach oben. Seit 2013 betreibt das Unternehmen sogar eine eigene Kakaoplantage in Nicaragua, aktuell wird eine Haselnussfarm in Frankreich aufgebaut. Weltweit hat Ritter Sport etwa 1900 Beschäftigte. An einen Stellenabbau war bisher nicht zu denken. Bis zum Jahr 2026.

Ritter Sport kämpft mit allen möglichen Kosten

In den letzten Jahren sind insbesondere die Preise für Kakao, Energie, Logistik und Verpackung deutlich gestiegen“, hatte CEO Andreas Ronken schon vor einigen Wochen zum Betriebsergebnis 2025 gesagt. Und: „Diese Kosteninflation wirkt sich zeitverzögert und mit voller Wucht auf das Ergebnis aus“. Bereits 2024 sei das Ergebnis unter Druck, aber noch positiv gewesen, hieß es Ende Januar. 2025 kletterte der Umsatz dann um rund 17,7 Prozent auf 712 Millionen Euro – nach 605 Millionen Euro im Jahr zuvor. Es handelt sich um vorläufige und um Wechselkurseffekte bereinigte Zahlen.

Dennoch lief das Ergebnis im vergangenen Jahr ins Minus. Wie sehr, bezifferte das Familienunternehmen nicht. Das Umsatzplus habe die „massiven Kostensteigerungen“ entlang der gesamten Wertschöpfungskette einfach nicht wettmachen können. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben zwar ebenfalls die Preise für die quadratischen Schokoladentafeln erhöht. Die Kosten hätten aber nur teilweise an den Handel weitergeben werden könne. Jetzt hat die Entwicklung Konsequenzen.

Etwa 1000 Menschen arbeiten bei Ritter Sport in Waldenbuch, davon mehr als 600 in der Verwaltung. Bei diesen werden nun rund 70 Stellen abgebaut, berichtete am Donnerstag zuerst die „Lebensmittelzeitung“. Das bestätigt Firmensprecher Thomas Seeger: „Der Schritt fällt uns schwer, aber es geht nicht mehr anders. Wir wollen als Familienunternehmen handlungsfähig bleiben.“ Mit dem weltweiten Wachstum sei auch die Verwaltung gewachsen – und hier wird jetzt der Rotstift angesetzt.

Ritter Sport musste den Kakao noch teuer einkaufen

Zwar sind die Weltmarktpreise für Rohkakao inzwischen wieder deutlich gefallen, von Dezember 2024 bis zum Frühjahr 2025 hatten sie sich aber infolge von Missernten in Westafrika auf rund 12.000 Euro pro Tonne mehr als vervierfacht. „Da wir uns längerfristig eindecken, verarbeiten wir heute noch Schokolade, die wir zu höheren Preisen eingekauft haben“, gibt Seeger einen Einblick. Die Herkunft des Rohstoffes sei bei Ritter Sport nachvollziehbar und der Kakao sei zertifiziert. Wichtige Punkte, die auch Kosten nach sich zögen. „Und wir haben ausschließlich Schokolade, da schlagen solche Entwicklungen voll durch“, sagt Thomas Seeger.

Dazu kommen die stark gestiegenen Energiekosten, die sich auch besonders bemerkbar machten, wenn etwa eine gefüllte Schokolade in den einzelnen Produktionsschritten dreimal erhitzt und dreimal gekühlt werden müsse. „Schokoladenproduktion ist eben ein Energiefresser“, so Seeger. Die Preise für die Verpackungen hätten ebenfalls ordentlich angezogen.

Die Kunden kaufen auch von Ritter Sport weniger Schokolade

Eben die Preiserhöhungen in vielen Lebensbereichen sind es, die bei der Kundschaft Kaufzurückhaltung ausgelöst hätten. Eine Tafel Schokolade war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen März im Schnitt 71 Prozent teurer als 2020. Das einstige Luxusprodukt Schokolade lassen viele Konsumentinnen und Konsumenten zuletzt offenbar öfter links liegen, weshalb auch der Absatz bei Ritter Sport zurückgegangen sei. Den Rückgang will Thomas Seeger nicht näher beziffern, aber klar sei: „Das alles zusammen setzt uns besonders zu.“

Ritter Sport bedient sich einer Transfergesellschaft, die die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufnimmt. Hier kann der Lohn bis zu einem Jahr weiterbezahlt werden, hier gibt es Weiterqualifizierung und Unterstützung bei der Jobsuche. „Wir wollen das so sozialverträglich wie möglich machen“, sagt Seeger, „aber wir müssen als Unternehmen handlungsfähig bleiben.“ Letztlich könne die Firma allerdings auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen. Es wäre das erste Mal in 114 Jahren Firmengeschichte.

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Erstellt:
23. April 2026, 11:58 Uhr
Aktualisiert:
23. April 2026, 12:56 Uhr

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