„Narelle“

Roter Himmel durch tödlichen Tropensturm über Australien

Ein gefärbter Himmel über Australien wirkt wie Science Fiction, ist aber bittere Realität. Der Zyklon „Narelle“ brachte massive Zerstörung an Land und im Meer (mit Karte).

Verwüstete Küstenlandschaft in Australien.

© IMAGO/AAP

Verwüstete Küstenlandschaft in Australien.

Von Markus Brauer, mic

Es wirkt wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film oder Bilder direkt vom Mars: In Westaustralien färbte sich der Himmel in ein tiefes, unheimliches Blutrot.

Auslöser für dieses surreale Naturschauspiel war der tropische Zyklon Narelle, der eine Spur der Verwüstung über den Kontinent zog. Doch hinter den Bildern verbirgt sich eine handfeste ökologische und wirtschaftliche Krise, die durch den Klimawandel weiter befeuert wird.

Blutroter Himmel über Australien

Das Phänomen des roten Himmels lässt sich physikalisch erklären. Bevor der Sturm auf Land traf, wirbelte er riesige Mengen an trockener, eisenhaltiger Erde aus dem Outback auf. Dieser feine, rötliche Staub enthält viel Eisenoxid, also Rost.

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Wenn diese großen Partikel in der Luft schweben, wirken sie wie ein Filter: Sie blockieren die blauen und grünen Lichtwellen der Sonne und lassen nur die längeren, roten Wellen hindurch. Das Ergebnis war ein leuchtend roter Himmel, der den Anwohnern in Küstenorten wie Denham in der Region Shark Bay den Atem raubte. Man konnte den Staub förmlich in Augen und Mund spüren.

„Narelle“ zieht Spur der Zerstörung durch Australien

Doch die rote Luft war nur der Vorbote einer gewaltigen Zerstörung. Narelle ist ein Ausnahme-Ereignis. Es ist der erste Sturm seit über 20 Jahren, der an drei verschiedenen australischen Küstenlinien auf Land traf. Auf seinem über 5500 Kilometer langen Weg von Queensland über das Northern Territory bis nach Westaustralien hinterließ er abgedeckte Dächer, Stromausfälle und schwere Überschwemmungen.

Tote Tiere, beschädigtes Korallenriff

Besonders hart traf es die Region um das Ningaloo Reef, ein UNESCO-Weltnaturerbe, das für seine unglaubliche Artenvielfalt bekannt ist. Die abgelegene Kleinstadt Exmouth wurde zeitweise komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Für die Tierwelt endete der Sturm in einer Tragödie. Tierschützer und Meeresbiologen berichten von Stränden, die sich in regelrechte Friedhöfe verwandelt haben. Unzählige Seevögel, Schildkrötenbabys, Fische und sogar Delfine wurden tot angespült. Das ökologisch wertvolle Korallenriff wurde beschädigt.

LNG-Produktion in Australien unterbrochen

Neben den ökologischen Schäden hat der Zyklon auch massive Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. Große Energiekonzerne mussten ihre Anlagen für LNG-Erdgas in Westaustralien drosseln oder vorübergehend herunterfahren. Da Australien einer der weltweit wichtigsten Exporteure von Flüssigerdgas ist und diese Anlagen einen signifikanten Teil des global gehandelten Gases liefern, treffen die Ausfälle auf einen ohnehin angespannten Weltmarkt.

Dass ein Sturm von solcher Wucht auftritt, ist laut Klimaforschern kein Zufall. Die Ozeane haben in den vergangenen Monaten Rekordtemperaturen erreicht und wirken wie gewaltige Energiespeicher. Das Korallenmeer verzeichnete historische Höchstwerte, was Bedingungen für extreme Wetterphänomene schafft.

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Erstellt:
30. März 2026, 16:24 Uhr

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