Studie an US-Schulen
Schüler nutzen in einem Drittel der Zeit Smartphones
Die Konzentrationsfähigkeit ist für den Bildungserfolg entscheidend. Eine neue US-Studie zeigt, wie sehr die ständige Beschäftigung mit dem Smartphone die Aufmerksamkeit der Schüler beeinträchtigt.
© Imago/Sven Simon
Handy-Sucht: Schüler sitzen während der Pause auf dem Boden und blicken auf ihre Smartphones.
Von Stefan Parsch (dpa)/Markus Brauer
Wenn Mobiltelefone nicht aus Schulen verbannt sind, verbringen Schüler einer Studie zufolge sehr viel Zeit mit den Geräten. In einer neuen US-Studie nutzten Schüler im Alter von 11 bis 18 Jahren die Handys durchschnittlich fast ein Drittel der Zeit ihres Schulbesuchs. Dabei war der Gebrauch bei den 15- bis 18-Jährigen deutlich intensiver als bei den Jüngeren.
Insgesamt verbrachten die 79 Teilnehmer aus dem Südosten der USA durchschnittlich zwei Stunden und 13 Minuten ihrer siebenstündigen Zeit in der Schule am Smartphone, wie Eva Telzer und Kaitlyn Burnell von der University of North Carolina in Chapel Hill im Fachjournal „JAMA Network Open“ schreiben.
Forscher sind von der Dauer der Handynutzung selbst überrascht
„Am meisten überrascht hat uns, wie viel Zeit Jugendliche während der Schulzeit mit ihren Handys verbringen“, erklärt Burnell. Sie und Telzer erhoben die Daten aus Apple-Smartphones bei den 15- bis 18-Jährigen vom April 2021 bis Februar 2022 und bei den 11- bis 14-Jährigen vom Februar 2023 bis Dezember 2024 – jeweils 14 Tage hintereinander. Schulzeit war demnach von 8 bis 15 Uhr. Zudem testeten sie bei den 15- bis 18-Jährigen im Labor die Konzentrationsfähigkeit.
Sämtliche Schüler nutzten das Smartphone in der Schule. Die Nutzungszeit reichte von acht Minuten bis fünf Stunden und 20 Minuten. Generell stieg die mittlere stündliche Nutzungszeit von 16 Minuten in der ersten Stunde auf mehr als 22 Minuten in der letzten Stunde. Die älteren Schüler nahmen das Handy während des Schulbesuchs durchschnittlich 64,5-mal zur Hand - rechnerisch also gut neunmal pro Stunde.
Starke Handy-Nutzer sind weniger konzentriert
Die 28 jüngeren Schüler verbrachten während des Schulbesuchs im Durchschnitt 40 Minuten in sozialen Medien und knapp 14 Minuten mit Unterhaltungen. Das machte rund 70 Prozent ihrer Smartphone-Nutzungszeit in der Schule von einer Stunde und 21 Minuten aus. Die 15- bis 18-Jährigen brachten es auf zwei Stunden und 42 Minuten.
Die Tests zur Konzentrationsfähigkeit ergaben, dass die Schüler mit größerer Smartphone-Nutzung geringere Werte für Aufmerksamkeit und Impulskontrolle hatten. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass häufiges Smartphone-Checken genau die Fähigkeiten beeinträchtigen kann, die Schüler für den Erfolg im Unterricht benötigen“, konstatiert Telzer.
Einschränkungen der Studie
Zu den Einschränkungen der Studie gehört, wie die Autoren einräumen, dass nur Nutzer von Apple-Geräten teilnehmen konnten. Zudem gab die stündliche Erfassung der Nutzungszeiten keine Auskunft darüber, ob die Nutzung während der Pausen- und Essenszeiten oder während des Unterrichts stattfand.
Die Daten wurden vor Smartphone-Verboten an Schulen in einzelnen Bundesstaaten erhoben. „Daher können die Ergebnisse je nach Region variieren, da Gerätebeschränkungen an Schulen zunehmen“, schreiben die Forscherinnen.
Dies gilt auch für Deutschland, wo es in manchen Bundesländern landesweite Verbote für die private Handynutzung an Schulen oder zumindest an Grundschulen gibt. Oft können aber Schulen selbst entscheiden, ob sie Smartphones verbieten, welche Ausnahmen gelten und wie sie eine Nutzung im Rahmen des Unterrichts ausgestalten.
