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Sechs Weltstars bei den Olympischen Winterspielen
Die Olympischen Spiele sind die größte Bühne des Sports – ein Sextett wird in Mailand, Cortina, Livigno, Bormio und Val di Fiemme ganz sicher im Rampenlicht stehen.
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Sie können zu Gesichtern der Olympischen Spiele 2026 werden: Eileen Gu, Ilia Malinin, Connor McDavid (oben von links), Johannes Kläbo, Mikaela Shiffrin und Marco Odermatt (unten von links) – klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie, um mehr über diese Stars zu erfahren!
Von Jochen Klingovsky
Rund 2900 Athletinnen und Athleten werden an den Olympischen Winterspielen in Mailand, Cortina und den restlichen Wettkampforten im Norden Italiens teilnehmen. Für sie geht es um Medaillen in 116 Wettbewerben. Bei der Rückkehr der Veranstaltung in die Alpen (nach Vancouver 2010, Sotschi 2014, Pyoengchang 2016 und Peking 2022) werden nicht nur Zuschauermassen erwartet, alle Beteiligten dürfen sich auch auf ein Fest des Sports freuen.
Doch die Olympischen Winterspiele 2026, die an diesem Freitag beginnen und 16 Tage dauern werden, sind nicht nur ein riesiges Treffen im Zeichen der Ringe, sondern zugleich auch die wichtigste Bühne für die Weltstars des Wintersports. Das Sextett, das wir an dieser Stelle präsentieren, wird in den nächsten gut zwei Wochen in Mailand, Cortina, Val die Fiemme, Bormio und Livigno ganz besonders im Rampenlicht stehen – so viel ist sicher.
Ein Blick in unsere Bildergalerie lohnt sich.
Wenn Sie mehr über die Athletinnen und Athleten erfahren wollen, die beste Voraussetzungen haben, um zu den Gesichtern dieser Winterspiele zu werden, dann klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie – es lohnt sich!
Die erfolgreichsten Winter-Olympioniken
Marit BjörgenSkilanglauf, Norwegen (2002-2018) 8x Gold/4x Silber/3x Bronze
Ole Einar BjörndalenBiathlon, Norwegen (1998-2014) 8/4/2
Björn Dählie Skilanglauf , Norwegen (1992-1998) 8/4/0
Ireen Wüst Eisschnelllauf, Niederlande (2006-2022) 6/5/2
Ljubow Jegorowa Skilanglauf, Russland (1992-1994) 6/3/0
Martin Fourcade Biathlon Frankreich (2010-2018) 6/1/0
Wiktor Ahn Shorttrack Südkorea/Russland (2006-2014) 6/0/2
Natalie Geisenberger Rodeln, Deutschland (2014-2022) 6/0/1
Tobias Arlt Rodeln, Deutschland (2014-2022) 6/0/0
Tobias Wendl Rodeln, Deutschland (2014-2022) 6/0/0
Lidija Skoblikowa Eisschnelllauf, Sowjetunion (1960-1964) 6/0/0
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<b>Eileen Gu, Ski-Freestyle</b>Eileen Gu, die damals unter dem Namen Gu Ailing antrat, war das Gesicht der Winterspiele 2022 in Peking – und ein Politikum auf zwei Skiern. Eine 18-jährige Freestyle-Akrobatin, die in San Francisco geboren wurde, für das Heimatland ihrer Mutter startet und deshalb Olympia-Gastgeber China zwei Gold- und eine Silbermedaille bescherte, das war eine unglaubliche Geschichte. Die nun im Livigno Snow Park fortgeschrieben werden könnte. Denn Eileen Gu (22) ist immer noch eine Ikone des Wintersports, und das hat nicht nur mit ihren außergewöhnlichen Leistungen in der Halfpipe, im Slopestyle-Parcours und auf der Big-Air-Schanze zu tun. Sondern auch mit dem, was sie sonst noch tut. Eileen Gu modelt für hochkarätige Agenturen, war auf dem Titel vieler Mode-Zeitschriften, studiert Quantenphysik, hat 2,1 Millionen Follower bei Instagram und noch viel mehr in den sozialen Netzwerken in China, und sie gehört seit Jahren zu den bestverdienenden Sportlerinnen der Welt, obwohl es im Ski-Freestyle keine nennenswerten Siegprämien gibt. Doch auch 2025 haben gut dotierte Werbeverträge (unter anderem Porsche, TCL, Louis Vuitton, Tiffany, Red Bull, Estée Lauder, Victoria’s Secret, Bank of China) Eileen Gu mehr als 20 Millionen Euro eingebracht. Gut möglich, dass sie ihren Werbewert in Livigno weiter steigert.
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Ilia Malinin, EiskunstlaufenWer einen ganz besonderen olympischen Moment erleben möchte, sollte sich den 13. Februar vormerken. An diesem Freitag findet die Kür der Eiskunstläufer statt – mit dem Mann, dessen Spitzname „Vierfach-Gott“ lautet. Ilia Malinin (21) hat in einer Sportart, von der viele dachten, das Limit sei erreicht, die Grenzen verschoben. Der seit zwei Jahren unbesiegte US-Amerikaner mit usbekischen Wurzeln stellte nach seinen WM-Triumphen 2024 und 2025 flugs noch eine Weltbestleistung auf. Beim Grand-Prix-Finale in Japan Anfang Dezember gelangen ihm als erstem Sportler überhaupt sieben (!) Vierfachsprünge in einer Kür. Dazu zählte auch der vierfache Axel, die absolute Höchstschwierigkeit im Eiskunstlaufen. Außer Ilia Malinin hat diesen Sprung noch nie jemand in einem Wettkampf gestanden. Anschließend erklärte der Superathlet, dass er die Zeit bis zu den Winterspielen in Mailand nutzen werde, um an allen seinen Schwächen zu arbeiten und „wirklich alles zu perfektionieren“. Für die Konkurrenten musste sich das anhören wie eine Drohung – zumal Ilia Malinin auch noch darüber sprach, dass er selbst einen fünffachen Sprung in der Zukunft für nicht ausgeschlossen halte. Sein Spitzname müsste dann noch einmal überdacht werden.
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Mikaela Shiffrin, Ski alpinSchon jetzt gilt Mikaela Shiffrin (30) als beste Skifahrerin der Geschichte. Zwei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen, acht WM-Titel, 108 Weltcup-Erfolge (22 mehr als der legendäre Ingemar Stenmark) – seit 15 Jahren ist die US-Amerikanerin auf der Ideallinie unterwegs. Ihre Perfektion zeigt sie auch in diesem Winter. In Spindlermühle sicherte sie sich mit ihrem siebten Sieg im achten Slalom der Saison und einem Vorsprung von 1,67 Sekunden auf die Schweizerin Camille Rast schon zwei Wochen vor Olympia die kleine Kristallkugel. Es ist ihr neunter Sieg im Slalom-Weltcup und der nächste Rekord in ihrer eindrucksvollen Karriere – die in Cortina d’Ampezzo einen weiteren Höhepunkt erfahren könnte. Mikaela Shiffrin startet in drei Disziplinen, und sie tut dies mit der Lockerheit einer Athletin, die schon alles gewonnen hat. „Ich versuche, jeden olympischen Moment zu genießen“, sagt sie, „auch wenn mal nicht alles nach Plan läuft.“ Was bei ihr, das ist der Konkurrenz bewusst, nicht allzu oft vorkommt.
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Marco Odermatt, Ski alpin Zuletzt, nach der Abfahrt in Kitzbühel, flossen bei Marco Odermatt (28) die Tränen – weil er mal nicht gewonnen hatte. „Heute“, schluchzte der Schweizer, dem sieben Hundertstel Sekunden auf den Italiener Giovanni Franzoni gefehlt hatten, „ging es nur um den Sieg.“ Am Tag danach entschuldigte sich Odermatt für seine Emotionen. Es gebe so viele Sportler, die ihre Ziele nie ganz erreichen, schrieb er. Und: „Ich dagegen kann meinen Traum leben.“ Und wie! Außer dem Erfolg auf der Streif fehlt dem besten Skifahrer der Welt kaum etwas in seiner Vita. Er holte 2022 in Peking Olympia-Gold im Riesenslalom, gewann drei WM-Titel, in den letzten vier Wintern den Gesamtweltcup, dazu mittlerweile 53 Weltcup-Rennen. Rang zwei in Kitzbühel war sein 100. Podestplatz. Nun, bei den olympischen Rennen, ist er in vier Disziplinen der Top-Favorit. Ob es in Bormio Tränen der Freude gibt? Seinen Konkurrenten Vincent Kriechmayr würde es nicht wundern. „Ab und zu wäre es schön“, meinte der Österreicher neulich über Odermatt, „wenn er ein bisschen langsamer fahren würde.“
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Connor McDavid, EishockeyZweimal hat die nordamerikanische Eishockey-Liga NHL zuletzt entschieden, dass ihre Profis nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen. 2018 in Pyoengchang ging es um Versicherungskosten und Marketingrechte, 2022 in Peking um das Coronavirus. Nun in Mailand werden die besten Spieler der Welt wieder am Start sein – und der Allerbeste ist es auch. Connor McDavid (29) führt die kanadische Mannschaft an, und bei seinem ersten Olympia-Turnier zählt für ihn nur die Goldmedaille. „Wir werden ein Team aufbauen“, sagt der Superstar von den Edmonton Oilers, „das gewinnen wird.“ An ihm selbst dürfte dies nicht scheitern. Connor McDavid wurde siebenmal als bester NHL-Profi ausgezeichnet, war fünfmal bester Scorer der Liga. Demnächst wird er die Marke von 1200 Scorer-Punkten knacken. Er ist der schnellste Spieler der NHL, verfügt zudem über eine extrem gute Technik und hohe Wendigkeit. „Auf dem Eis“, schreibt die Liga über ihren Stärksten, „gibt es nichts, was er nicht kann.“ Allerdings hat Connor McDavid, der von den Fans „McJesus“ gerufen wird, noch keinen NHL-Titel gewonnen. Umso mehr wird er nun um Olympia-Gold kämpfen. Schließlich weiß niemand, wie oft ihm die Liga diese Chance noch bietet.
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Johannes Hösflot, Skilanglauf Kläbo Goldmedaillen vorherzusagen, kann gewagt sein – nicht jedoch bei Johannes Hösflot Kläbo (29). Es braucht keine Glaskugel, um zu prophezeien, dass er nach den Langlauf-Wettbewerben im Fleimstal der erfolgreichste Olympionike der Geschichte sein wird. Um seine Landsfrau Marit Björgen (8x Gold/4x Silber/3x Bronze) zu überholen, müsste der norwegische Superstar (bisher 5/1/1) vier Rennen gewinnen, die Prognose vieler Experten geht sogar noch weiter: Sie gehen davon aus, dass Kläbo wie bei der WM 2025 in Trondheim den Durchmarsch schaffen und bei allen sechs Starts triumphieren wird (unser Foto). „Er ist ein Jahrhundert-Athlet“, sagt zum Beispiel Ex-Bundestrainer Jochen Behle, „sollte er nicht bei allen olympischen Wettbewerben siegen, wäre das eine Überraschung.“ Nicht nur die Zahlen – sieben Olympia-Medaillen, 15 WM-Titel, fünf Siege im Gesamtweltcup, 107 Weltcup-Erfolge im Einzel – sprechen dafür, sondern auch die aktuelle Form des Norwegers. Nach einem Höhentrainingslager lief er bei den letzten Rennen vor den Winterspielen in seiner eigenen Liga. Oder anders ausgedrückt: Selten war die Chance, dass Vorhersagen zur Realität werden, größer als bei Johannes Hösflot Kläbo.
