Dramatische Entwicklung
So schlecht steht es um die globalen Wasserspeicher
Die globalen Süßwasservorräte schwinden immer mehr. Die Welt wird trockener, wie neue Analysen zeigen. Der Anteil der für ihre Verhältnisse zu trockenen Regionen hat sich seit 2009 verdreifacht.
© Imago/Martin Wagner
Die Welt trocknet langsam aus: Trockener Ackerboden im niedersächsischen Harzer Vorland
Von Markus Brauer
Die globalen Süßwasservorräte schwinden immer mehr. Auch in Europa und Deutschland sind die Wasserspeicher weiter geschrumpft. In Deutschland gab es zwar dank des regenreichen Jahres 2024 eine kurze Erholung, aber schon 2025 brachte uns wieder ins Wasserdefizit, wie die Forscher berichten.
Die Satellitenmissionen GRACE ( Gravity Recovery and Climate Experiment , 2002–2017) und GRACE-FO ( GRACE-Follow-On , seit 2018) vermessen das Schwerefeld der Erde. Hieraus wird mit monatlicher Auflösung die globale Wasserspeicherung ermittelt.
Mit nunmehr 24 Jahren an Daten können langfristige Veränderungen analysiert werden. Forscher des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung um Eva Boergens und Julian Haas haben die aktuellen Daten ausgewertet und ordnen sie in die langfristige Entwicklung ein – weltweit, für Europa und für Deutschland.
Immer weniger Land mit normaler Wasserspeicherung
Global betrachtet nehmen die Extreme der Wasserspeicherung zu. Während 2009 noch 75 Prozent der Landfläche einen normalen Wasserspeicher aufwiesen, waren es 2025 nur noch knapp ein Drittel.
Diese Entwicklung ist zu großen Teilen auf die Zunahme trockener Gebiete zurückzuführen, deren Anteil sich von 12 Prozent im Jahr 2009 auf nahezu 43 Prozent im Jahr 2025 mehr als verdreifacht hat.
- Die Landfläche, die als feucht eingestuft ist, blieb hingegen über die letzten 24 ähnlich groß und hat sich im letzten Jahr wieder dem Zustand von vor über 20 Jahren angenähert.
- Dabei gilt für die Charakterisierung der Wasserspeicherung:
- Trocken: Die Wasserspeicherung war so niedrig wie die trockensten 25% der restlichen Beobachtungen an dem Ort.
- Normal: Die Wasserspeicherung entsprach den mittleren 50 Prozent der Beobachtungen.
- Feucht: Die Wasserspeicherung war so hoch wie die feuchtesten 75 bis 100 Prozent der Beobachtungen an dem Ort.
Afrika als Ausnahme, Arktis und Europa besonders betroffen
Der globale Überblick erlaubt jedoch nur eine Gesamtbilanz und berücksichtigt keine regionalen Unterschiede im Detail. Ein differenzierteres Bild ergibt sich aus der Betrachtung der 61 kontinentalen Fluss-Regionen und deren Entwicklungen in den vergangenen 24 Jahren:
- Von allen Weltregionen verzeichnete lediglich Afrika eine deutliche Zunahme der Wasserspeicherung, in geringerem Maße auch Australien und Ozeanien.
- In den übrigen Regionen ist hingegen eine Abnahme zu beobachten, wobei insbesondere die Gletscherschmelze in der Arktis hervorsticht.
- In Europa und im Nahen Osten zeigen alle Einzugsgebiete eine Abnahme der Wasserspeicherung.
- Besonders ausgeprägt ist auch in Europa dabei die Abnahme des Gletscher-Eises auf Island.
- Zwar geht die Wasserspeicherung in allen Regionen zurück, jedoch unterscheiden sich die Zeitpunkte, ab denen ein negativer Trend erkennbar ist. Im Nahen Osten sinkt die Wasserspeicherung bereits seit 2009.
- In Westeuropa – das den Großteil Deutschlands umfasst, ist erst seit etwa 2014 eine kontinuierliche Abnahme feststellbar.
Deutschland: Trockenheit seit 2018, kurze Erholung 2024
- Der Blick auf Deutschland zeigt, dass die anhaltende großräumige Trockenheit seit 2018 – möglicherweise bereits seit 2015 – deutlich erkennbar ist.
- Das Jahr 2024 war hingegen überdurchschnittlich feucht, mit rund 15 Prozent mehr Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel, wodurch sich die Wasserspeicher vorübergehend erholen konnten. Dadurch erreichten sie erstmals seit 2018 wieder annähernd ein normales Niveau.
- Im Jahr 2025 lagen die Niederschläge jedoch erneut mit minus 18 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Gleichzeitig führte eine erhöhte Verdunstung infolge hoher Temperaturen dazu, dass sich die Wasserspeicherung wieder verringerte.
- Über den Zeitraum seit 2002 betrachtet hatte Deutschland zum Jahresende 2025 ein Defizit von rund 25 Milliarden Tonnen Wasser im Vergleich zum Mittelwert der Zeitreihe seit 2002. Ende 2023 waren das noch rund 10 Milliarden Tonnen.
Fazit: Der irdische Wasserkreislauf bildet die Basis für alles leben. Doch durch den Klimawandel verschiebt sich das Gleichgewicht von Verdunstung und Niederschlag. Als Folge von Dürreperioden und Hitzeextremen sinken die Grundwasserspiegel, die Bodenfeuchte nimmt ab und vielerorts wird Wasser knapp. Der globale Vorrat an flüssigem Süßwasser ist bereits stark dezimiert und eine Erholung nicht in Sicht. Selbst das eigentlich wassereiche Deutschland hat Milliarden Tonnen Wasser verloren.
