Saharastaub in Deutschland

Staubiger Gruß aus der Wüste

Der Saharastaub kehrt nach Deutschland zurück. Am Wochenende könnte auch Baden-Württemberg von den Staubwolken aus der nordafrikanischen Wüste heimgesucht werden.

Saharastaub am Morgenhimmel.

© Christoph Reichwein/dpa

Saharastaub am Morgenhimmel.

Von Markus Brauer

Eine riesige Staubwolke breitet sich über Europa aus. Es ist bereits am Montag (2. März) losgegangen mit dem Saharastaub in der Luft. Der Staub hat vor allem Spanien und Portugal, später dann Italien und Frankreich getroffen. Ab Freitag (6. März) bedeckt der rötlich-braune Staub dann auch ganz Deutschland. Der Himmel kann sich deutlich verfärben.

Dazu kommt Regen. Und das heißt vor allem für Spanien und Portugal: Bis Freitag kann es zu Blutregen kommen. Auch auf Mallorca ist Blutregen an diesem Mittwoch (4. März) möglich.

Im Süden Frankreichs tröpfelt es am Donnerstag (5. März) blutig vom Himmel. Vielleicht zieht sich der Niederschlag sogar bis nach England und Schottland. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass es sogar in den Highlands zu Blutregen aus der Sahara kommt.

Wann kommt der Saharastaub nach Deutschland?

Ab Freitag ist sehr viel mehr Saharastaub in Deutschland vorhergesagt. Aber das Wetter bleibt trocken. Und das heißt, dass sich der Himmel stark gelblich oder sogar rötlich verfärben kann. Vor allem die Sonnenaufgänge könnten intensiv werden, die Sonnenuntergänge möglicherweise auch.

Welche Auswirkungen hat der Saharastaub auf die Luftqualität?

Problematisch ist die Luftqualität in Deutschland: Die wird sich in den nächsten Tagen stark verschlechtern. Neben dem Saharastaub ist auch der Hochdruck für die schlechte Luftqualität verantwortlich. Erst wenn die Wolken sich nach dem kommenden Wochenende wieder verziehen, wird auch die Luft wieder besser und frischer.

Woraus besteht Saharastaub?

Der Saharastaub stammt – wie der Name schon sagt – aus der aus der nordafrikanischen Sahara. Der Wind wirbelt Mineralstaub-Partikel auf, die große Distanzen mit Regentropfen vermischt in der Erdatmosphäre zurücklegen können.

Wo Regen aufzieht, wird der Staub aus den Wolken gespült und legt sich auf Autos, Balkone, Gartenmöbel und Photovoltaikanlagen. Generell geht vom Saharastaub keine große gesundheitliche Gefahr aus. Jedoch steigt die Feinstaubbelastung, die sich bei Atemwegserkrankten bemerkbar machen kann. Diese Konzentration in der Luft fällt regional unterschiedlich aus.

Warum wird der Regen rötlich gefärbt?

Wenn der Saharastaub mit Regen auf den Boden prasselt, spricht man von Blutregen. Die rötliche Färbung stammt von dem Wüstensand und Staub meist aus der Sahara, der vom Wind in großen Höhen über das Mittelmeer nach Europa gebracht wird.

Die Färbung des Regens variiert je nach Farbe des Saharasands von dunkel- und hellgrau über leicht gelblich bis stark rötlich. Tatsächlich handelt es sich eher um Schmutzregen.

Ist auch im Südwesten mit Saharastaub zu rechnen?

Am Wochenende könnte die Luft über Baden-Württemberg trüb werden. Grund dafür ist auch im Südwesten der Saharastaub, den ein Tiefdruckgebiet über Spanien ins Land weht, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdiensts (DWD) erklärt. Der Staub wird bei bestimmten Wetterlagen vom Wind aufgewirbelt und gelangt so in die Atmosphäre. Luftströme können den Saharastaub dann bis nach Deutschland bringen.

Und wie sieht es mit Blutregen aus?

Mit Blutregen oder einer starken Trübung sei am Wochenende aber nicht zu rechnen. „Man wird jetzt nicht so einen richtig gelben Himmel haben“, erklärt die. Nach einem aktuellen Modell des Wetterdiensts ist nur eine leichte Konzentration des Saharastaubs in den Luftströmen enthalten, die am Wochenende aus Südwesten nach Baden-Württemberg strömen. Die Konzentration falle wahrscheinlich auch geringer aus, als noch Anfang der Woche prognostiziert.

Autofahrer könnten den Staub aus Afrika aber trotzdem unmittelbar bemerken: Er legt sich wie ein schmieriger Film auf die Fahrzeuge. Auch kommende Woche ist noch mit einer geringen Staubkonzentration in der Luft zu rechnen, so die DWD.

Warum galt Blutregen früher als Unheilbringer?

Durch Saharastaub verfärbter Regen ist seit Jahrtausenden bekannt. Schon in der Antike und im Mittelalter wurde der Blutregen als himmlisches Wunderzeichen gedeutet, das von göttlichem Zorn, bevorstehendem Unheil wie Krieg, Seuchen, Hungersnöten oder Unwettern kündet.

Mittelalterliche Chronisten berichten von diesem mysteriösen Phänomen, so etwa Gregor von Tours im Jahr 541 n. Chr. über Blutregen in Gallien (Frankreich). 864 und 1008 soll es tagelang Blut geregnet haben. 1141 wurde roter Regen für Oberitalien, 1165 für England und 1349 für Süddeutschland und Österreich in den Chroniken verzeichnet.

Welche Bedeutung hat Saharastaub?

Rund 500 Millionen Tonnen Staub werden jedes Jahr in der Sahara produziert. Durch den Anteil an Nährstoffen wie Calcium und Magnesium spielt der Saharastaub eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Wälder.

So erreichen jährlich 40 Millionen Tonnen Staub die Regenwälder des Amazonas. Aber auch in Deutschland und auf der Iberischen Halbinsel liefert der Saharastaub einen wichtigen Beitrag zur atmosphärischen Düngung.

Ist Saharastaub in Deutschland selten?

Saharastaub in der mitteleuropäischen Luft ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) kein so seltenes Phänomen. Dabei werden Teilchen in der größten Trockenwüste der Welt in Nordafrika aufgewirbelt und vom Wind Tausende Kilometer nach Norden getragen – vor allem im Frühjahr und im Herbst.

Solche Staubpartikel kommen demnach im Jahr etwa fünf- bis 15-mal nach Europa, aber nur selten in Konzentrationen wie zuletzt Ende März zum Osterwochenende 2024.

Wieso ist der Staub aus der Wüste magnetisch?

Im rötlich gefärbten Wüstensand finden sich neben Quarzkörnern auch „winzige Körner des Minerals Hämatit“, erklärt Harald Strauß vom Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Münster. Bei Hämatit handelt es sich um ein Eisenoxid, das in Gesteinsarten vorkommt und magnetisch reagiert.

„Die Sahara ist vor allem eine Stein-, Fels- oder Geröllwüste“, ergänzt Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Nach Angaben des Lexikons der Geowissenschaften gibt es eine ganze Reihe von Gesteinen mit magnetischen Eigenschaften. Wenn beispielsweise das Magnetit-Gestein durch Verwitterung zu Staub wird, bleiben die einzelnen Staubkörner magnetisch. Der Sand wird dann vom Magneten angezogen.

Magnetit kommt praktisch auf der gesamten Erde vor, auch in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz. Große Vorkommen gibt es laut Mineralienatlas auch in Marokko am Nordrand der Sahara, wo Magnetit vor allem im Hohen Atlasgebirge gefunden wird. (mit dpa-Agenturmaterial).

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Erstellt:
4. März 2026, 13:42 Uhr
Aktualisiert:
4. März 2026, 13:43 Uhr

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