Wie es im Iran-Krieg weitergeht

Straße von Hormus: Das ist die Strategie des Iran und der USA

Die Straße von Hormus kristallisiert sich immer mehr zum Brennpunkt des Iran-Kriegs heraus. Wie will Iran die Meerenge verteidigen? Wie wollen die USA sie kontrollieren? Und welche Rolle spielen Irans kleine Inseln in der Meerenge? Über die Hintergründe der amerikanischen und iranischen Militärstrategie.

Wer gibt als Erster nach? Schachfiguren mit den Flaggensymbolen der USA und des Iran.

© Imago/Dreamstime

Wer gibt als Erster nach? Schachfiguren mit den Flaggensymbolen der USA und des Iran.

Von Markus Brauer

Mit dem jüngsten Ultimatum von US-Präsident Donald Trump an den Iran droht eine weitere unabsehbare Ausweitung des Krieges am Persischen Golf.

Warum gewährt Trump Iran einen Aufschub?

Sofern der Iran nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus vollständig öffne, würden die USA Irans Kraftwerke angreifen und zerstören – „beginnend mit dem größten!“, hatte Trump in der Nacht zum Sonntag (22. März, MEZ) angekündigt. Das Ultimatum würde in der Nacht zu Dienstag (24. März) deutscher Zeit ablaufen.

Doch jetzt hat Trump angeordnet, in den nächsten fünf Tagen keine Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur zu fliegen. Dies sei das Ergebnis „sehr guter und produktiver Gespräche über eine vollständige und endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten“ in den vergangenen beiden Tagen, schreibt Trump auf seiner Plattform Truth Social komplett in Versalien. Der Iran widerspricht: Es gebe keine Gespräche mit den USA.

Der Grund für diesen plötzlichen Sinneswandel könnte in der prompten Reaktion aus Teheran liegen. Denn der Iran droht: Sollte seine Kraftstoff- und Energieinfrastruktur angegriffen werden, werde das iranische Militär alle Energieinfrastrukturen und Entsalzungsanlagen mit Verbindungen zu den USA in der gesamten Golfregion ins Visier nehmen.

Zur Info: Straße von Hormus

  • Dieses Nadelöhr liegt zwischen einer Einbuchtung der Küste Irans und der – als Exklave zum Oman gehörenden – aus Arabien vorspringenden Halbinsel Musandam gegenüber. Seit der Antike ist die Straße von Hormus eine wichtige Schifffahrtsroute.
  • Durch die Meerenge verläuft der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Ölhäfen Kuwaits, Katars, Bahrains, des Irak, der Vereinigten Arabischen Emirate und des Iran, dazu der größte Teil des saudi-arabischen Schiffverkehrs.
  • Da eine Sperrung der Passage die Lieferungen von bedeutenden Teilen der Erdölgebiete im Nahen Osten – rund ein Fünftel der globalen Ölversorgung – blockieren würde, ist sie von weltweiter strategischer Bedeutung.

Warum bedroht der Hormus-Konflikt die Weltwirtschaft?

Damit droht der vor drei Wochen von den USA und Israel begonnene Waffengang vollends zu eskalieren – mit unabsehbaren Folgen für die Region und die Weltwirtschaft. Schon jetzt hat der Konflikt um die Straße von Hormus enorme Auswirkungen auf die globalen Märkte.

Die Straße von Hormus ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren und gilt als eine der weltweit wichtigsten Routen der internationalen Seefahrt. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wird durch diese, an ihrer schmalsten Stelle 39 Kilometer breite Passage transportiert. Der größte Teil davon geht in Richtung China, Indien und in andere asiatische Länder. Auch etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggas-Handels läuft durch die Meerenge.

Wie kann der Iran die Straße von Hormus blockieren?

Teheran hat seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe mehrfach gedroht, in der Meerenge Schiffe anzugreifen. Zuletzt wurden im Persischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman immer wieder Schiffe von Geschossen getroffen. Der Schiffsverkehr ist de facto zum Erliegen gekommen.

Für den Iran wäre es mit relativ einfachen Mitteln möglich, großen Schaden anzurichten. So soll der US-Generalstabschef Dan Caine Präsident Trump laut einem Bericht der „New York Times“ gewarnt haben, ein einziger iranischer Soldat auf einem Schnellboot könnte eine Rakete auf einen langsamen Tanker abfeuern oder eine Mine anbringen.

Info: VesselFinder-Karte

  • Die Vesseltracker.com GmbH ist ein Unternehmen, das Schiffspositionen und andere Informationen über Schiffe vermarktet. Es handelt sich also um ein Online Schiffs-Monitoring und Reporting-Service, wofür es mittels Automatischem Identifikationssystem (AIS) Schiffspositionsdaten empfängt und aufbereitet.
  • Die folgende Karte zeigt die Schiffe, die sich derzeit (23. März 2026, 13 Uhr) im Persischen Golf, in der Straße von Hormus und im Golf von Oman befinden.

Warum schicken Reeder keine Schiffe mehr durch die Meerenge?

Die Reeder schickten keine Tanker mehr durch die Meerenge, weil eine glaubwürdige Drohung herrsche, erklärt der Sicherheitsexperte Peter Neumann. „Deswegen ist die Straße blockiert, auch ohne, dass sie tatsächlich physisch blockiert ist und auch ohne, dass jeder Tanker angegriffen wird.“

Was ist Irans Strategie?

Irans Strategie ist so simpel wie genial: Dieser Flaschenhals wird einfach verschlossen. Die persisch Tange-ye Hormoz und arabisch DMG Maḍīq Hurmuz genannte Meerenge ist ein maritimer Engpass. In den letzten vier Jahrzehnten haben die Revolutionswächter – Islamic Revolutionary Guard Corps, IRGC – ihre Strategie aufgebaut, entwickelt und verfeinert:

Riesige Öltanker werden in nur zwei enge Schifffahrtsrouten gequetscht – eine für Schiffe, die einfahren, eine für solche, die herauskommen.

Die Revolutionsgarden nutzen die Geografie zu ihrem Vorteil: Sie kontrollieren wichtige Inseln wie Qeshm, Larak Island, Hormuz Island, Hengam Island, Abu Musa und Greater Tunb, die direkt entlang dieser Korridore liegen.

Auf den Inseln und an der Küste verbirgt sich ein tief gestaffeltes Netzwerk aus unterirdischen Bunkern und Stellungen sowie mobilen Abschussrampen mit Anti-Schiffs-Raketen, die eine permanente Gefahr für den internationalen Schiffsverkehr und jede militärische Eskorte darstellen. Zudem verfügen die Iraner über Hunderte kleine Schnellboote, die im Schwarm attackieren können. 

Wie müssten die US-Truppen vorgehen?

Die nördliche Küste der Straße von Hormus gehört zu Iran und ist sehr gebirgig. Dieses Terrain bietet eine natürliche Tarnung für tief eingegrabene, befestigte Bunker. Die Inseln wie Larak, Qeshm und Abu Musa sind de facto schwer bewaffnete Offensivsysteme, die direkt am Rand der Schifffahrtsrouten liegen. Von hier aus kann man jedes Schiff leicht attackieren.

Da die Gewässer flach und mit Riffen übersät sind, sind Supertanker auf eine knapp 3,2 Meilen breite Ausfahrts- und Einfahrtsroute sowie eine ebenso breite Pufferzone angewiesen. Im Falle eines Angriffs haben große Schiffe praktisch keinen Manövrierspielraum.

Wie kontrolliert Iran die Meerenge?

Um die Straße von Hormus zu blockieren, muss man die Inseln kontrollieren. Die Revolutionsgarden verlassen sich auf die schwer befestigten Außenposten, von denen jeder eine spezifische und tödliche Rolle spielt.

Larak Island: der Engpass-Kontrolleur

Larak liegt direkt an der Einfahrt der Meerenge. Schnellboote, die hier stationiert sind, können ein vorbeifahrendes Frachtschiff in wenigen Minuten erreichen. Für die Crew bleibt keine Zeit zu reagieren. Drohnen starten, um Tanker zu zu attckieren, während Schnellboote sie umzingeln. Wenn ein Kapitän beschließt, weiterzufahren, wird das Feuer eröffnet.

Qeshm: das schwere Arsenal

Wenn Larak quasi ein Messer am Hals ist, ist Qeshm der Vorschlaghammer. Sie ist die größte Insel im Golf und dient als militärisches Zentrum der iranischen Verteidigung. Das zerklüftete Gelände verbirgt ein Labyrinth aus unterirdischen Bunkern und mobilen Anti-Schiffs-Raketenwerfern. Qeshm ist dafür konzipiert, Batterien mit schweren Anti-Schiffs-Raketen abzufeuern. Vollgepackt mit Drohnenbasen und Radaranlagen ist es das strategische Herz der iranischen Küstenverteidigung.

Abu Musa: der vordere Außenposten

Abu Musa ist ein stark befestigtes Frühwarnzentrum. Es verlängert Irans Anti-Zugangs-Korridor tief in den Persischen Golf hinein. Hier verfolgen Radarstationen ankommende alliierte Kriegsschiffe und Frachtschiffe lange bevor sie den Engpass erreichen.

Wie werden Schiffe angegriffen?

  • Schnellboote: Zuerst starten die Schnellboote zum Angriffsschwarm. Die Iraner setzen Flottillen kleiner, radarausweichender Schnellboote ein. 10 bis 20 dieser Boote umzingeln ein einzelnes Frachtschiff, rasen dicht heran und zielen mit schweren Maschinengewehren und Schulterabschussraketen auf Schwachstellen wie die Brücke, um das Schiff manövrierunfähig zu machen.
  • Drohnenboote: In diesem Chaos verbergen sich unbemannte, ferngesteuerte Drohnenboote voller Sprengstoffe, die direkt in den Rumpf der Schiffe  gesteuert werden, um ein riesiges Loch an der Wasserlinie zu sprengen. Während die Besatzung paralysiert ist, werfen andere Boote Seeminen direkt in die Route des Schiffs.
  • Anti-Schiffs-Raketen: Auf Lastwagen montierte Anti-Schiffs-Raketen und Marschflugkörper kommen aus befestigte Höhlen hervor und feuern Salven ab.

Wie kontern die US-Kriegsschiffe?

Die US-Aramada ist allerdings nicht wehrlos. Wenn alliierte Kriegsschiffe in die Meerenge einfahren, um Frachtschiffe zu eskortieren, bilden sie eine Art Verteidigungsblase.

  • Minenabwehr: Die US-Marine setzt Küstenkampfschiffe und spezialisierte Minenabwehrschiffe mit hochfrequenten Schleppsonaren, Unterwasserdrohnen und Sea Hawk-Hubschraubern ein. Sie scannen das Wasser vor dem Konvoi ab und zünden Minen, bevor die Frachtschiffe überhaupt eintreffen.
  • Anti-Schiffs-Raketen: Zerstörer verlassen sich auf fortschrittliche Netzwerke wie das amerikanische Aegis-Kampfsystem. Genau in dem Moment, in dem eine iranische Rakete gestartet wird, verfolgen die Radare der Zerstörer sie und feuern Abfangraketen wie die SM-2 oder SM-6 ab, wodurch die Bedrohung in der Luft vernichtet wird.
  • Hubschrauber: Unterdessen beschießen Apache- oder Seahawk-Hubschrauber Schwarmboote aus der Luft mit Hellfire-Raketen.

Warum ist Angriff die beste Verteidigung?

  • Drohnen, Kampfjets, Lenkwaffen: Die USA verfügen über eine Armada von Überwachungsdrohnen, welche die iranische Küste in Echtzeit überwacht. Wenn sie mobile Raketenwerfer entdecken, die aus Bunkern fahren, oder Boote, die Minen am Hafen laden, werden Kampfjets und schiffsgestützte Tomahawk-Raketen losgeschickt, um sie zu zerstören – Minuten oder gar Sekunden bevor sie einen einzigen Schuss abgeben können.
  • Bunkerbrecher: Um das Risiko iranischer Anti-Schiffs-Marschflugkörper zu neutralisieren, werfen die US-Streitkräfte mehrere Spezialbomben auf die Raketenstellungen an der Küste ab. Dabei handelt es sich insbesondere um die GBU-72, eine 2,5 Tonnen schwere präzisionsgelenkte Bunkerbrecherbombe, die mit einem Joint Direct Attack Munition (JDAM)-Kit ausgestattet ist. Ihre massive Feuerkraft kann 160 Fuß (49 Meter) Erde oder 20 Fuß (6 Meter) massiven Stahlbeton durchschlagen. Sobald sie durchbricht, löst sie eine massive Explosion aus, welche die unterirdische Struktur vollständig zerstört.

Warum würde es sich um einen mehrschichtigen Angriff handeln?

  • Ein US-Angriff würde nicht auf einen Schlag erfolgen. Es würde auf dem stetigen Einsatz einer sogenannten geschichteten Seemacht basieren. Dabei ist die Minen-Kriegsführung mithilfe von Küstenkampfschiffen, Minenabwehrschiffen, unbemannten Drohnen und Spezialflugzeugen von entscheidender Bedeutung.
  • Mithilfe von Präzisionsangriffen werden Startplätze von Drohen, Raketenstellungen, Lagerdepots und Kommandozentralen attackiert.
  • Amphibische Einheiten, darunter das United States Marine Corps, unterstützen die Aktionen, indem sie wichtige Küstenpositionen einnehmen.
  • Der wichtigste Faktor ist aber nicht nur Feuerkraft, sondern vor allem Koordination.

Warum könnte Kontrolle und nicht Eroberung das Ziel sein?

Mithilfe der See- und Luftstreitkräfte, ständiger Überwachung und Konvoischutz könnte der umkämpfte Engpass zu einem relativ sicheren Korridor werden, um den globalen Handel zu sichern. Letztlich ist das Ziel nicht Eroberung, sondern Kontrolle der Region.

Blockieren die USA die iranische Ölinsel Kharg?

Die Trump-Administration zieht zudem offenbar ernsthafte Pläne zur Übernahme oder Blockade der iranischen Kharg-Insel in Betracht, wie aus einem aktuellen Bericht des geopolitischen Nachrichtenportals Axios hervorgeht. Nach Angaben von vier mit der Angelegenheit vertrauten Quellen soll damit der Iran unter Druck gesetzt werden, die Straße von Hormus wieder zu öffnen.

Allerdings benötige die US-Armee „etwa einen Monat, um die Iraner durch weitere Angriffe zu schwächen“, bevor eine mögliche Besetzung der Insel erfolgen könnte. Die massiven Luftangriffe, die die USA bereits letzte Woche durchführten, waren laut von Axios zitierten US-Beamten ein „Warnschuss“, aber auch eine Vorbereitung für eine potenzielle Bodenoperation.

Kharg ist eine bewohnte Insel im Persischen Golf. Sie gehört zu Iran und liegt etwa 30 Kilometer vor der Küste des Festlands. Sie ist rund 6 Kilometer lang und 4 Kilometer breit und hat etwa 10.000 Einwohner. Die Insel liegt 55 Kilometer westlich von Buschehr und 35 Kilometer südlich von Ganaveh.

Die Insel, die rund 30 Kilometer vor der iranischen Hauptinsel liegt, wickelt laut einer Analyse des US-Vermögensverwalters JP Morgan rund 90 Prozent der iranischen Rohölexporte ab. Experten zufolge hätte jede Maßnahme in diesem Gebiet, das etwa ein Drittel so groß ist wie Manhattan, rasche Konsequenzen. (mit AFP/dpa-Agenturmaterial)

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Erstellt:
23. März 2026, 15:22 Uhr
Aktualisiert:
23. März 2026, 20:50 Uhr

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