Hitzerekorde und Wärmegewitter
Super-Sommer in Sicht: So heiß könnte es 2026 werden
Hitzestress, Starkregen, Badewetter? Wie der Sommer 2026 wird, beschäftigt viele. Experten erwarten mehr Hitzetage. Doch genaue Prognosen sind schwierig.
© Frank Hammerschmidt/dpa
Mohnblumen blühen am Rand eines Feldes beim brandenburgischen Leuthen.
Von Markus Brauer/dpa
Der Bauernverband befürchtet die „schlechteste Ernte des Jahrhunderts“. „Ist dieser Sommer noch normal?“, fragt die „FAZ“. Auch „Bild“ meint: „Der Sommer hat das Zeug zu einem Jahrhundertsommer!“ Medien und Meteorologen überbieten sich mit Wetter-Superlativen. Die Temperaturen erreichen Rekordwerte. Die Felder sind knochentrocken, die Wälder brennen beim kleinsten Funken wie Zunder, die Böden sind aufgeplatzt. Kurzum: Es herrscht große Dürre.
Nein, das ist keine Prognose für den Sommer 2026, sondern eine Reminiszenz an den Hitzesommer 2018. Auch in diesem Jahr verdichten sich die Anzeichen, dass erneut ein sehr, sehr heißer Sommer bevorstehen könnte.
Unwetterfronten über Deutschland
Seit Tagen entladen sich teils schwere Unwetter über Deutschland, der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach kündigt immer neue Gewitter an. Die Prognose der Meteorologen für den gesamten Sommer 2026 hat es in sich.
Heftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und stürmischen Böen: Am Dienstag (2. Juni) könnten die Gewitter lokal erneut Unwetterstärke erreichen. Bis mindestens Sonntag (7. Juni) geht es dann so weiter: Immer wieder krachen einzelne Gewitter am Himmel los.
„Die ganz große Energie ist zwar erst einmal raus“, erklärt der Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterportal wetter.net. Dafür müsse man aber mit einer anderen Art von Gefahr rechnen.
Die heftigen Gewitterzellen am Wochenende hätten sich von einer extrem heißen, schwülen Luftmasse mit Temperaturen von teils mehr als zehn Grad über dem Mittel für Ende Mai genährt. Diese „Tankfüllung“ sei nach dem Abzug der Unwetterfront nach Osten weitgehend aufgebraucht.
Nach den Gewittern kommt Starkregen
Die Gewitter würden sich zwar abschwächen, dafür kämen die Niederschläge großflächiger aber herunter. „Das Risiko verschiebt sich von explosivem Hitzegewitter hin zu ergiebigem Dauerregen“, warnt Jung. „Genau dort liegt für die nächsten Tage die unterschätzte Gefahr: Tiefs, die sich kaum bewegen und über Stunden auf dieselbe Region regnen.“
Hotspot bleibe vorerst die Südwesthälfte Deutschlands: das Saarland, das südliche Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und später Bayern. Dies seien die Regionen, in denen die feuchteste Luft hängenbleibe.
Und was sagt der Blick auf die aktuellen Langfristläufe? Laut Jung chaue, dann liefern sich Juni, Juli und August 2026 ein enges Rennen um den Titist der Juni mit dem Hitzedom aus den letzten Maitagen kräftig gestartet und liefert von der Pfalz bis nach Brandenburg die ersten Hitzetage.
Juli 2026 dürfte heißester Monat werden
Jungs „klarer Favorit“ für den heißesten Monat des Jahres ist der Juli: Viel Sonne, kaum Regen und Höchstwerte, die am Oberrhein und im Rhein-Main-Gebiet immer wieder Richtung 35 bis 38 Grad klettern, im Norden und an den Küsten etwas gebremst um 28 bis 32 Grad.
Dazu kämen tropische Nächte in den großen Städten. „Genau diese Wetter-Kombination aus Dauerhitze und fehlender Abkühlung macht den Juli zum anstrengendsten Monat des Sommers.“
Trockenstress für die Natur
Auch für die Natur bedeute dies eine enorme Belastungsprobe, so Jung weiter. Nach dem viel zu trockenen Frühjahr seien die Böden vielerorts ausgezehrt. Vor allem in Ostdeutschland, in Franken und entlang des Rheins drohten Trockenstress, braune Wiesen und sinkende Flusspegel. Der Süden und Westen bekämen die kräftigste Hitze ab, der Osten dazu die größte Trockenheit.
Auch der Deutsche Wetterdienst geht von einem Sommer aus, der wärmer sein wird als der Durchschnitt der Sommer im Zeitraum von 1991 bis 2020. Amelie Hoff aus dem Klimavorhersage-Team des DWD erklärt: „Unsere aktuelle saisonale Klimavorhersage zeigt eine Wahrscheinlichkeit von rund 62 Prozent für mehr heiße Tage, also Tage mit einer Maximumtemperatur über 30 Grad, im Vergleich zum Durchschnitt von 1991 bis 2020.“
Dies bezieht sich auf den Zeitraum Juni bis August. Auch die Weltwetterorganisation (WMO) geht in ihren Modellierungen mit moderater Wahrscheinlichkeit von einem wärmeren Sommer aus.
Ozean-Daten deuten auf Super-Sommer hin
Das Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) in Hamburg geht von einem wahrscheinlich heißen Sommer aus und bezieht sich auf Ozean-Daten: Europäischen Hitzesommern gehe häufig ein Wärmestau im Nordatlantik voraus, der sich jeweils etwa drei Jahre vor einem Hitzeextrem aufbaue.
Solche extrem warmen Sommer ließen sich also bis zu drei Jahre im Voraus vorhersagen. Ursache des Wärmestaus sind Anomalien des Wärmetransports im Ozean, die sich auch auf die Atmosphäre auswirken.
Ferne Vorhersage bedeutet schlechte Prognosekraft
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Durchschnittstemperatur von Juni bis August über dem langjährigen Mittel liegt, beträgt laut DWD nach aktuellen Modellrechnungen rund 80 Prozent. Damit wird ein wärmerer Sommer als wahrscheinlich eingestuft. Eine konkrete Wetterprognose ist das aber nicht.
Saisonale Vorhersagen beschreiben klimatische Tendenzen über drei Monate hinweg und unterscheiden sich deutlich von der täglichen Wettervorhersage. Zwar lassen sich daraus Hinweise auf mögliche Entwicklungen ableiten, doch die Aussagekraft bleibt begrenzt.
