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Tausendsassa tauscht Tafel gegen Terrasse

Lehrer und Eltern verabschieden Ernst Morlock, Konrektor am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium, sowie zwei weitere Kollegen.

Jürgen Oelschläger

Jürgen Oelschläger

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium Murrhardt ist eine Ära zu Ende: Mit Konrektor Ernst Morlock verliert die Bildungseinrichtung, die er mitgeprägt hat, eine langjährige Konstante und Institution. Auch Biologie- und Sportlehrer Jürgen Oelschläger sowie Spanisch- und Französischlehrerin Brigitte Ostkamp gehen in den Ruhestand. Wie hoch die Wertschätzung für deren herausragenden Einsatz ist, zeigten die Ansprachen bei der Verabschiedungsfeier in der Festhalle.

Schulleiter Henning Zimmermann informierte über die Laufbahnen der Pädagogen und hob deren Bedeutung für die Schule hervor. Mathematik- und Physiklehrer Ernst Morlock zeichne sich durch „große Ruhe und Freundlichkeit“ aus und engagierte sich vielfältig über 38 Jahre. Ab 1993 arbeitete er in der Schulverwaltung und im Personalrat mit, übernahm 2003 die Fachabteilungsleiterstelle, avancierte 2007 zum Konrektor und war 2014/15 kommissarischer Schulleiter. Im letzten Dienstjahr ließ er in der schwierigen Zeit wegen Corona „sein planerisches Talent aufglänzen“, habe „diese große Herausforderung großartig gemeistert“, betonte der Direktor.

Vier Jahre war Jürgen Oelschläger, der in Tübingen Biologie und Sportwissenschaft studierte, Abteilungsleiter am Gymnasium. Er engagierte sich unter anderem für die Berufsorientierung und rief mit Kollegin Olivia Bohland eine Bienen-AG ins Leben. Zuvor war er ab 1998 im Privatschuldienst am evangelischen Schulzentrum in Michelbach an der Bilz tätig, von 2006 bis 2016 als Schulleiter. Dort baute er die Ganztagsschule auf, absolvierte eine Ausbildung in Montessori-Pädagogik und arbeitete das Profilfach Naturwissenschaften, Technik und Religion aus. Von 1981 bis 1998 arbeitete er am Erasmus-Widmann-Gymnasium in Schwäbisch Hall als Verbindungslehrer und absolvierte die Ausbildung zum Beratungslehrer. „Wir haben sehr von deiner Erfahrung profitiert.“ Eine gute Beziehung zu den Schülern sei Oelschläger wichtig gewesen. Als Kollege habe er Akzente gesetzt: „Bei dir konnte man sich Ratschläge holen und sich austauschen“, unterstrich Zimmermann.

Brigitte Ostkamp studierte Französisch und Spanisch in Bochum und Barcelona. Nach Stationen in Nordrhein-Westfalen und der Familienpause zog sie um nach Baden-Württemberg und startete 2000 am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium, dem sie 20 Jahre treu blieb. Sie baute das neu eingeführte Fach Spanisch auf und prägte es maßgeblich, unternahm etliche Studienfahrten nach Barcelona und begleitete den Frankreichaustausch. Sie schätzte das „tolle Schulklima, das tolle Kollegium und die tollen Schüler“, und „wir behalten dich als tolle Kollegin in Erinnerung“, sagte Zimmermann, der den drei Neupensionären die Urkunden überreichte.

Hinzu kamen diverse Geschenke und Würdigungen durch Lehrer der Fachschaften. Ernst Morlock spielte sich souverän, teils unterstützt von Jürgen Oelschläger und Brigitte Ostkamp, frei von der Fülle seiner schulischen Verpflichtungen in „Wer wird Pensionär“, inspiriert von Günther Jauchs Show „Wer wird Millionär“. Das Kollegium schenkte ihm zum Dank für sein enormes Engagement um die Schulgemeinschaft eine Weinwanderung in den Aspacher Weinbergen. Jürgen Oelschläger sei ein „fantastischer Kollege“, zeigte vollen Einsatz, hatte „stets gute Ideen und ein offenes Ohr für die Belange der Schüler und Kollegen“. Brigitte Ostkamp sei „mit gesundem Menschenverstand gesegnet, sehr hilfsbereit und humorvoll“, so die Stimmen.

Ernst Morlock habe „Generationen von Schülern durchs Abitur getragen“, ein offenes Ohr auch für die Eltern gehabt und Wert auf Schönschrift gelegt, betonte die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Anja Trumic. „Sie haben sich um die Schule verdient gemacht, waren wandelndes Gedächtnis und Tausendsassa in Schulfragen“ mit enormem Erfahrungsschatz und großer Loyalität, lobte Bürgermeister Armin Mößner dessen Verdienste. Zur Erinnerung überreichte er ihm ein Ortsschild mit der Aufschrift „Stadt Murrhardt sagt Danke“.

„Ich bin jeden Tag gerne in die Schule gekommen“, betonte Ernst Morlock. Gerührt dankte er für die großartigen Rückmeldungen und die großartige Unterstützung durch seine Familie, die Schulleitung und Kollegen, Schulsekretärin Daniela Kiefer und die Stadtverwaltung. Er nehme „viele schöne Erinnerungen“ mit und blickte kurz zurück. Der Start 1982 sei „etwas holprig“ gewesen, da er „zu spät dran“ war. Doch bald gewann er das Vertrauen des damaligen Direktors Dietward Schwäble, der sagte: „Sie bleibet hier.“ Für dessen Nachfolger Otto Mischka setzte sich die Schulgemeinschaft erfolgreich mit einer Demonstration ein: „Unser Motto: Wir wollen Otto.“ Danach kam Jan Christiansen, ein Schulleiter „mit Ecken und Kanten“, in dessen Amtszeit das Gymnasium erweitert wurde. Und Christoph Brechtelsbauer blieb nur überraschend kurz, worauf er in die Bresche springen und die Schule leiten musste. Nun freue er sich, mehr Zeit für Familie und Fitness, Interessen und Kommunalpolitik zu haben, bekannte Morlock.

Bei der Feier waren Schüler nur virtuell in Videoclips anwesend: Aktuelle und Ehemalige dankten den scheidenden Lehrern mit launigen Leberkäsweckle-Grüßen, heiteren Impressionen eines Arbeitstags des nun Ex-Konrektors, den Marian Eitel verkörperte, und einer musikalischen Bilderschau, unterlegt von Sashas Entspannungsreggae „I Feel Lonely“, treffend schwäbisch umgetextet mit „No ned hudla“. Zudem sandte Frank Gröll, der lange mit Ernst Morlock zusammenarbeitet hat, eine Grußbotschaft aus Görlitz, wo er nun Schulleiter ist.

Außerdem verabschiedete der Schulleiter drei Referendarinnen, die ihre eineinhalb Jahre dauernde Ausbildung am Gymnasium sehr erfolgreich abschlossen und bereits neue Stellen haben. Tabea Bell unterrichtet die Fächer Deutsch, evangelische Religion und Erdkunde in Lauda-Königshofen, Carolin Heller lehrt Latein, Spanisch und Geschichte in Aalen, und Theresa Roth Mathematik und Erdkunde in Künzelsau. Die Mentorinnen Olivia Bohland, Martina Samociuk und Peggy Bauer unterstützten die angehenden Pädagoginnen und attestierten ihnen gute Blicke für die Schüler, Tapferkeit und Talente fürs Meistern von Herausforderungen wie Homeschooling.

Foto: J. Fiedler Foto: J. Fiedler Foto: J. Fiedler
Brigitte Ostkamp

Brigitte Ostkamp

Tausendsassa tauscht Tafel gegen Terrasse

© Jörg Fiedler

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Erstellt:
30. Juli 2020, 06:00 Uhr

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