Neu im Kino „A Useful Ghost“
Thailändische Romanze mit Staubsauger
Filme aus Thailand sieht man selten in europäischen Kinos, schon deshalb ist die witzige Fantasy-Tragikomödie „A Useful Ghost“ sehenswert.
© little dream pictures
March (Wisarut Himmarat) hält an seinem Glück fest.
Von Kathrin Horster
Nats neuer Körper ist nicht gerade schön anzusehen. Man kann ihn höchstens kompakt nennen, auf jeden Fall kastig, in knallrotem Plastik und auf Rollen. Oben zeigt ein leuchtender Bogengriff an, wenn Nat (Davika Hoorne) betriebsbereit ist. Mit ihrem langen, grau geriffelten Saugrohr reinigt sie aber nicht nur sämtliche Schmutzecken zuverlässig. Auch ihren um sie trauernden Gatten March (Wisarut Himmarat) liebkost sie mit diesem wenig anmutigen Kunsttentakel.
Hochpolitischer Satire über Lebens- und Arbeitsbedingungen
In der sozialkritischen Fantasy-Tragikomödie „A Useful Ghost“ des Thailänders Ratchapoom Boonbunchachoke steckt die Seele einer schönen jungen Frau nicht von ungefähr im plumpen Korpus eines Staubsaugers fest. Nat ist an den Folgen einer jahrelangen erhöhten Feinstaubexposition verstorben, um danach ausgerechnet in ein Ding zu fahren, das Luft und Räume von dem Zeug reinigen soll. Nats Staubsaugermodell stammt aus der Fabrik ihrer Schwiegereltern, wo kürzlich ein Arbeiter in der Produktion verstorben ist. Dessen wütender Geist stört nun Marchs Familie, die wiederum die verstorbene Schwiegertochter unter Druck setzt, ihr bei der Vertreibung des bösen Geistes zu helfen. March kann ohne seine Frau nicht leben, doch weil Nats Schwiegereltern die Liaison ihres Sohnes mit einem Staubsauger ablehnen, lässt sich Nat darauf ein, als Exorzistin in der Maschine den Geist des Arbeiters zu vertreiben.
Spielfilme aus Thailand sind rar auf dem europäischen Kinomarkt, schon allein das macht Ratchapoom Boonbunchachokes Meisterstück so sehenswert. Viel mehr noch die verrückte, kunstvoll in eine Rahmenhandlung eingebettete Geschichte, in der Boonbunchachoke Themen wie Trauer, Einsamkeit und Generationskonflikte mit hochpolitischer Satire über Lebens- und Arbeitsbedingungen in Thailand verquickt. Manche Anspielungen erschließen sich zwar nur denjenigen, die ein paar Eckpunkte der jüngsten Geschichte Thailands kennen – so verweist die Atemnot der Filmfiguren wohl auf den 2016 verstorbenen, beim Volk beliebten König Bhumibol Adulyadej, der bei schweren Unruhen im Jahr 2010 aufgrund einer schweren Atemwegserkrankung nicht mehr zwischen Volk und Regierung vermittelte. Die damaligen Proteste der sogenannten Rothemden gegen die Regierung unter Premierminister Abhisit Vejjajiva mit ihrer gewaltsamen Niederschlagung durch das Militär am 19. Mai 2010 spielen im Film eine subtile, aber wichtige Rolle.
Doch selbst, wer keine Ahnung hat von der für Thailänder traumatischen, historischen Episode, kann Freude haben an der fantastischen, mit feiner Ironie und skurrilem Witz unterfütterten Romanze zwischen einem Mann und seinem Staubsaugergeist. Boonbunchachoke fabuliert langsam und detailversessen, kombiniert magisches Denken, religiöse Motive, Politkritik, surreale Alltagsverzerrung, ausgeklügelte Farbsymbolik und teils explizite Liebesszenen in einem faszinierenden Genremix, wie man ihn selten zu sehen bekommt. Großartig!
A Useful Ghost. Thailand, Frankreich, Singapur, Deutschland 2026. Regie: Ratchapoom Boonbunchachoke. Mit Davika Hoorne, Wisarut Himmarat. 130 Minuten. Ab 16 Jahren.
© Little dream Pictures
Szene aus dem Film „A Useful Ghost“
© Little dream Pictures
Szene aus dem Film „A Useful Ghost“
© Little dream Pictures
Szene aus dem Film „A Useful Ghost“
© Little dream Pictures
Szene aus dem Film „A Useful Ghost“
© Little dream Pictures
Szene aus dem Film „A Useful Ghost“
