Tina Häussermann in Murrhardt: Ein Feuerwerk launiger Songs und Texte

Die Kabarettistin Tina Häussermann präsentiert im Rahmen der Winterkulturtage in Murrhardt ihr neues Programm „Happy Konfetti“. Zu ihrem 25. Bühnenjubiläum nimmt sie das Altern und die zahlreichen Maßnahmen, um dieses aufzuhalten, aufs Korn.

Tina Häussermann zeigt zu ihrem 25. Jubiläum ein neues Programm in Murrhardt. Mit dem Programm „Happy Konfetti“ begeistert sie ihre Zuschauer. Foto: Stefan Bossow

© Stefan Bossow

Tina Häussermann zeigt zu ihrem 25. Jubiläum ein neues Programm in Murrhardt. Mit dem Programm „Happy Konfetti“ begeistert sie ihre Zuschauer. Foto: Stefan Bossow

Von Petra Neumann

Murrhardt. Die mittlerweile immer weiter wachsende Fangemeinde der Kabarettistin Tina Häussermann weiß, dass sie sich bei ihren Auftritten auf ein Feuerwerk feinsthumoriger Songs und Texte einstellen darf. Nach 25 Jahren auf der Bühne darf es für die Künstlerin selbst aber auch einmal „Happy Konfetti“ regnen und das tat es dann wortwörtlich bei ihrem Auftritt im Heinrich-von-Zügel-Saal in Murrhardt.

Ein Vierteljahrhundert Showbiz, das ist schon eine Zäsur und eine Zeit zum Nachdenken, gibt Tina Häussermann zu. Wie die Jahresringe das Alter der Bäume verraten, so tun das die eine oder andere Falte und die nachlassende Hautspannung, sodass „Frau“ irgendwann vor der Entscheidung steht: Nachhilfe oder nicht? Die Risiken sind groß und das Gegenteil des Erhofften tritt häufiger ein als erwünscht. Doch das sind beileibe nicht alle Schrecknisse der Längerlebigkeit.

Schon allein das Hochfahren am Morgen dauere ein bisschen länger und wehe man fragt einen Gleichaltrigen: „Wie geht’s?“ Das sei absolut tödlich, berichtet die Kabarettistin den Zuhörerinnen und Zuhörern, denn auf diese Frage folge häufig ein Sermon aller möglicher Krankheitsbilder und Lebenserfahrungen. Schließlich sind die Jahre jenseits der 40 ein einziger Höhenflug für alle Hypochonder, die nunmehr mit ihren eingebildeten und tatsächlichen Wehwehchen so richtig abheben dürfen. Doch es gebe auch einen entschiedenen Vorteil der Wechseljahre, gibt sie zu bedenken. Und dieser Vorteil ist ihr gleich einen flotten Song wert: Die Hitzewallungen machen eine Frau schließlich nicht alt, sondern ungemein heiß.

Von pubertierenden Töchtern und wehrlosen Bäumen

Zugleich ist Tina Häussermann aber auch Mutter zweier pubertierender Töchter und selbst moderne Eltern müssen sich an den superlässigen Jargon der jungen Generation gewöhnen. Das „Was geht ab?“ als Begrüßungsfloskel werde von Müttern gekontert mit: „Der Edding bestimmt nicht.“

Nach Anti-Age-Maßnahmen sei für „länger leben wollende Gesundheitsfreaks“ das Waldbaden und das Umarmen der „wehrlosen Bäume“ als letzter Schrei aufgekommen. Um dies zu demonstrieren wählte die Künstlerin ein Opfer aus den Reihen der Zuschauer, das gleich in die Schockstarre überging. Also bitte, vorher den Baum fragen, was er von solchen Übergriffen hält, meint Tina Häussermann. Vielleicht geben die gequälten Bäume jedoch ihre leidvolle Erfahrungen an das Myzel der Waldpilze zwecks Rachegelüste weiter, denn das Sammeln der Schwammerln kann eine recht kurzlebige Angelegenheit werden, sollte die Auswahl tatsächlich im Magen landen.

Die vielen Übernachtungen in Hotels in ihren 25 Jahren auf der Bühne haben die Kabarettistin auf die Idee gebracht, eine „Sinfönie“ zu schreiben. Denn viele elektrische Geräte geben den Kammerton A, das heißt 440 Hertz, von sich. Natürlich sind für die Musikerin diejenigen Föne interessanter, die sich nicht an die Gleichschaltung der Orchestrierung in der Elektrik halten. Was die Haartrockner in den Hotels da von sich gaben, zeuge von großem Charakter und die „Sinfönie“ wird ein Werk, auf das die Welt gewartet hat. Sozusagen als künstlerischer Nachlass, denn Tina Häussermann hat bereits in ihrem Testament verfügt, dass ihr Grab mit Konfetti aufgefüllt werden soll. In jedem Ort, an dem sie auftritt, müssen zwei Zuhörer dann auch Konfetti aus der lokalen Zeitung herstellen. Im Heinrich-von-Zügel-Saal waren es Michaela und Peter, die sich ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen gaben. Zum Schluss siegte Michaela und bekam als Preis sogar einen Song, der ihr zu Ehren gesungen wurde. Aber was soll nur auf Tina Häussermanns Grabstein stehen? Dieser Frage wurde musikalisch nachgegangen und man darf davon ausgehen, dass ein frecher Spruch auf dem Epitaph prangen wird. Aber so schnell wird nicht gestorben. Auch die Deutsche Bahn geht schließlich trotz Dauerkrise nicht in die Knie und bekam ein wunderbares Medley mit neuen Texten ab, die dem Konzern in jeder Hinsicht gerecht werden.

Tina Häussermann bewies einmal mehr, was sie alles so auf dem Kasten hat und in die Tasten reinzuhauen vermag. Das Publikum zeigte sich auch dementsprechend in Jubellaune und siehe da, Humor mit Anspruch funktioniert immer noch.

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Erstellt:
6. Februar 2024, 06:00 Uhr

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