Magdeburg
Todesfahrer muss ins Gericht getragen werden
Immer wieder verweigert der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt die Nahrungsaufnahme. Nun schreit er im Gerichtssaal und muss von Justizbeamten herumgetragen werden.
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Justizbeamte trugen den Angeklagten in den Saal.
Von red/dpa
Er verweigert immer wieder die Nahrung und sucht zugleich die Bühne: Der Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt musste am 25. Verhandlungstag in den Verhandlungssaal getragen werden. Erst gut eineinhalb Stunden nach dem regulären Beginn der Verhandlung brachten ihn vier Spezialkräfte der Justiz in die Glaskabine, von der aus er üblicherweise den Prozess verfolgt. Am Vormittag des Verhandlungstags ging es allein um die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten.
In der Kabine begann der 51-Jährige aus Saudi-Arabien zu schreien. Kurz darauf musste er zuerst aus dem Saal getragen und danach wieder hereingebracht werden. In sein Mikrofon schrie der Angeklagte „Nazi!“ und „Denken Sie, akute Suizidalität hat nichts zu tun mit Verhandlungsfähigkeit?“, oder „Sind Sie Psychiater oder was?“. Der 51-Jährige, der bis zum Anschlag selbst als Psychiater im Maßregelvollzug arbeitete ergänzte: „Das ist unmenschlich.“
Vitalwerte sind okay – der Angeklagte trinkt
Aus der Justizvollzugsanstalt Burg habe es Signale gegeben, dass die Verhandlungsfähigkeit aufgrund einer Nahrungsverweigerung beeinträchtigt sein könnte, sagte der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg. Ein medizinischer Sachverständiger, der dem Verfahren beiwohnt und mit dem Angeklagten gesprochen hatte, sah die Verhandlungsfähigkeit zumindest für einen kurzen Verhandlungstag gegeben.
Während einer erneuten einstündigen Unterbrechung untersuchte der medizinische Sachverständige nochmals selbst Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung und schätzte den Angeklagten wiederholt als verhandlungsfähig ein. Im Gespräch hätte der 51-Jährige nicht unkonzentriert oder unfokussiert gewirkt. Er habe Wasser getrunken und Traubenzuckertabletten genommen.
Immer wieder im Hungerstreik
Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg lenkte der damals 50 Jahre alte Taleb Al-Abdulmohsen kurz vor Weihnachten einen PS-starken Mietwagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Die Anklage wirft Al-Abdulmohsen unter anderem sechsfachen Mord und versuchten Mord in 338 Fällen vor.
Der 51-Jährige verweigert immer wieder die Aufnahme von Nahrung und Getränken. Zuletzt war er im Dezember wegen der Folgen eines Hunger- und Durststreiks nicht mehr verhandlungsfähig.
