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Torwartschock und nächster Coronafall

Kreuzbandriss: Marcel Knauß fehlt dem Fußball-Oberligisten TSG Backnang bis weit ins neue Jahr. Zudem schlägt das Virus vor dem Spiel beim 1. FC Rielasingen-Arlen am Sonntag wieder zu.

Nicht zuletzt seine gute Spieleröffnung machte Marcel Knauß zur klaren Nummer eins und zum Leistungsträger. Umso härter trifft die Roten seine schwere Verletzung. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Nicht zuletzt seine gute Spieleröffnung machte Marcel Knauß zur klaren Nummer eins und zum Leistungsträger. Umso härter trifft die Roten seine schwere Verletzung. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Den SV Linx mit 3:0 geschlagen, nach den zwei vorangegangenen Niederlagen wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt, die Tabellenführung behauptet: Für die TSG Backnang war die Welt am vergangenen Sonntagabend noch in bester Ordnung. Prinzipiell hat sich daran seitdem nichts geändert, denn die Roten grüßen auch nach den vier Nachholspielen am Mittwochabend und vor dem Gastspiel beim 1. FC Rielasingen-Arlen am Sonntag um 15 Uhr von der Oberliga-Spitze. Zudem hat sich die Anzahl der Rivalen, die durch das verzerrte Klassement theoretisch noch aus eigener Kraft am Etzwiesenverein vorbeiziehen können, durch die Göppinger Schlappe weiter reduziert. So erfreulich das alles ist, trübte sich die Stimmung im Laufe der Woche trotzdem mächtig ein – und dafür gibt es mehrere Gründe: einen Kreuzbandriss, einen neuen Coronafall und einen überraschenden Abgang.

Los ging es mit dem Training am Dienstag. „Ich bin ohne Fremdeinwirkung blöd weggerutscht“, berichtet Marcel Knauß von der Spielform, die für ihn ein schmerzhaftes Ende nahm. Der Torwart ahnte sofort, dass etwas Schlimmeres passiert ist, „da ich das Knacksen im Knie gehört habe“. Die MRT-Untersuchung am Mittwoch brachte traurige Gewissheit: Das vordere Kreuzband im linken Knie ist gerissen, der 25-Jährige liegt bereits heute in Waiblingen bei Karsten Reichmann auf dem OP-Tisch. Obwohl weitere Schäden im betroffenen Gelenk schon ausgeschlossen werden konnten, wird Marcel Knauß wohl frühestens in sechs Monaten langsam wieder ins Training einsteigen. „Ich gehe davon aus, dass diese Runde für mich vorzeitig beendet ist“, sagt der gebürtige Schorndorfer, der seit 2018 den Kasten der Murrtaler hütet. Für ihn ist es der zweite Kreuzbandriss, das andere Knie war es in der Spielzeit vor seinem Wechsel aus Reutlingen nach Backnang. „Ich weiß also, was auf mich zukommt“, sagt Knauß und macht einen gefassten Eindruck: „Ich habe mich relativ schnell damit abgefunden, ändern kann ich es eh nicht.“ Richtig wehtun werde es aber, sich die Spiele in den nächsten Monaten von draußen anschauen zu müssen.

Für den TSG-Sportchef ist es „das Worst- Case-Szenario, wenn der Stammtorwart ausfällt“. Marc Erdmann spricht von einem herben Schlag für den Schlussmann selbst, aber auch fürs gesamte Team, denn „Marcel Knauß hat uns einige Punkte und Siege gerettet. Er hat maßgeblichen Anteil daran, dass wir Tabellenführer sind.“ Der Trainer bläst ins selbe Horn, für ihn ist seine Nummer eins „einer der besten Oberliga-Torhüter“. Als Argumente für seine Einschätzung nennt Mario Marinic die Ausstrahlung, die Ruhe am Ball und die gute Spieleröffnung, die zu seiner auf Dominanz setzenden Philosophie passt. Auch in Eins-gegen-Eins-Situationen sei Knauß stark, allenfalls bei der Strafraumbeherrschung gebe es noch Luft nach oben. Das sind die sportlichen Qualitäten, die den Torwart zu einem absoluten Leistungsträger machen. Darüber hinaus ist er laut Marc Erdmann aber auch einer, der als Führungsspieler und als Stellvertreter von Kapitän Oguzhan Biyik stets vorangeht.

Es passt bestens zu dieser Beschreibung, dass Knauß denen, die ihn ersetzen sollen, Mut zuspricht: „Das verbliebene Torwartduo wird seine Sache gut machen, da bin ich mir sicher.“ Das Problem: Mit Julian Guttenson ist derzeit nur einer der Kandidaten fit, während Mika Wilhelm wohl auch noch einige Wochen verletzt ausfallen wird. Weil es in der A-Jugend, die in der Bezirksstaffel um Punkte kämpft, laut Marc Erdmann keinen Keeper gibt, der Oberliga-Ansprüchen genügen würde, ist es ein Tanz auf der Rasierklinge. Passiert Guttenson etwas oder sieht er die Rote Karte, muss ein Feldspieler zwischen die Pfosten. „Das Risiko ist auf Dauer zu groß“, weiß der sportliche Leiter: „Wir haben die Verantwortung, diese Situation zu bewerten. Es ist nicht irgendeine Position.“ Er schließt nicht aus, sich in der Riege der vereinslosen Spieler umzuschauen, zumal nur ein Torhüter auch für den Trainingsbetrieb ein Manko ist: „Es wird aber keinen Schnellschuss geben.“

Im Nachhinein darf sich die TSG auf die Schultern klopfen, mit Julian Guttenson aus Freiberg vor der Saison überhaupt noch einen dritten Mann geholt zu haben. Wäre die Entscheidung anders ausgefallen, stünde Backnang jetzt ganz dumm da. So ist der 19-Jährige nun als Nummer eins gefordert. „Er muss in die Rolle von Marcel Knauß reinwachsen und es als Chance begreifen, die er beim Schopfe packen muss“, sagt Mario Marinic. Das größte Defizit ist sicherlich die mangelnde Spielpraxis, denn bislang waren Guttensons Dienste in dieser Runde lediglich einmal gefragt. Beim 2:0-Erfolg in Reutlingen hielt er seinen Kasten aber sauber und kassierte ein Lob vom Spielertrainer: „Er hat dort ein gutes Spiel gemacht. Wir vertrauen ihm zu 100 Prozent.“

Die Nachricht von der schweren Verletzung des Stammtorwarts blieb am Mittwoch nicht die einzige Hiobsbotschaft für die TSG Backnang. Dazu kam ein positiver PCR-Test bei einem Fußballer, dessen Namen die Roten wie bereits bei den beiden Coronafällen vor rund vier Wochen nicht nennen wollen. Er hatte vor dem Heimspiel gegen Linx wie alle Kollegen einen negativen Schnelltest gemacht, am Tag danach aber Symptome entwickelt. Nun hoffen die Macher des Etzwiesenklubs, dass es bei einem Erkrankten bleibt und alle weiteren Tests für Entwarnung sorgen. Derzeit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Partie in Rielasingen am Sonntag stattfindet, zumal der WFV die Hürden für Absagen hochgesetzt hat. Ungeimpfte Spieler, die in Quarantäne geschickt werden, gelten offiziell als einsatzfähig (wir berichteten). Im schlimmsten Fall droht sogar eine Niederlage am grünen Tisch, doch die TSG ist guter Dinge, noch mit einer schlagkräftigen Truppe antreten zu können.

Louis Wiesheu wird aber nicht mehr zum Kader gehören. Der Kurzeinsatz gegen Linx war die Abschiedsvorstellung des 23-Jährigen, der die Kickstiefel laut Marc Erdmann ausschließlich wegen des Berufs an den Nagel hängt: „Wir müssen es akzeptieren und respektieren, aber für uns ist es sehr schade. Er ist ein guter Kerl und ein feiner Fußballer.“ Immerhin gibt es auf seiner Position im zentralen Mittelfeld weitaus mehr Alternativen, als es für Knauß im Tor der Fall ist.

„Marcel Knauß hat uns einige Punkte und Siege gerettet. Er hat maßgeblichen Anteil daran,
dass wir Tabellenführer sind.“ Marc Erdmann (sportlicher Leiter der TSG),
zur Bedeutung des verletzten Torwarts „Er muss in die Rolle von Marcel Knauß reinwachsen und es
als Chance begreifen, die er
beim Schopfe packen muss.“ Mario Marinic (Trainer der TSG Backnang),
zur Bewährungsprobe für Julian Guttenson
Das Spiel am Sonntag

Tabelle Die TSG Backnang tritt als Spitzenreiter beim Zehnten 1. FC Rielasingen-Arlen an. Die Gäste haben aus 11 Partien bereits 22 Punkte geholt, für die Hausherren stehen 17 Zähler aus 10 Begegnungen zu Buche. Das zeigt, wie eng es in der Oberliga zugeht.

Besonderheit Der Verein aus der Gemeinde an der Grenze zur Schweiz trägt seine Heimspiele grundsätzlich auf einem Kunstrasenplatz aus. Vielleicht ist das Team deshalb „sehr heimstark“, wie TSG-Spielertrainer Mario Marinic weiß. Jüngster Beweis war das 2:1 gegen Göppingen am Mittwoch.

Personal Backnang muss auf Marcel Knauß, Mika Wilhelm, Michl Bauer, Niklas Pollex, Shqiprim Binakaj, Christian Weiller, Louis Wiesheu, Sebastian Gleißner und Marcus Kasongo-Ndijele verzichten. Jannik Dannhäußer und Mert Tasdelen kehren zurück. „Wir wollen trotz der ganzen Rückschläge etwas Zählbares mitnehmen“, so Marinic.

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Erstellt:
8. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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