WM-Gegner der DFB-Elf
Trainerchaos auf Curaçao – Rutten macht Weg für Vorgänger frei
Beim deutschen WM-Gegner Curaçao kommt es nur einen Monat vor dem Turnierstart zum Trainerchaos. Die Hintergründe.
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Fred Rutten (rechts) tritt als Curaçao-Coach zurück und macht den Weg für Dick Advocaat frei (Archivbild).
Von red/sid
Auf diesen Anruf hatte Joachim Löw keine Lust. Was, wenn sich denn auf einmal doch noch ein Land wie Curaçao melden würde, so kurz vor der WM, wurde der frühere Bundestrainer am Montag in Berlin gefragt. Würde ihn das nicht doch noch mal reizen? „Das“, antwortete Löw entschieden, „würde ich auf keinen Fall machen!“ Dass der Job bei dem WM-Neuling kurz darauf tatsächlich frei wurde, hatte wohl auch der 66-Jährige nicht ahnen könne. Doch Löw muss sich nicht grämen, er hätte wohl ohnehin keine Chance gehabt.
Denn sowohl Spieler als auch namhafte Sponsoren des deutschen Auftaktgegners bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) hatten wohl schon seit geraumer Zeit ihren Favoriten benannt. Und das war nicht etwa Fred Rutten, erst seit Februar beim kleinen Karibikstaat im Amt, sondern dessen Vorgänger: Dick Advocaat. Nun scheint es, als würden sie ihren Willen bekommen - nur einen Monat vor den größten Spielen der Verbandsgeschichte vollzieht Curaçao eine bemerkenswerte Kehrtwende.
Auslöser war am Montag die Entscheidung von Rutten, von seinem Posten zurückzutreten. Es dürfe „kein Klima entstehen, das gesunde professionelle Beziehungen innerhalb der Mannschaft und des Trainerteams untergräbt“, sagte der 63-Jährige laut einer Verbandsmitteilung: „Daher ist es ratsam, zurückzutreten“. Zumal die „Zeit drängt“, wie auch Rutten bekannte, „und Curaçao muss vorankommen.“ Am 14. Juni bestreitet der kleinste WM-Teilnehmer der Geschichte gegen die deutsche Mannschaft in Houston sein erstes WM-Spiel.
Verband stellte sich zunächst hinter Rutten
Die Partie gegen den viermaligen Weltmeister ist das Ziel einer Traumreise, die Advocaat einst möglich gemacht hatte. Der Niederländer führte Curaçao im Vorjahr sensationell zur WM, trat dann aber im Februar zurück, um sich um seine schwer erkrankte Tochter zu kümmern. Spätestens nach den enttäuschenden Länderspielen gegen China (0:2) und Australien (1:5) wurde die Kritik an Nachfolger Rutten lauter, die Wünsche nach einer Rückkehr Advocaats eindringlicher.
Der Verband stellte sich zunächst noch hinter Rutten. Dieser werde „Curaçao bei der Weltmeisterschaft als Nationaltrainer vertreten“, betonte Verbandspräsident Gilbert Martina noch vor wenigen Tagen. Schließlich basiere die „Entscheidungsfindung unseres Verbandes“ auf „mehr als nur den Wünschen von Spielern und Sponsoren“. Am Ende sorgte Rutten selbst für Klarheit - und öffnete die Tür für Advocaat.
Dessen Tochter soll es mittlerweile wieder besser gehen, einem WM-Engagement Advocaats dürfte aus privater Sicht somit nichts mehr im Wege stehen. Mit 78 Jahren würde der frühere Gladbach-Coach dann Otto Rehhagel (72 Jahre bei der WM 2010) als ältesten Trainer bei einer Weltmeisterschaft ablösen. Da kann Joachim Löw einfach nicht mithalten.
